Edith Hofer – Mit dem Hasen meditieren

Die Kunst stand wohl seit Menschengedenken in den Diensten der Magie. Edith Hofer nennt die Zauberformel: „Betrachte die Blumen, dein Herzschlag ruht, ein Hase schläft, der Tag wird gut“. Es ist ein Zauber der Verwandlung, „zur Bewältigung der Wirrnisse unserer Zeit,“ sie wünscht: „Love and Peace to all of us.”

Als Psychopompos – Seelenführer stellt uns Edith Hofer den Hasen zur Verfügung.

Wer ist dieser Hase?

Die Hasenartigen (Leporidae) leben auf jedem Kontinent der Erde, ausser der Antarktis. Der Hase rennt schnell, vermehrt sich rasch: Das Weibchen gebiert jedes Jahr bis zu fünf Würfe mit bis zu 6 Kleinen, - 30 Junge. Zwei Wochen nach dem Wurf ist die Zibbe wieder läufig, der Hase symbolisiert neben Fruchtbarkeit Wollust. Als Beutetier lebt er im Schatten des Todes, in der Nacht, im diffusen Licht der Morgen und Abenddämmerung. Historisch gesehen lebt er auch auf dem Mond. Die dunklen Mondflecken deuteten mehrere Kulturen in Asien und Mittelamerika unabhängig voneinander als Hase. Wie der Mond verweist der Hase auf den zyklischen Charakter des Lebens, „er ist ein Zeichen für Resilienz“, sagt Edith Hofer.

Unheimliche Präsenz

Als Grenzgänger zwischen Leben und Tod, Hell und Dunkel, Mensch und Mondgottin, ist der Hase auch Vermittler zwischen den Welten, Initiationsfigur. Edith Hofer, die Meisterin der weichen Dinge, stellt uns – inmitten der Feldkircher Alltäglichkeit – ihren aussergewöhnlichen Psychopompos, den riesigen, schlafenden, Hasenartigen. Die Künstlerin projiziert Ihre Innenwelt auf das Außen, sie agiert als Animatorin des Objekts. Das ist kein Ding aus Kunstfell und Schaumstoff, das sie da in Zusammenarbeit mit Roland Adlassnigg und Kurator Arno Egger für die Kunstbox Feldkirch erschaffen hat. Das sind keine Flecken von Farbe auf Papier in der Unterführung: Durch Vergrösserung und Fragmentierung geschieht die traumhafte Verwandlung. Ein Gegenüber, das mehr ist, als die Summe seiner Teile. Der schlafende Hase, die zarten Lilien haben machtvolle, unheimliche Präsenz.

Down The Rabbit Hole

Der Hasenartige, Drachenartige führt diejenigen, die er berührt und diejenigen, die ihn berühren wollen Down The Rabbit Hole. Wir tauchen ein – obsessiv - in etwas Unbekanntes, Irrationales, Emotionales: Ein Feld von brennenden, magischen Lilien, das warme Fell und die Geborgenheit, gehen auf uns über. Denn das Schlafen des Hasens, das Singen der Vögel sprechen mit unseren Instinkten. Wir spüren es, tief im Inneren unseres Körpers, in Blut und Knochen, in Gewebe und Nerven: Grosse Verletzlichkeit und maximale Sicherheit erscheinen hier gemeinsam. Keine grossen Räuber sind in der Nähe, die Welt ist sicher genug um alle Wachsamkeit aufzugeben. Das ist das Vermächtnis unserer Urahnen, das sind 2,5 Millionen Jahre Lebenserfahrung.

Zärtlichkeit ist kein privates Gefühl

Edith Hofer ruft sie auf, die in uns eingeschriebenen Gesetze des Überlebens. Das Betrachten friedlicher Tiere senkt – ohne unser Zutun, automatisch – Blutdruck, Herzfrequenz, Stresshormone. Das Streicheln von Fell und von Haut mit einer Geschwindigkeit von drei Zentimeter pro Sekunde aktiviert über C-taktile Nervenfasern unsere organischen Systeme von Heilung, Ruhe und Bindung. Edith Hofers Bed-In For Love and Peace ruft neben Eros alle Formen von Liebe auf: Die Nächstenliebe, die familiäre Liebe, Tierliebe, die Liebe zur Natur, die Selbstliebe. – Denn Zärtlichkeit ist kein privates Gefühl. Es ist die Gegenkraft zur „Charakterpanzerung“ – jener emotionalen und körperlichen Verhärtung durch Angst, Autorität und Liebesentzug, die autoritäre politische Systeme begünstigt. Edith Hofers „Mit dem Hasen meditieren“ bietet den Passanten auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Gericht die Passage als kleinen Weg ins Glück.

„Mit dem Hasen meditieren”
Installation in der Kunstbox am Jahnplatz Feldkirch
„Red Lillies” James Joyce Passage
Seit dem 10. Juni 2026