Vom 24.9. bis 4.10 findet heuer bereits zum fünften Mal das Zurich Film Festival statt. Junges Kino steht im Mittelpunkt des Spielfilm- und des Dokumentarfilmwettbewerbs sowie des neu geschaffenen Deutschsprachigen Spielfilmwettbewerbs, daneben werden aber auch Ehrenpreise an so renommierte Filmschaffende wie Roman Polanski, Morgan Freeman und Michael Keaton vergeben.
Hochkarätig besetzt sind die Juries des Spielfilm- sowie des Dokumentarfilmwettbewerbs. Werden in ersterer neben der Schauspielerin Debra Winger als Präsidentin auch international erfolgreiche Regisseure wie Randal Kleiser ("Grease") und Pawel Pawlikowski ("Last Resort", "My Summer of Love") über die Vergabe des "Goldenen Auges" entscheiden, so sitzen in letzterer neben der Produzentin und Dozentin Elizabeth Wood mit Erwin Wagenhofer ("We Feed the World", "Let´s Make Money") und Peter Liechti ("Signers Koffer", "Hardcore Chambermusic") zwei renommierte Dokumentarfilmregisseure. Präsident der dreiköpfigen Jury des "Deutschsprachigen Spielfilmwettbewerbs" ist schließlich mit Til Schweiger auch kein unbekannter.
Neu eingerichtet wurde auch ein Kritikerpreis des Schweizer Verbands der Filmjournalistinnen und Filmjournalisten (SVFJ). Über die Vergabe dieses "Critic´s Choice Award" für den besten Film des "Internationalen Spielfilmwettbewerbs" werden Bettina Spoerri, Nina Scheu und Martin Walder entscheiden.
Eröffnet wird das Zurich Film Festival, wie schon seit längerem bekannt, mit Alain Gsponers Verfilmung von Martin Suters Bestseller "Lila, Lila", in der Hannah Herzsprung und Daniel Brühl die Hauptrollen spielen. Dieser Film läuft ebenso "Out of Competition" wie Terry Gilliams "The Imaginarium of Dr. Parnassus", Andreas Dresens "Whisky mit Wodka", Oliver Hirschbiegls Thriller "Five Minutes to Heaven" oder die Verfilmung von Wadis Diries autobiographischem Roman "Wüstenblume". Dirie wird in Zürich ebenso erwartet wie Terry Gilliam, Oliver Hirschbiegl und das Team von "Lila, Lila". Als Weltpremieren werden in dieser Schiene zudem Dieter Meier den Director´s Cut seines Fantasyfilms "The Lightmaker" und Christian Frei seinen neuen Dokumentarfilm "Space Tourists" vorstellen.
Die größten Kaliber bringt aber die Verleihung der Ehrenpreise an die Limmat. Roman Polanski wird das "Goldene Auge" für sein Lebenswerk ebenso persönlich entgegen nehmen wie Morgan Freeman den "Golden Icon Award". Und der Schauspieler Michael Keaton wird zur Verleihung des "Career Achievement Awards" gleich sein Regie-Debüt "The Merry Gentleman" mitbringen. Die Preisverleihung an Polanski nimmt das Festival zudem zum Anlass für eine Retrospektive mit ausgewählten Werken des 1933 in Paris geborenen polnischstämmigen Regisseurs.
Wenig lässt sich über die meisten der 13 Filme des "Internationalen Spielfilmwettbewerbs" sagen, da diese Sparte Werke junger, großteils noch unbekannter Regisseure präsentiert. Schon bei der Berlinale sehen konnte man aber Peter Stricklands archaische Rachetragödie "Katalin Varga" und die lakonische argentinische Tragikomödie "Gigante". Wie ein roter Faden ziehe sich laut Kurator Nikolaj Nikitin das Thema Familie durch die Wettbewerbsbeiträge.
Unbekannte Namen dominieren auch den Dokumentarfilmwettbewerb, gemeinsam sei den Filmen laut Kuratorin Christine von Fragstein aber, dass sie sich neugierig, mutig und kompromisslos mit schwierigen Themen auseinander setzten.
Im Deutschsprachigen Spielfilmwettbewerb finden sich schließlich mit Frieder Wittichs "13 Semester", Carsten Ludwigs und Jan-Christoph Glasers "66/67 – Fairplay war gestern" und Lutz Konermanns "Der Fürsorger" drei Weltpremieren. Zumindest in Österreich schon bekannt ist Marco Antoniazzis Familiengeschichte "Kleine Fische", die ein bisschen im Stil des britischen Sozialrealismus, aber letztlich doch zu wenig präzis und scharf in der Auslotung der Problemfelder und in der Figurenzeichnung von einem jungen Mann erzählt, der trotz der zunehmenden Konkurrenz durch Discounter den kleinen Fischladen seiner Eltern nicht aufgeben will.
Abgerundet wird das Programm des Festivals durch die Zurich Master Class, bei der 20 ausgewählte Nachwuchs-Filmschaffende mit namhaften Dozenten wie Roman Polanski, Peter Fonda, Morgan Freeman oder Erwin Wagenhofer diskutieren können, die Reihe "Neue Welt Sicht", die den Fokus auf das aktuelle argentinische Filmschaffen richtet, sowie diverser Special Screenings wie einer Vorführung des bei der Semaine de la critique von Locarno ausgezeichneten Dokumentarfilms "Pianomania – Auf der Suche nach dem perfekten Klang".