3. Dezember 2019 - 10:31 / Ausstellung / Geschichte 
5. Dezember 2019 30. Juni 2020

Am 28. November 2017 hielt der französische Präsident Emmanuel Macron eine Rede an der Universität von Ouagadougou in Burkina Faso. Dabei verkündete er die Absicht, in den nächsten fünf Jahren ein Programm zur zeitweiligen oder endgültigen Rückgabe afrikanischer Kulturgüter aus französischen Museen zu entwickeln.

Bereits vor dieser Rede haben sich Institutionen mit Fragen zur Rückgabe von Kulturgütern aus kolonialen Kontexten beschäftigt. Mit der Ankündigung Macrons ist die Diskussion jedoch auch verstärkt in der Öffentlichkeit angekommen. Daraus entwickelte Leitfäden und Empfehlungen berücksichtigen folgende Aspekte: Wer muss, soll oder kann restituieren? An wen soll materielle Kultur zurückgegeben werden?

Die Ausstellung "Ein koloniales Ding" versteht sich als Beitrag zu diesen Diskussionen. Sie versammelt 12 Objekte, die zum Teil sehr unterschiedlich sind: unter anderem ein Babytragband aus Brasilien, eine hölzerne Brustplatte von der Osterinsel, eine Maske der "Haida" aus Nordamerika, eine kleine Votivgabe aus den Schulterblättern von Schafen aus der Mongolei, ein Smartphone, die Reproduktion eines Hofzwergs aus dem Königreich Benin und die sterblichen Überreste eines weltberühmten Entdeckers. Sind das alles koloniale Dinge? Und können uns Leitfäden und Empfehlungen helfen zu entscheiden, ob sie jemandem zurückgegeben werden sollten?

Claudia Augustat, Kuratorin am Weltmuseum Wien, über die Ausstellung:
"Dass sich in unseren Sammlungen Dinge mit kolonialer Vergangenheit befinden, ist keine Neuigkeit – zumindest nicht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums. In der Öffentlichkeit haben wir diese Vergangenheit nicht immer thematisiert, in den letzten Jahren jedoch immer öfter.

Heute ist es uns wichtig, über diese Dinge zu sprechen. Es ist uns wichtig, darüber nachzudenken, was genau ein Ding zu einem kolonialen Ding macht und wie wir am besten damit umgehen können. Soll es auch in der Zukunft hier im Museum sein und gezeigt werden? Gibt es einen anderen Platz auf der Welt, wo es vielleicht besser aufgehoben wäre? Wer kann oder soll über seine weitere Verwendung entscheiden?“

In der Ausstellung liegen Texthefte für die Besucherinnen und Besucher bereit, die vier Empfehlungen und Leitfäden zur Rückgabe von Objekten aus kolonialen Kontexten zusammenfassen. Im Zusammenhang mit zwölf Objekten, die aus jeweils bis zu drei unterschiedlichen Perspektiven kommentiert werden, öffnet sich Raum für Diskussionen.

Ein koloniales Ding
5. Dezember 2019 bis 30. Juni 2020

Weltmuseum Wien
Heldenplatz
A - 1010 Wien

T: +43 1 534 30-5052
E: info@weltmuseumwien.at
W: https://www.weltmuseumwien.at/

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  •  5. Dezember 2019 30. Juni 2020 /
Abzug: Maske, Holzplatte mit Vogelgesicht und Verzierung mit Perlmutteinlagen © KHM-Museumsverband
Abzug: Maske, Holzplatte mit Vogelgesicht und Verzierung mit Perlmutteinlagen © KHM-Museumsverband
Abzug, Dia, Negativ: Kapitän James Cook, 1728-1779 © KHM-Museumsverband
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Kindertragband: Achselbinde © KHM-Museumsverband
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Orakelknochen-Devinationsgerät © KHM-Museumsverband
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