Eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der europäischen Fotografie-Geschichte wird im Flatz Museum – Zentrum für Fotografie in einer Ausstellung gewürdigt. "Edith Tudor-Hart – a woman's many faces" lautet der Titel der Ausstellung, die sich mit der facettenreichen Persönlichkeit Edith Tudor-Harts auseinandersetzt.
Die Ausstellung bietet einen vielschichtigen Einblick in das Werk und Leben der 1908 in Wien geborenen Fotografin, Pädagogin und politischen Aktivistin Edith Tudor-Hart, deren Biografie bis heute zwischen künstlerischem Anspruch, gesellschaftlichem Engagement und geheimdienstlicher Tätigkeit gelesen wird.
Es werden 88 gerahmte Fotografien sowie sieben großformatige Wandverkleidungen ausgestellt. Alle Exponate wurden aus dem Archiv des Fotohof Salzburg entnommen, wo der gesamte Nachlass Edith Tudor-Harts aufbewahrt und wissenschaftlich betreut wird. Kuratiert wurde die Ausstellung von Isabelle Drexel, MA, und Helena Kalleitner, die die Sammlung Edith Tudor-Hart im Fotohof-Archiv betreuen.
Die Schau gibt einen umfassenden Einblick in ihr fotografisches Wirken. Bereits in den 1930er-Jahren dokumentierte Tudor-Hart soziale Missstände, Armut und die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse in Wien und London. Ihre Arbeiten verbinden gesellschaftliche Beobachtung mit großer menschlicher Nähe und Sensibilität. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf ihrem späteren Werk im britischen Exil. Die ursprünglich als Montessoripädagogin ausgebildete Tudor-Hart fotografierte Kinder in progressiven Bildungseinrichtungen und dokumentierte neue Ansätze der Bewegungsförderung und Sonderpädagogik. Ein Teil dieser Arbeiten erschien 1952 im Lehrbuch „Moving and Growing”.
Neben ihrem fotografischen Werk verweist die Ausstellung auch auf Tudor-Harts politisches Doppelleben. Die Wiener Fotografin arbeitete für den sowjetischen Geheimdienst und spielte bei der Vermittlung von Kontakten innerhalb des später als „Cambridge Five“ bekannt gewordenen Spionagerings eine bedeutende Rolle. Unter anderem war sie an der Anwerbung des späteren Meisterspions Kim Philby beteiligt. Deshalb stand sie über Jahre hinweg unter Beobachtung des britischen Geheimdienstes. Dokumentationsmaterial zu ihrer geheimdienstlichen Tätigkeit wird in der Ausstellung jedoch nicht gezeigt. Im biografischen Kontext bleibt dieser Teil ihres Lebens jedoch präsent. Ein besonderes Dokument der Ausstellung sind Kopien eines von Edith Tudor-Hart selbst angelegten Sammelalbums mit publizierten Arbeiten. Es gibt Einblicke in ihre persönliche Auswahl und Bewertung ihres fotografischen Schaffens.
„Edith Tudor-Hart – a woman’s many faces“
18. Juni bis 3. Oktober 2026
Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 17. Juni 2026, 19:00 Uhr