9. Juni 2019 - 11:27 / Aktuell 

Die Redaktion Kultur-Online trauert um einen ihrer längstgedienten Mitarbeitenden. Der bei uns gut fünfzehn Jahre als Kolumnist tätig gewesene Haimo L. Handl, der auch Verleger, Schriftsteller und Pädagoge war, ist am 24.5.2019 an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben.

Haimo L. Handl kam 1948 in Feldkirch/Vorarlberg zur Welt und verbrachte hier auch seine Kindheit und Jugendzeit. Er arbeitete zunächst als Angestellter im kaufmännischen Bereich, studierte dann aber Politikwissenschaft an der Universität Wien sowie an der US-amerikanischen Virginia Polytecnic Institute and State University. Daran anschliessend absolvierte er ein Doktoratsstudium in Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Wien.

Hierauf arbeitete Haimo als Consultant, Projektmanager und im Qualitätsmanagement. Von 1982 bis 2003 stand er als Lektor am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft sowie am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien unter Vertrag. Dazwischen verfolgte er immer wieder Projekte als Dramaturg in einem Wiener Kleintheater bzw. als Mitarbeiter beim Österreichischen Filminstitut. Die dramatisierte Fassung von "Nachtschatten" wurde 2007 im Theater Pygmalion, Wien, uraufgeführt.

Von 2004 bis zum März dieses Jahres war Haimo ständig als Kolumnist für Kultur-Online tätig. Seine unter dem Titel "Wort zum Sonntag" über viele Jahre hinweg erschienenen und weithin beachteten Sonntagskolumnen erschienen gesammelt auch in Buchform. In diesen Beiträgen nahm Haimo soziale, gesellschaftliche und politische Themen aufs Korn und brachte sie in messerscharfer Kritik genau auf den Punkt. Seine kritische Feder und sein unermüdliches Mahnen vor humanen Katastrophen und gesellschaftlicher Unterdrückung stand ganz in der Tradition der Aufklärung. Seine Gabe, Problemfelder durch seine Belesenheit intellektuell auseinanderzubreiten und durch von Vernunft geprägte Ableitungen zu klaren Schlussfolgerungen zu gelangen, war einzigartig. Insgesamt sind mehrere Hundert Kolumnen von ihm auf Kultur-Online publiziert worden.

Zwischen 1997 und 2009 fungierte Haimo L. Handl auch als Herausgeber und Chefredakteur der politisch und kulturell orientierten Online-Zeitschrift "Zitig". 2008 rief er zudem den Bildungs- und Kulturverein Gleichgewicht ins Leben, der noch immer grenzüberschreitend tätig ist. Und Ende 2008 gründete Handl auch den Kleinverlag Driesch, der ein kleines literarisches Nischenprogramm publiziert. Zwischen 2010 und 2014 gab der Verlag die gleichnamige "Zeitschrift für Literatur & Kultur" heraus, die Prosa, Lyrik und Essays in allen Sprachen (nicht-deutsche Texte mit deutscher Übersetzung) veröffentlichte.

Haimo war darüber hinaus Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung und beim Literaturkreis Podium. Schriftstellerisch verfasste er vor allem Prosa-Texte und Essays, aber auch Gedichte. Nachfolgend eine Kostprobe von ihm:

draussen, dort war niemand
drinnen, hier, war ich
heute bin ich woanders und
rede von damals
erinnere mich an das drinnen
das drinnige
den heimeligen raum
heute bin ich draussen

Wir werden den kritischen Geist von Haimo L. Handl sehr vermissen. Unser Mitgefühl gilt seiner langjährigen Partnerin und Mitstreiterin Barbara Nemes, mit der er seit langem in Drösing im Weinviertel zusammenlebte, sowie allen Angehörigen.
Für die Redaktion: Karlheinz Pichler (Vereinspräsident)



Ein kritischer Geist ist nicht mehr: Haimo L. Handl (Bild: Wikimedia Commons)
Ein kritischer Geist ist nicht mehr: Haimo L. Handl (Bild: Wikimedia Commons)