7. September 2007 - 2:47 / Ausstellung / Archiv 
25. Mai 2007 10. September 2007

Eine großangelegte Retrospektive zu Kolo Moser im Wiener Leopold Museum, die bis zum 10. September 2007 gezeigt wird, bildet einen der Ausstellungshöhepunkte des Sommers 2007. Kolo (eigentlich Koloman) Moser (1868 – 1918), dessen Geburtstag sich im kommenden Jahr zum 140. Mal jährt, zählt mit Gustav Klimt und Josef Hoffmann zu den wichtigsten Künstlern des Wiener Jugendstils.

Das Leopold Museum würdigt das Werk Mosers mit der größten je gezeigten Werkschau. Rund 550 Exponate geben Einblick in alle Facetten des »Tausendkünstlers«, wie ihn Hermann Bahr nannte. Kolo Moser ist eine der Schlüsselfiguren für den Aufbruch der österreichischen Kunst ins 20. Jahrhundert. Die im Leopold Museum ausgestellten Objekte geben dem Besucher einen umfassenden Überblick über dessen herausragendes Werk. Ziel der Ausstellung ist es, diesen richtungsweisenden Künstler in seiner künstlerischen Entwicklung und der Vielfalt seines Schaffens zu präsentieren.

Die zeitlose Schönheit seiner Innenraumgestaltungen - die vom Möbel über Dekorationsstoffe bis hin zur Tischlampe ein Schaffen mit gesamtkünstlerischem Anspruch vor Augen führt - wird in dieser Ausstellung ebenso präsentiert, wie künstlerische Arbeiten, welche die gesamte Bevölkerung der Donaumonarchie erreichten, nämlich die nach seinen Entwürfen ausgeführten Briefmarken und Banknoten.- Ein besonders hervorzuhebender Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Mosers Werk als Maler.

Die Ausstellung gliedert sich in mehrere Abschnitte - der Chronologie seines Schaffens entsprechend. Neben Mosers frühen, noch relativ akademischen Bildern ist sein Frühwerk vor allem durch Illustrationen für Kunstzeitschriften und Gelegenheitsgrafiken als Mitglied des sogenannten Siebener-Clubs bestimmt. Dieser war bekanntlich die Keimzelle für die spätere Wiener Secession. - Einen interessanten Höhepunkt bildet auch die Zusammenführung einzelner Teile von Mosers erstem, von seinem Freund Josef Hoffmann entworfenen Atelierraum.

Im zweiten Teil wird Kolo Mosers Rolle bei der Gründung der Secession im Jahre 1897 bis zu seinem Austritt zusammen mit der Klimt-Gruppe 1905 beleuchtet. Von 1897 bis 1903 erschien das Vereinsorgan der Wiener Secession, das Ver Sacrum. Darin erschienen nicht weniger als rund 140 Illustrationsbeiträge seiner Hand. Im November 1898 wurde das von Architekt Olbrich entworfene Secessionsgebäude eröffnet. Dafür entwarf Moser den Fassadendekor, u.a. mit den Eulen und den Kranzträgerinnen. Leider sind die letztgenannten durch Kriegseinwirkung verloren gegangen.

Auch als Gestalter zahlreicher Secessionausstellungen - so der 1903 für Ferdinand Hodler und 1904 für Gustav Klimt – setzte Moser auch als Raumkünstler neue Maßstäbe. In seiner fast 20-jährigen Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule in Wien, jener führenden Vorläuferorganisation der heutigen Universität für angewandte Kunst, gab Moser die neuen Inhalte der Kunst an mehrere Schülergenerationen weiter.

Weltweite Berühmtheit erlangt Moser als Künstler der Wiener Werkstätte, die er 1903 mit dem Architekten Josef Hoffmann und dem Financier Fritz Waerndorfer gründete. Mit der Aufwertung des Kunstgewerbes wird dem Gedanken des Gesamtkunstwerks der Wiener Secession Rechnung getragen. Neueste Forschungsergebnisse, wie etwa zu der ersten von der Wiener Werkstätte 1903 ausgestatteten Wohnung, deren Auftraggeber Eisler von Terramare nun erstmals identifiziert werden konnte, bilden einen Schwerpunkt in diesem Ausstellungskapitel, wie auch moderne Möbel, so beispielsweise sein in Schwarz-weiß dekorierter Armlehnstuhl für das Sanatorium Purkersdorf (der überdies in Ausstellungen der Wiener Secession Verwendung fand) zu sehen sind. Moser stellte aber auch Entwürfe für reich intarsierte Möbel her, wie zum Beispiel den großen Schrank für das Schlafzimmer der Wohnung Eisler von Terramare.

Dem malerischen Werk Kolo Mosers ist ein großes Kapitel der Ausstellung gewidmet. Hatte man früher die Leistungen Mosers in Grafik und Kunstgewerbe höher eingeschätzt als seine Gemälde, so hat sich diese Meinung in den letzten Jahren wesentlich geändert. Beispielsweise stellte der Direktor des Musée d’Orsay in Paris, Serge Lemoine, Kurator der Ausstellung »Vienne 1900 Klimt, Schiele, Moser, Kokoschka« von Oktober 2005 bis Jänner 2006, bewusst bedeutende Gemälde Kolo Mosers zusammen mit Bildern von Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka aus.


Katalog: 448 Seiten, 150 farbige Abbildungen, 393 schwarz-weiss Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag, Format: 240 x 280 mm. Herausgeber: Rudolf Leopold und Gerd Pichler für die Leopold Museum-Privatstiftung. Englisch/Deutsch. Preis: EUR 34,90.-

Kolo Moser. Der Tausendkünstler des Wiener Jugendstils
25. Mai bis 10. September 2007

Leopold Museum
Museumsplatz 1, MQ
A - 1070 Wien

T: 0043 1 525 70-1523
F: 0043 1 525 70-1500
E: office@leopoldmuseum.org
W: http://www.leopoldmuseum.org/

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Der Wanderer, um 1914; Öl auf Leinwand, 75,5 x 62,4 cm; © Leopold Museum, Wien
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Tristan und Isolde, um 1915; Öl auf Leinwand, 210 x 195 cm; © Privatsammlung
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Armlehnstuhl, Eingangshalle des Sanatorium Purkersdorf, 1903; Buchenholz, lackiert, Korbge?echt, 72,5 x 66 cm; © Leopold Museum, Wien
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Lampe mit Glasstäbchen für den Salon Flöge in Wien, 1904; Alpaka versilbert, Glas, 37,5 x 18,5 x 18,5 cm; © Privatsammlung
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Liebespaar, um 1913; Öl auf Leinwand, 99,8 x 74,7 cm; © Privatsammlung