21. April 2009 - 5:56 / Walter Gasperi / Filmriss
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Beim Volk beliebt und Trendsetterin in Sachen Mode, aber gefangen in einer unglücklichen Ehe mit einem lieblosen Mann war die im ausgehenden 18. Jahrhundert lebende Herzogin von Devonshire. – Dank starker Figurenzeichnung, exzellenter Schauspieler und unübersehbarer, aber nicht überbetonter Parallelen zu Lady Diana kommt Saul Dibbs prachtvoll ausgestattetes Kostümdrama gar nicht verstaubt, sondern kraftvoll daher. Und Keira Knightley ist sowieso eine Augenweide.

Zuerst kann einem bei Saul Dibbs Verfilmung von Amanda Foremans Biographie "Georgiana Duchess von Devonshire" ein Satz Francois Truffauts einfallen: "Kino ist, wenn schöne Frauen schöne Dinge tun." – Nach Herzenslust schöne Dinge darf Georgiana Spencer zwar fast nur am Beginn tun, doch jedes Bild in diesem Film ist erlesen ausgeleuchtet, teils mit Weichzeichner gedämpft, farblich Ton in Ton gesetzt mit blassgrünen Wiesen um englische Landsitze, von Kerzenlicht erhellten in Braun- und Goldtöne oder aber ins kalte Weiß von Marmor getauchten Innenszenen. Und vorgeführt werden nicht nur prächtige Herrensitze und der Kurort Bath, sondern auch erlesenste Roben und extravagante Frisuren, denn immerhin steht mit dieser historischen Giorgiana Cavendish, Duchess of Devonshire (1757-1806), die bis zum Ende des Vorspanns aus gesellschaftlichen und finanziellen Gründen von ihrer Mutter (von gewohnt enormer physischer Präsenz: Charlotte Rampling) schon mit dem Duke von Devonshire (Ralph Fiennes) verheiratet ist, eine Frau im Mittelpunkt des Films, die damals im Mittelpunkt der Gesellschaft stand und die Mode der Zeit mitbestimmte.

Keira Knightley in dieser Rolle zuzusehen, wie sie sich bewegt, wie sie redet – und diesen Film sollte man unbedingt im englischen Original genießen - und wie sie blickt - das ist schon ein Vergnügen für sich. Doch Saul Dibb beschränkt sich glücklicherweise nicht auf diese Oberfläche, bietet nicht einen verstaubten Kostümschinken, sondern einen erstaunlich modernen, in der genauen Figurenzeichnung und der klaren Herausarbeitung des Themas trotz des Pomps weitgehend kitschfreien, zeitlosen und zurückhaltend-sachlichen Film, manchmal nahe bei Sofia Coppolas "Marie Antoinette", aber ohne dessen Extravaganzen und anachronistischen Popelemente.

Erzählt wird die Geschichte der unglücklichen Ehe Georgiana Spencers mit dem Duke von Devonshire, der sie nicht liebt, aber eine in der Gesellschaft vorzeigbare Gattin braucht, die ihm einen Erben schenken soll. Zu Liebe scheint er unfähig, geht in der Hochzeitsnacht mehr mechanisch als gefühlvoll ans Werk und seine emotionale Kälte steigert sich noch, als Georgiana ihm keinen Sohn, sondern drei Töchter gebärt. Die räumliche Distanz an der Frühstückstafel - eine wohl von Orson Welles´ "Citizen Kane" inspirierte Szene - kehrt dabei eindrücklich die innere Beziehung nach außen.

Während der Duke sich einen Seitensprüng nach dem anderen erlaubt, gesteht er seiner Gattin nichts zu. Georgiana freilich wird auszubrechen versuchen, wird mit dem aufstrebenden Politiker Charles Grey – der Earl-Grey-Tee ist nach ihm benannt - eine Affäre beginnen. Geschickt stellt Dibb durch diese Figur, durch Wahlversammlungen der Whigs und Hinweise auf den heraufziehenden Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und die Französische Revolution die private Geschichte in den gesellschaftlichen Kontext der Aufklärung mit der Emanzipation des Bürgertums vom Adel und dem dem Kampf nicht nur um politische, sondern auch um individuelle Freiheit.

Wie diese historische Komponente aber nie in den Vordergrund gedrängt wird, vielmehr an der privaten Geschichte illustriert wird, so wird auch mit den Parallelen zu Lady Diana und Prinz Charles, die unübersehbar sind, geschickt gespielt ohne sie je zu sehr zu forcieren. Denn wie Lady Diana floh Georgiana aus dem Gefängnis einer unglücklichen Ehe in die Öffentlichkeit, hielt Wahlreden, unterhielt die vornehme Gesellschaft auf Banketten und genoss das Bad in der Menge.

Wie man bei Keira Knightley in jedem Blick ihre Lebensfreude, die Sehnsucht nach Glück und auch den Verzicht auf den Geliebten und ihr eigenes Glück aus Liebe zu den Kindern spürt, so brilliert Ralph Fiennes als wortkarger Duke von Devonshire. Mit meisterhafter Zurückhaltung spielt er diese undankbare Rolle des tyrannischen Gatten, der gefühlskalt seine Macht ausnützt.

So konterkarieren die rigiden Machtverhältnisse im zwischenmenschlichen Bereich den Prunk und Glanz der Äußerlichkeiten. Nie lässt "The Duchess" so vergessen, dass diese nach außen hin glanzvolle Zeit im Innern gekennzeichnet war von Gefühlskälte und Unterordnung des individuellen Glücks unter gesellschaftliche Zwänge und erzählt auf sinnlich betörende Weise gerade durch die präzise historische Verankerung eine im Grunde zeitlose und universelle Geschichte einer zumindest versuchten Emanzipation.

Läuft am Mittwoch, den 19.10.2011 um 20.30 Uhr am Spielboden Dornbirn (engl. O.m.U.) Fassung)

Trailer zu "The Duchess"

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