Ein philosophischer Abend mit Glückskeksen und Cello solo

Die Montforter Zwischentöne schwappen über die Grenze. Das Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz bot für das Improtheater mit dem Glücksexperten Robert Pfaller ein vergnügliches Ambiente, der spontan auf Botschaften von chinesischen Glückskeksen hin philosophierte. Ebenfalls improvisierte, doch musikalische Antworten gab Cellist Clemens Sainitzer darauf. Er ist ein Meister auf seinem Instrument: gezupft, gestrichen, aber auch geklopft, dazu gepfiffen und mit Elektronik geboostert … das klang nach viel mehr als ein Solo.

Die Bibliothek der verschiedenen Glückskeks-Sprüche beinhalte 15.000 verschiedene, sagt Hans-Joachim Gögl, der scheidende künstlerische Leiter, der mit diesem Format schon öfter erfolgreich experimentiert hat. Und der bekannte österreichische Denker Robert Pfaller reibt sich erfreut die Hände beim ersten Spruch: „Seien Sie geduldig und optimistisch.“ Dies sei eine Anleitung, die nicht besonders gut zusammenpasst, denn der Geduldige ist im Gegensatz zum Optimisten ein (Ab)Wartender. Dem Philosophen fällt Franz Kafkas Geschichte von dem „Mann vom Lande" ein, der sein Leben lang vergeblich vor der Tür zum „Gesetz" wartet, weil ihm der Einlass verwehrt wird, bis er zum Schluss erkennen muss, dass sie immer und nur für ihn offen war, nun aber geschlossen wird.

„Sie handeln sehr klug“, liest der Musiker nach seinem mitreißenden Intermezzo vor, und Pfaller sagt: „Da hat sich die Nudelsuppe gelohnt!“. Die nächste goldene Verpackung wird aus der Glasschüssel gefischt, es raschelt, es knackt: „Du darfst deine Freundlichkeit gegenüber anderen nicht vergessen.“ Dies komme schon eher aus der asiatischen Kultur, denn „wenn wir nicht freundlich sind, dann nicht aus Vergesslichkeit …“ Pfaller zitiert den Philosophen Alain (Émile-Auguste Chartier), der die Auffassung vertrat, dass Glück eine moralische Pflicht und ein Produkt des Willens sei, eine aktive Übung, die auch dem Nächsten zugutekommt. 

„Ihre gute Laune ist heute ansteckend“, sei wieder eine Behauptung, und wird die gute Laune überdosiert, so perlt sie beim anderen ab. Ein Gestalten im Umgang mit dem Gegenüber wird Wirkung zeigen, ansteckend sein. „Noblesse oblige“ – Vornehmheit verpflichtet auch die anderen. Wenn der andere die positiven Erwartungen spürt, wird er darauf reagieren.

„Gut, dass Sie ihre Ziele beharrlich weiterverfolgen“ ist noch eine aufmunternde Botschaft von insgesamt sieben, plus einer Draufgabe, wieder verbunden mit einer Wertung. Man könne es in der Betrachtung mit Varianten versuchen: Schlecht, dass sie ihre Ziele beharrlich weiterverfolgen; Es ist gut, dass sie ihre Ziele nicht verfolgen … finden wir da die Lücke für ein interessantes Gegenteil? Es gäbe durchaus Ziele, die erreicht man nicht durch Beharrlichkeit. Zu diesem Befreien von der fixen Idee fällt Pfaller „Das Lied der Unzulänglichkeit menschlichen Lebens“ aus Bertolt Brechts Dreigroschenoper ein: „Ja, renn nur nach dem Glück / Doch renne nicht zu sehr / Denn alle rennen nach dem Glück / Das Glück rennt hinterher.“ 

Ein unterhaltsamer, denkwürdiger Abend. Zum Ausklang darf das Publikum auch in die Glasschüssel greifen und sinniert nun wohl länger sowie philosophischer über die Botschaften im Glückskeks.