8. Februar 2009 - 2:21 / Ausstellung / Archiv 
7. September 2008 15. Februar 2009

Die Kunsthalle Krems präsentiert mit dem Norweger Peder Balke einen radikalen Landschaftsmaler der späten Turner-Zeit, dessen außergewöhnlicher Malstil seine Arbeiten zu einem Pionierstück der Moderne macht. In seinen faszinierenden Landschaftsbildern und Seestücken der nordnorwegischen Küste arbeitete Balke mit Bürsten, Nass-in-Nass Techniken oder kratzte direkt in die Farbe. In Zusammenarbeit mit dem dänischen Museum Ordrupgaard zeigt die Kunsthalle Krems erstmals eine Personale des Künstlers außerhalb Skandinaviens.

Peder Balkes (1804 – 1887) Bilder scheinen auf den ersten Blick der romantischen Landschaftstradition Caspar David Friedrichs oder des Norwegers Johan Christian Dahl, einem Lehrer Balkes", verpflichtet. Doch Balke emanzipierte sich mit seinem revolutionären Stil, dessen Ausformungen bereits in den 1840er-Jahren deutlich erkennbar sind, von seinem Lehrer; seine Arbeiten sind in Technik und Ausführung ungewöhnlich und einzigartig. Sie erinnern an das Spätwerk des englischen Landschaftsmalers William Turner, doch wurde diese Wirkung mit anderen Mitteln erzielt, wobei nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob er diese kannte. In einem Bericht über seine Londonreise 1849/50 gibt Balke keinen Hinweis darauf.

Im Sommer 1832 bereiste Peder Balke die nordnorwegische Küste. Er kehrte tief beindruckt von der überwältigenden, sublimen Schönheit der Natur zurück und verschrieb in der Folge seine gesamte Künstlerkarriere diesen Impressionen. "[...]genausowenig kann die Feder den erhabenen und überwältigenden Eindruck schildern, den die üppigen Naturschönheiten und Lagen der Anschauung und dem Gemüt lieferten – ein Eindruck, der mich nicht nur im Rausche des Augenblicks ergriff, sondern der auch einen entscheidenden Einfluss auf mein gesamtes zukünftiges Leben hatte, indem ich nämlich niemals, weder im Ausland noch anderswo in unserem Land die Gelegenheit gehabt hatte, etwas so Erhebendes und Begeisterndes zu betrachten, wie das, was ich auf dieser Finnmarkreise sah.", schrieb Balke in seiner Autobiografie. Der Künstler versuchte nicht, das Charakteristische und Typische des Landes und der Natur festzuhalten, so wie es sein Lehrer Johan Christian Dahl forderte; er setze sich gezielt mit den imposanten und exponierten nordnorwegischen Küstenpartien auseinander. Daraus entstanden Werke wie Vom Nordkapp (1860er-Jahre), Von Nordland oder Seestück, in denen Balke mit seinen unkonventionellen Techniken außergewöhnliche Effekte erzielte.

Erst im 20. Jahrhundert wurde Balkes besondere Maltechnik entsprechend anerkannt: In den 1990er Jahren verfasste der bekannte dänische Maler Per Kirkeby ein Buch über den Einzelgänger, in dem er die Mittel der Täuschung beschrieb, mit denen die faszinierenden Naturbilder gemalt waren. Außerhalb Skandinaviens ist Peder Balke einem kleinen Kreis von Kunstinteressierten bekannt, obwohl mehrere Werke von ihm im Pariser Louvre präsent sind.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Krems ist die erste Personale außerhalb Skandinaviens. Die retrospektive Schau zeichnet Balkes Entwicklung von den frühen 1830er Jahren über die Entstehung seines einzigartigen Stils in den 1840er Jahren bis zu den radikalen Arbeiten der 1860er Jahre nach und zeigt die unzweifelhafte Bedeutung des Künstlers als Pionier der Moderne.

Katalog: Peder Balke. Ein Pionier der Moderne, erschienen im Kehrer Verlag Heidelberg, EUR 19,00


Peder Balke - Ein Pionier der Moderne
7. September 08 bis 15. Februar 09

Kunsthalle Krems
Franz-Zeller-Platz 3
A - 3500 Krems-Stein

T: 0043 (0)2732 9080-10
F: 0043 (0)2732 9080-11
E: office@kunsthalle.at
W: http://www.kunsthalle.at/

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Mondschein, vermutlich 1840er-Jahre. Öl auf Holzplatte, 16 x 27,5 cm. Trondheim Kunstmuseum, Norwegen, 2008
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Seestück, 1849. Öl auf Karton, 37,5 x 46,5 cm. Nationalmuseum Stockholm, Schweden, 2008 / Foto: Erik Cornelius
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Nordkap, 1853. Öl auf Leinwand auf Holzplatte kaschiert, 36 x 50,5 cm. Privatsammlung, Courtesy Bjørn Li Daidalos Fine Art LTD, 2008
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Bei Steigen, vermutlich 1840/50er-Jahre. Öl auf Holzplatte, 43 x 64,5 cm. Privatsammlung; Courtesy Galleri Kaare Berntsen, Oslo, Norwegen, 2008 / Foto: Thomas Widerberg
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Vom Nordland, ca. 1860. Öl auf Papier aufgeklebt, 35,2 x 25,5 cm. Nordnorsk Kunstmuseum, Tromsø, Norwegen, 2008 / Foto: Jan Martin Berg