4. September 2008 - 4:52 / Walter Gasperi / DVD Tipp
logo dvdtipp

Als triviale Unterhaltung und "women´s weepies" wurden die Melodramen Douglas Sirks abgeurteilt, als sie in den 1950er Jahren in die Kinos kamen. Inzwischen gilt der Deutschamerikaner nicht zuletzt aufgrund seines Einflusses auf die Filme von Rainer Werner Fassbinder, Pedro Almodovar und Wong Kar-Wai als einer der ganz großen Regisseure der Filmgeschichte. Mit "All I Desire", "There´s Always Tomorrow" und "Interlude" hat Koch-Media drei Filme Sirks auf DVD herausgebracht.

Wie der von ihm entworfene Spielzeugroboter funktioniert der Fabrikant Cliff in "There´s Always Tomorrow" (1956). In Routine erstarrt ist seine Ehe und die teilweise fast erwachsenen Kinder sehen in ihm nur den Ernährer. Das Einfamilienhaus ist zum Gefängnis geworden und Geländer und Gitter betonen das Eingesperrtsein. Bewegung kommt in Cliffs monotones Leben als eine Jugendfreundin auftaucht, die in New York als Modedesignerin arbeitet. Doch die Kinder hintertreiben die sich anbahnende Beziehung. Das Ende behauptet zwar, dass Cliff das Glück in seiner Familie finden wird, allein dran glauben will man kaum.

Wie andere Meisterwerke von Sirk wie "All What Heaven Allows" oder "Written on the Wind" Farbfilme im besten und reinsten Sinn des Wortes sind, so sind "There´s Always Tomorrow" und "All I Desire" (1953) brillante Schwarzweißfilme. Die Frau von Welt, die einst die Kleinstadt und damit auch Mann und Kinder verlassen hat, wird in "All I Desire" wie die Modedesignerin in "There´s Always Tomorrow" von Barbara Stanwyck verkörpert. In "All I Desire spielt die Stanwyck eine Schauspielerin, die nie den Durchbruch auf der Bühne geschafft hat, und nun auf Einladung ihrer fast erwachsenen Tochter zu einer Schultheateraufführung in die Kleinstadt zurückkehrt. Man spürt hier förmlich die kleinbürgerliche Enge, vor der Naomi einst floh. Groß ist der Dorfklatsch und angeklebt wirkt das Ende, das wie in "There´s Always Tomorrow" behauptet, dass jetzt alles gut wird. – Denn nichts wird in den Filmen von Sirk je gut, vom großen Glück träumen die Protagonisten immer, doch die individuellen Sehnsüchte und Träume zerbrechen immer wieder am Neid und den engen Moralvorstellungen einer konservativen und bornierten Gesellschaft.

In dieser Welt war Sirk zuhause, sie auszuloten verstand er wie kein zweiter und aus diesem Milieu heraus entwickeln seine Filme ihre Dichte und zwingende Kraft. Schwer tut man sich dagegen mit dem in München spielenden "Interlude" (1957), in dem es gerade dieses Milieu und die gesellschaftlichen Zwänge nicht gibt. Auch hier scheitert zwar die große Liebe zwischen einem deutschen Dirigenten und einer Amerikanerin, doch schuld daran ist einzig die individuelle Situation des Dirigenten. Während Sirk in seinen anderen Filmen Gesellschaftsbilder entwirft, bleibt "Interlude" so auf der Ebene einer bittersüßen Romanze stecken und die Bilder von München und Salzburg oder ein Picknick auf einer idyllischen Wiese kommen über Postkartencharakter nicht hinaus.

Dass "Interlude" ein harter, dreckiger Krimi von James M. Cain zugrunde liegt, würde man nicht einmal ahnen. Solche Informationen zum Hintergrund der drei Filme erfährt man aber aus den Texten Thomas Willmanns, die sich auf den Rückseiten der drei Plakate, die dem Digipack beigelegt sind, finden. Abgesehen von diesen wirklich sehr interessanten Ausführungen sind die Extras dieser Edition mit je einem Trailer und Bildergalerien spärlich. Dafür überzeugen Bild- und Tonqualität, bedauerlich allerdings, dass es nur die amerikanischen und deutsch synchronisierten Sprachfassungen gibt, aber keine Untertitel.



5427-5427douglassirkcollectioncover.jpg
Douglas Sirk Collection
5427-5427theresalwaystomorrowfoto.jpg
There`s Always Tomorrow" (1956)
5427-5427allidesirefoto.jpg
"All I Desire" (1953)