20. April 2009 - 3:57 / Ausstellung / Archiv 
22. Januar 2009 26. April 2009

Vom 22. Januar bis 26. April 2009 zeigt die Frankfurter Schirn eine Ausstellung mit Bilder aus den 1960er Jahre des abstrakten Malers Ernst Wilhelm Nay. Nay gehört zu den bekanntesten deutschen Nachkriegskünstlern des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeiten fehlen in kaum einer öffentlichen oder privaten Sammlung zu jener Epoche.

Weniger bekannt und bisher noch weitgehend unterschätzt ist Nays Spätwerk der 1960er Jahre, das hauptsächlich in den wenigen Jahren nach der Teilnahme des Künstlers an der documenta III 1964 bis zu seinem Tod 1968 entstanden ist. Die Ausstellung in der Schirn konzentriert sich mit etwa 30 großformatigen Gemälden und 85 Arbeiten auf Papier erstmals ganz auf diese Epoche seines Werks und entdeckt dabei einen Künstler, der mit seinen über den Bildraum hinausweisenden dynamisch-flächigen Formen und klaren Farben keineswegs historisch, sondern modern und fast zeitgenössisch wirkt.

Nay entpuppt sich als aufregender Vorläufer für heutige Tendenzen; seine Motive lassen sogar an neueste Arbeiten aktueller junger Künstler denken. Mit einer konzentrierten Präsentation in drei großen Räumen stellt die Schirn diesen bisher wenig gezeigten Nay einem jüngeren Publikum vor. Erstmals rekonstruiert die Ausstellung außerdem den spektakulären Nay-Raum der documenta III 1964, in dem drei großformatige Werke des Künstlers nicht wie üblich an den Wänden, sondern von der Decke hängend als Environment präsentiert wurden.

Ernst Wilhelm Nay (* 11. Juni 1902 in Berlin; † 8. April 1968 in Köln) war ein deutscher Maler und Graphiker der klassischen Moderne. Nay begann als Autodidakt mit der Malerei. Mit drei Bildern stellte er sich 1924 bei Karl Hofer vor und wurde von diesem im folgenden Jahr als Stipendiat in seine Malklasse an der Hochschule für bildende Künste in Berlin aufgenommen. Er beendete das Studium im Jahr 1928 als Meisterschüler Hofers. In der Folgezeit hielt er sich für längere Zeit in Paris, Bornholm und Rom auf. Im Jahr 1937 wurden zwei seiner Bilder in der Ausstellung Entartete Kunst gezeigt. Nay war als Gast von Edvard Munch in Norwegen.

In der Werkphase nach dem Krieg schuf Nay die Hekate-Bilder; 1949 folgten die Fugalen Bilder. Im Jahr 1951 zog Nay nach Köln, das bis zu seinem Lebensende sein Lebensmittelpunkt blieb. Eine der stärksten Werkphasen begann 1954 mit den Scheibenbildern. Im folgenden Jahr erschien Nays kunsttheoretische Schrift Vom Gestaltwert der Farbe. Er nahm an der documenta I, documenta II, und documenta III (1955/1959/1964) in Kassel teil. Die Augenbilder entstanden ab 1963 und seiner letzten Werkphase ab 1965 sind die Späten Bilder zuzuordnen. Im Jahr 1968 starb Nay an Herzversagen.


E.W. Nay - Bilder der 1960er Jahre
22. Januar bis 26. April 2009

Schirn Kunsthalle
Römerberg
D - 60311 Frankfurt

T: 0049 (0)69 299882-0
F: 0049 (0)69 299882-240
E: welcome@schirn.de
W: http://www.schirn.de/

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Sinus, 1966. Öl auf Leinwand, 162 x 150 cm. Privatbesitz; © E. Nay-Scheibler, Köln
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Chinesisch Gelb, 1967. Öl auf Leinwand, 130 x 110 cm. Privatbesitz; © E. Nay-Scheibler, Köln
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Segmente, 1966. Öl auf Leinwand, 162 x 150 cm. Privatbesitz; © E. Nay-Scheibler, Köln
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Schwarz-Grün, 1967. Öl auf Leinwand, 161 x 131,5 cm. Privatbesitz; © E. Nay-Scheibler, Köln
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Rot-Gelb-Violett, 1967. Öl auf Leinwand, 162 x 150 cm. Privatbesitz; © E. Nay-Scheibler, Köln