5. Januar 2009 - 2:27 / Ausstellung / Archiv 
31. Oktober 2008 11. Januar 2009

1918 ist ein Jahr der großen Verluste für die österreichische Kunst. Im letzten Kriegsjahr starben Gustav Klimt, Kolo Moser, Otto Wagner und - am 31. Oktober – Egon Schiele. Das Leopold Museum richtet nun aus diesem Anlass dem bedeutenden Zeichner und Maler einen eigenen Ausstellungsraum ein. Gezeigt werden außergewöhnliche Dokumente, so etwa die letzten Briefe des Künstlers, welche die schweren Lebensumstände gegen Kriegsende, den Mangel an Heizmaterial und die unzulängliche medizinische Versorgung schildern.

Zu sehen sind beeindruckende, selten gezeigte Exponate des Leopold Museums und Werke aus Privatbesitz. Großartige, wenngleich in Ihrem Inhalt erschütternde Zeichnungen, wie jene von Gustav Klimt am Totenbett oder die berührende Darstellung der vom Tod gezeichneten Edith Schiele sind ebenso zu sehen wie die Totenmaske des Künstlers. Egon Schiele starb im Jahr 1918 im Alter von nur 28 Jahren an den Folgen der Spanischen Grippe. Wenige Tage zuvor, am 28. Oktober, war auch seine geliebte – und zu diesem Zeitpunkt hochschwangere - Frau Edith der Epidemie zum Opfer gefallen.

Schiele hinterließ in der kurzen ihm vergönnten Schaffenszeit ein umfangreiches Oeuvre. Besonders hervorzuheben sind seine Selbstbildnisse, die Landschaftsbilder – darunter auch die berühmten Krumauer Stadtlandschaften – und die allegorischen Darstellungen. Seine Zeichenkunst ist altmeisterlich und doch zugleich extrem modern. Die schonungslose Darstellung des nackten Menschen, die Radikalität der Posen und die Verrenkungen des geschundenen Körpers sind von einzigartiger Kraft. Wie kaum einem anderen Zeichner gelang es Schiele dem Körper mit wenigen Strichen ein Maximum an Räumlichkeit zu verleihen.

Schiele ist mit Oskar Kokoschka der wichtigste Vertreter des österreichischen Expressionismus. Das Leopold Museum beherbergt aber nicht nur die größte Schiele-Sammlung der Welt sondern auch Meisterwerke des 19. Jahrhunderts, Höhepunkte der Kunst Wiens um 1900 (Gustav Klimt, Kolo Moser, Josef Hoffmann) und herausragende Werke der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Die Egon Schiele-Gedenkausstellung im Leopold Museum ist als neuer Teil der ständigen Schiele-Präsentation ab 31. Oktober 2008 zu sehen.

Leopold Museum
Museumsplatz 1, MQ
A - 1070 Wien

T: 0043 1 525 70-1523
F: 0043 1 525 70-1500
E: office@leopoldmuseum.org
W: http://www.leopoldmuseum.org/

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Selbstbildnis mit Lampionblumen, 1912. Öl und Deckfarben auf Holz, 32,4 x 40,2 cm
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Edith Schiele im gestreiften Kleid, 1915. Bleistift und Gouache auf Papier, 50,8 x 40,2 cm
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Martha Fein: Egon Schiele im Totenbett, 1918. Fotografie, © IMAGNO/ Austrian Archives