3. Mai 2008 - 3:41 / Ausstellung / Archiv 
24. Januar 2008 12. Mai 2008

Das Belvedere präsentiert vom 24. Jänner bis 12. Mai 2008 das frühe Schaffen Oskar Kokoschkas, dem bedeutendsten Vertreter des österreichischen Expressionismus, erstmals in Form einer Werkschau. Nachdem das Gesamtwerk Egon Schieles vor wenigen Jahren vollkommen erschlossen wurde, und ab Herbst auch jenes von Gustav Klimt nahezu vollständig erfasst sein wird, widmet sich das Museum nun mit besonderer Intensität dem Oeuvre Oskar Kokoschkas.

Die wissenschaftliche Basis für diese Präsentation wird aus dem in wenigen Monaten erscheinenden Werkverzeichnis der Zeichnungen des Künstlers generiert, welches sich auch mit dessen lebendiger Biographie auseinandersetzt. Die Ausstellung vereint erstmals sämtliche künstlerische Ausdrucksformen Kokoschkas und veranschaulicht seinen Weg vom Träumenden Knaben des Jugendstils hin zum expressiven Enfant Terrible der europäischen Kunstgeschichte. In die Schau miteinbezogen sind Meisterwerke von Auguste Rodin, Paul Gauguin und George Minne, welche das Schaffen Oskar Kokoschkas nachhaltig prägten.

Oskar Kokoschka wurde am 1. März 1886 im niederösterreichischen Pöchlarn an der Donau geboren. Nach dem Besuch der k.u.k. Staatsrealschule lernte er von 1905 bis 1909 an der Kunstgewerbeschule in Wien; einer seiner Lehrer war Gustav Klimt, eine seiner Mitschülerinnen Elsa Oeltjen-Kasimir. 1910 übersiedelte Kokoschka nach Berlin, 1911 kehrte er nach Wien zurück. 1911 befreundete er sich mit Alma Mahler (1879-1964) und lebte ab 1912 mit ihr zusammen. 1914 wurde Alma Mahler schwanger und trieb das Kind gegen den Willen Kokoschkas ab. Das führte unter anderem zu der für ihn sehr schweren Trennung und hatte weitreichende Folgen für Kokoschka. Er meldete sich im Ersten Weltkrieg als Freiwilliger und wurde bei Einsätzen in Galizien durch Kopfschuss und in der Ukraine durch einen Bajonettstich in die Lunge schwer verwundet. Er überstand die Verletzungen und war 1916 als Kriegsmaler an der Isonzofront tätig.

1917 siedelte er nach Dresden über. 1919 bis 1926 hatte er eine Professur an der Kunstakademie in Dresden inne, von der er bereits 1924 freigestellt wurde. Nach seinem plötzlichen Ausscheiden aus der Akademie unternahm der Maler ausgedehnte Reisen durch Europa, Nordafrika und Gebiete um das östliche Mittelmeer, die ihn zu zahlreichen Städteporträts und Landschaftsbildern inspirierten. 1931 kehrte er nach Wien zurück, hatte Ausstellungen in Paris und Wien und pendelte für jeweils längere Aufenthalte zwischen beiden Orten. Ab 1933 beabsichtigte er, fest in Wien zu leben, doch nach dem Tod seiner Mutter (1934) sah er sich durch die politischen Ereignisse in Deutschland und Österreich gezwungen, im selben Jahr nach Prag zu flüchten, wo er auch seine spätere Frau Olda Palkovská kennen lernte.

1937 wurde der Oskar Kokoschka Bund in Prag gegründet, um dem Nazideutschen Kunst(un)verständnis etwas entgegenzusetzen. Vorsitzende waren Theo Balden, Heinz Worner und Kurt Lade, Kassenwartin Annemarie Balden-Wolff (damals Romahn). Man traf sich alle vierzehn Tage und veranstaltete im Emigrantenheim Stranice Ausstellungen und Künstlerfeste. Neben Ausstellungen von Entarteter Kunst veranstaltete er in Vorhersehung Hitlers Pläne gemischte Ausstellungen von sudeten- und reichsdeutschen Künstlern. Auch eine Ausstellung "Freie Deutsche Kunst" fand zusammen mit dem Pariser "Deutschen Künstler Verein" in Paris im Sommer 1938 statt.

Nach der Verkündung der Mobilmachung in der Tschechoslowakei im Mai 1938 flüchtete Oskar Kokoschka erneut, diesmal nach Großbritannien, da seine Werke von den Nationalsozialisten als entartete Kunst eingestuft wurden. 1941 heiratete er Olda Palkovská in einem Luftschutzkeller in London. Ab 1946 besaß er die britische Staatsbürgerschaft und führte seine ersten großen Ausstellungen nach dem Zweiten Weltkrieg in Zürich und Basel durch. Erst 1975 nahm er wieder die österreichische Staatsbürgerschaft an. 1953 gründete Kokoschka zusammen mit Friedrich Welz als "Schule des Sehens" die Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg auf der Festung Hohensalzburg. Ebenfalls 1953 siedelte er in die Schweiz nach Villeneuve am Genfer See über. Es folgten eine Vielzahl von Reisen ins europäische und außereuropäische Ausland sowie verschiedene Retrospektiven seines Werkes, u.a. in der Schweiz, Österreich und Japan.

Oskar Kokoschka starb am 22. Februar 1980 in Montreux; die Beisetzung erfolgte auf dem Friedhof in Clarens.


Träumender Knabe - Enfant terrible
24. Jänner bis 12. Mai 2008

Unteres Belvedere, Orangerie
Rennweg 6a
A - 1030 Wien

T: 0043 (01) 79 557 0
E: info@belvedere.at
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