15. September 2010 - 2:23 / Ausstellung / Archiv 
18. Juli 2010 19. September 2010

Paula Modersohn-Becker (1876–1907) hat als eine der wenigen Frauen Wesentliches zur Entwicklung der Kunst der klassischen Moderne beigetragen und gilt heute als Pionierin in der Malerei. Zwar liegen ihre künstlerischen Wurzeln in Worpswede, doch sie erkennt sehr bald, dass die Enge der Künstlerkolonie mit den ästhetischen und thematischen Konventionen des ausgehenden 19. Jahrhunderts sie nicht weiterbringt: In der Silvesternacht 1900 bricht sie erstmals nach Paris auf.

Die pulsierende Kunstmetropole lässt sie nicht los und so zieht es sie in den ihr noch verbleibenden sieben Lebens- und Schaffensjahren weitere drei Male in die Stadt an der Seine. Dort holt sie sich die Inspirationen sowohl im Louvre beim Studium der alten Meister und antiker Bildwerke als auch bei Künstlerkollegen wie Auguste Rodin, Paul Cézanne oder Paul Gauguin.

Paula Modersohn-Beckers Bilder zeugen von der Suche nach der großen Einfachheit der Form, die sie vor allem in den Jahren kurz vor ihrem viel zu frühen Tod meisterhaft umzusetzen verstand. Doch war es gerade diese grobe, runenhafte Ausdrucksweise, die bei vielen Zeitgenossen auf Unverständnis stößt. Anlass dazu gaben unter anderem ihre Kinderbildnisse. Denn im Gegensatz zu den über Jahrhunderte hinweg liebreizenden, engelsgleichen dargestellten Geschöpfen, entfernt sie sich drastisch von diesen traditionellen Erwartungen. Paula Modersohn-Becker strebte die Reduzierung komplexer Bildgegenstände an, wobei ihr Schwerpunkt auf weiblichen Figuren und Selbstporträts lag. In diesen befragt sie sich immer wieder neu und schuf mit dem Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag 1906 schließlich eine Inkunabel der Kunstgeschichte, den ersten Selbstakt einer Frau.

Die Retrospektive, die in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Krems erstellt wurde, bietet einen Überblick über das Lebenswerk der Künstlerin, die trotz der kurzen Schaffenszeit ein erstaunliches Spektrum an Werken hinterlassen hat. Besonders erfreulich sind die Leihgaben privater Sammler, die es ermöglichen, Bilder zu zeigen, die nie zuvor in Bremen zu sehen waren. Ein weiteres Highlight sind zwei Gemälde Paula Modersohn-Beckers, die als Neuzugänge der Museumssammlung dem Publikum erstmalig präsentiert werden. So bietet die Ausstellung auch für Kenner der Künstlerin neue und spannende Blicke.

Paula Modersohn-Becker. Pionierin der Moderne
18. Juli bis 19. September 2010

Paula Modersohn-Becker Museum
Böttcherstraße 6-10
D - 28195 Bremen

T: 0049 (0)421 33 88 222
F: 0049 (0)421 33 88 233
W: http://www.pmbm.de/

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Mädchen mit Kaninchen. © Von der Heydt-Museum, Wuppertal
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Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag, 25. Mai 1906. Pappe, 101,8 x 70,2 cm. © Kunstsammlungen Böttcherstraße, Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen 2010
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Otto Modersohn, schlafend; Paris, Winter 1906/07. Leinwand, 39,7 x 46,3 cm. © Paula Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen 2010