Hinter der „Sammlung Peschka“ verbirgt sich eine Geschichte, die zwei Künstlerfamilien miteinander verbindet und neue Einblicke in die Welt Egon Schieles ermöglicht.
Egon Schieles Schwester Gerti heiratete den Maler Anton Peschka, einen engen Freund und Künstlerkollegen Schieles. Als ihr Sohn, Anton Peschka jun., im Jahr 1997 verstarb, hinterließ er der Stadt Wien ein außergewöhnliches Vermächtnis: einen Nachlass, der nicht nur weltberühmte Kunstwerke umfasst, sondern auch eine wahre Zeitkapsel des kreativen Wiens im frühen 20. Jahrhundert darstellt. Laut Testament sollte der Nachlass als „Sammlung Peschka“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Neben bedeutenden Gemälden und Zeichnungen umfasst er auch Schieles Ateliermöbel sowie Sammlungen von Souvenirs, Ziergegenständen, Kunstzeitschriften und Büchern. Auch Hunderte Familienfotos und Briefe sind Teil des Nachlasses – ein reiches Material, das es erstmals ermöglicht, Schieles Leben in Beziehung zu seinen engsten Angehörigen detailliert zu rekonstruieren.
Neu aufgetauchte Dokumente erhellen beispielsweise das Leben von Schieles erstgeborener Nichte, deren Existenz bis vor Kurzem unbekannt war. Andere Schriftstücke greifen eine der hartnäckigen Fragen der Schiele-Forschung auf. Hat Anton Peschka jemals Werke im Stil seines berühmten Schwagers angefertigt und als solche verkauft?
Besonders eindrucksvoll ist Egon Schieles originale Glasvitrine, die mitsamt ihres Inhalts erhalten geblieben ist – ein persönliches „Kabinett der Kuriositäten“, gefüllt mit Büchern, Objekten und Erinnerungsstücken, die Schiele sammelte. Dieses Möbelstück ist erstmals öffentlich zu sehen und lässt sich als frühes Beispiel einer „Künstler-Sammlung“ lesen.
Egon Schiele (1890–1918) und Anton Peschka (1885–1940) lernten sich 1906 an der Akademie der bildenden Künste kennen. Aus Studienkollegen wurden Freunde und so begegnete Anton Peschka spätestens 1909 auch Gertrude/Gerti (1894–1981), der jüngeren Schwester Egon Schieles. Die beiden heirateten 1914 und hatten vier Kinder: Gerti, Anton, Susi und Egon.
Als Anton Peschka junior 1997 starb, vermachte er seinen gesamten Nachlass der Stadt Wien. Dies erfolgte unter der Bedingung, dass die wichtigsten Objekte – Kunst und Möbel aus dem ehemaligen Besitz von Egon Schiele und Anton Peschka – unter dem Titel „Sammlung Peschka“ für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Insgesamt umfasst der Nachlass einige tausend Objekte, die in den vergangenen Jahren gesichtet und vorsortiert wurden. Ihre Inventarisierung ist ein Work-in-Progress; die Ausstellung mit dem dazugehörigen Katalog ist die erste Präsentation der Hinterlassenschaften der Künstlerfamilien Schiele und Peschka.
In der Online-Sammlung des Wien Museums (https://sammlung.wienmuseum.at/) wird der Bestand unter dem Schlagwort „Sammlung Peschka“ nun sichtbar gemacht und laufend ergänzt.
Die „Sammlung Peschka” eröffnet somit nicht nur ein tieferes Verständnis für Schieles Welt, sondern gewährt auch einen seltenen, intimen Einblick in das Leben und die Ambitionen zweier Künstlerfamilien.
Schiele & Peschka
Eine Familienaufstellung
bis 27. September 2026
Kuratorin: Ursula Storch