Im Rahmen der Reihe „Modern Classics” zeigt das Ateneum in Helsinki eine umfassende Retrospektive mit Werken der finnischen Künstlerin Elga Sesemann (1922–2007).
Elga Sesemann und ihre Familie zogen während des Winterkriegs als Evakuierte aus Wyborg nach Helsinki. Ihre erste Einzelausstellung in Helsinki im Jahr 1945 zog sofort die Aufmerksamkeit von Kritikern und Publikum auf sich. Die damals 23-Jährige war eine vielversprechende, originelle Malerin, deren Werke mit denen von Edvard Munch und Helene Schjerfbeck verglichen wurden.
In ihrer Kunst kehrte Sesemann immer wieder zu Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in Wyborg sowie an ihre Evakuierung zurück, die nach dem Ausbruch des Winterkriegs begann. Ihre Werke beschäftigen sich mit den Auswirkungen des Krieges, der erzwungenen Flucht aus der Heimat und der Zerrüttung des Lebens. Die persönlichen Erfahrungen der Künstlerin tragen zum Aufbau eines kollektiven Gedächtnisses bei und ermöglichen die Auseinandersetzung mit Fragen nach Identität, Existenz und Außenseitertum. Die Werke sind auch im Kontext der aktuellen Weltlage nachvollziehbar.
Sesemann schuf ausdrucksstarke, halbabstrakte Gemälde von Menschen, Landschaften und Innenräumen. Die Werke spiegeln die Trostlosigkeit und Melancholie der Nachkriegszeit wider. In den Selbstporträts und Porträts haben die Menschen einen leeren Blick, der durch den Pinselstrich teilweise oder vollständig verwischt ist. Die Innenräume und Landschaften entstehen aus Erinnerungen, Kindheitserlebnissen und traumhaften Momenten. (eh)
Moderne Klassiker: Elga Sesemann
bis 08.08.2027