Duane Linklater – Konzept des „Cache“

Wenn wir Dinge sammeln, schaffen wir damit immer auch eine eigene Welt: Wir knüpfen Verbindungen, messen Wert bei, bewahren Erinnerungen, konstruieren und verbreiten Wissen. Im Kleinen geschieht das etwa in einem persönlichen Familienarchiv, im Großen, wenn Museen ihre Depots und Ausstellungsräume mit Objekten füllen, um nationale Identitäten zu formen und ihre Geschichten über die Welt zu erzählen.

Duane Linklater verortet die Konventionen des Museums im weiteren Rahmen der zeitgenössischen wie historischen Lebensbedingungen indigener Menschen. Der Künstler verweist dabei nicht nur auf die von seinen Vorfahren ererbten Aufbewahrungspraktiken, sondern setzt sich auch kritisch mit den durch den Siedlerkolonialismus aufgezwungenen, gewaltsamen Wissens-, Repräsentations- und Wertsystemen auseinander. Für seine Ausstellung in der Secession hat Linklater eine ortsspezifische modulare Struktur entwickelt, in deren Mittelpunkt der Begriff des „Horts” (Cache) steht. Ein Hort ist eine Sammlung oder Zusammenstellung von Dingen. Indem Linklater persönliche Bestände – die Andenken und kleinen Objekte, die wir im Lauf des Lebens anhäufen und in unserem Zuhause aufstellen – mit dem größeren Komplex des Museums und seiner kolonialen Kehrseite verknüpft, lenkt er die Aufmerksamkeit auf die komplexen Erzählungen, mit denen weltweit die Zirkulation und Bewahrung von Objekten, Gefühlen, Erinnerungen und Ideen verwoben sind.

In dieser Ausstellung geht der Künstler unmittelbar auf den physischen Raum und die Institution selbst als ideologische Instanz ein, auf ihre Strukturen, Prozesse und Kontexte. Grundelement seiner Schau ist eine Reihe hochaufragender Gestelle. Anstatt Arbeiten an die Wände der Institution zu hängen, errichtet Linklater sein eigenes Gerüst für ihre Präsentation. Das Cree-Wort für „Hort“, tešipitǎkan, kann auch mit „Struktur“ oder „Rahmen“ übersetzt werden. In dieses Gerüst sind Gemälde, gefundene Gegenstände, Möbelstücke und diverse Materialien eingesetzt; sie durchlaufen Linklaters eigenen Sammlungs- und Aufbewahrungsprozess, der auch eine Geste der Fürsorge ist. Hoch oben und nicht unmittelbar greifbar gelagert harren Haushaltsgegenstände und Habseligkeiten seiner Familie einer möglichen zukünftigen Verwendung.

Der Begriff des Horts verweist zudem auf zwei solche Funde in und um Ottawa. Im einen Fall wurden an der Mündung dreier größerer Flüsse in die Stadt 10.000 Jahre alte indigene Artefakte und Quarzwerkzeuge ausgegraben. Im anderen Fall tauchten bei den Bauarbeiten für ein neues Bürogebäude direkt auf dem Parliament Hill indigene Objekte aus der vorkolonialen Zeit auf. Selbstverständlich werden die geborgenen Werkzeuge nicht für ihren ursprünglichen Zweck verwendet – über ihre Zukunft entscheiden die First Nations vor Ort und nationale Museen. In dieser Hinsicht entspricht ihre Situation dem Hort als einer unbestimmten Form, die ständig mit neuen Bedeutungen und Assoziationen gefüllt wird. Gleichzeitig ist Linklaters Arbeit mit Objekten in Familienkontexten ein behutsamer Akt der Wiederherstellung, der trotz des kolonialen Kontexts von Vertreibung und Vernichtung auf der Kontinuität von Kulturen beharrt. Passend dazu wird das Gerüst, wo auch immer es auf der Welt auftaucht, mit der Wiederherstellung des Beschädigten assoziiert – eine materielle Metapher für die feinfühlige Arbeit, Verbindungslinien über die Brüche der Geschichte hinweg aufrechtzuerhalten.

Duane Linklater, 1976 geboren, ist Omaskêko Ininiwak von der Moose Cree First Nation. Der Künstler lebt und arbeitet in North Bay im Gebiet des Robinson-Huron-Treaty.


Duane Linklater
mâcistan
Bis 15. Februar 2026
Kuratiert von Haris Giannouras und Damia