Durchbrüche in der Kunst 1900–1960

Mit „This is the modern world. Durchbrüche in der Kunst 1900–1960” präsentiert die Hamburger Kunsthalle eine neu interpretierte Auswahl aus ihrer Sammlung Moderne, die zu den bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst in Deutschland zählt. Anhand von über 150 ausgewählten Gemälden, Skulpturen, Grafiken und Zeichnungen – darunter bekannte Highlights und besondere Neuzugänge – verdeutlicht die Präsentation die Fülle neuer Ideen und Ansätze sowie den Bruch mit bestehenden Traditionen in der Kunst dieser sechs Jahrzehnte, die von außergewöhnlichen Umwälzungen in Kultur und Gesellschaft geprägt waren. Vermittelt wird die Vielgestaltigkeit der Ansätze innerhalb der verschiedenen Strömungen der Moderne. Dazu zählen ikonische Werke des Expressionismus von den Künstlergruppen Brücke und Der Blaue Reiter, beispielsweise von Ernst Ludwig Kirchner und Wassily Kandinsky, sowie von Maler:innen der École de Paris, darunter Georges Braque und Pablo Picasso. Zu sehen sind auch Positionen der Pionier:innen der frühen Moderne, darunter Edvard Munch, Paula Modersohn-Becker, Lovis Corinth, Max Beckmann und Anita Rée. Ebenfalls vertreten sind Beispiele der Abstraktion zwischen den Weltkriegen, unter anderem von Sophie Taeuber-Arp, des Surrealismus von René Magritte, der Neuen Sachlichkeit von Christian Schad sowie des Informel der Nachkriegszeit von Wols.

Die Neuhängung zur Moderne umfasst zehn umgestaltete Räume innerhalb des Museumsrundgangs durch acht Jahrhunderte Kunst. Die chronologische Präsentation wird durch zeit- und ortsübergreifende thematische Gruppierungen von Werken bereichert. Diese ermöglichen neue Zugänge zu dieser revolutionären Zeit. Die Werke thematisieren neue Stile der Abstraktion und Darstellung sowie sich wandelnde Vorstellungen von Natur und Technik, Gesellschaft und menschlicher Existenz, die von Psychologie, Philosophie und Politik – einschließlich der NS-Ideologie – beeinflusst wurden. Eine Galerie mit Werken von Hamburger Künstler:innen ergänzt die internationale Moderne um regionale Perspektiven, beispielsweise mit Hafen- und Stadtansichten. Im Verlauf der Ausstellung bieten wechselnd präsentierte Zeichnungen und Drucke des Kupferstichkabinetts nähere Einblicke in die Arbeitsmethoden der Künstler:innen.

Als Höhepunkt werden jüngste Schenkungen und bedeutende Neuerwerbungen präsentiert, darunter das 2025 erworbene Schlüsselwerk des Surrealisten René Magritte, „Le palais de rideaux” (Der Palast der Vorhänge), entstanden 1928. Max Beckmann (1884–1950) und Anita Rée (1885–1933) dienen mit zusammen rund 20 vertretenen Werken als Leitfiguren der Ausstellung. Die beiden Zeitgenossen gelten durch ihre stetige formale Weiterentwicklung und ihre provokanten Ideen als Paradebeispiele moderner Künstler. Von Beckmann wird unter anderem das bisher teuerste Werk in der Geschichte der Hamburger Kunsthalle gezeigt: das Selbstbildnis Florenz (1907), das den jungen Künstler zeigt, als er noch am Anfang seines Prozesses der Selbstinszenierung stand, der in seiner Karriere vielfältige Formen annahm. In einer räumlich direkten Gegenüberstellung blickt Anita Rée zu Max Beckmann. Zu sehen ist ihr Selbstbildnis in Hittfeld (1904) aus ihrer anfänglichen Karrierezeit, als sie Malunterricht in der Nähe ihrer Heimatstadt Hamburg nahm. Diese Werke werden mit einer ganzen Reihe weiterer auffällig divergenter Porträts zusammengebracht. Kompakt gehängt an einer Ausstellungswand erzählen sie ein dichtes Tableau vielfältiger Geschichten aus dem Leben bedeutender moderner Meister:innen. Dazu gehört unter anderem Karl Kluths „Selbst mit Melone” (1924), das den Künstler als zerzausten Bohemien an seiner Staffelei mit einer lässig getragenen Melone zeigt.

This is the modern world
Durchbrüche in der Kunst
1900–1960
bis 30. Mai 2027