15. Januar 2012 - 1:40 / Ausstellung / Archiv 
14. Oktober 2011 22. Januar 2012

Lange Zeit lebte das Volk der Dogon weitgehend isoliert von fremden Einflüssen in der landschaftlich reizvollen Region des Bandiagara-Plateaus in Mali im Westen Afrikas. Das enge Zusammenspiel zwischen der Natur und ihren Bewohnern veranlasste die UNESCO im Jahr 1989 die Felsen von Bandiagara und die Traditionen der Dogon in der Welterbeliste gemeinsam als Kultur- und Naturerbe zu führen.

Rund 250 Skulpturen, Masken und Alltagsobjekte aus privaten und öffentlichen Sammlungen in aller Welt belegen in der Ausstellung, warum die Dogon heute zu den bedeutendsten Kulturen Afrikas gezählt werden. Einige der bis zu tausend Jahre alten Holzfiguren wurden mit Hilfe wissenschaftlicher Analysen datiert, aber vieles bleibt noch unentdeckt. In der langen Entwicklungszeit und relativen Abgeschiedenheit haben die einzelnen Dogon-Dörfer stark unterschiedliche Stile hervorgebracht. Die künstlerischen Formen reichen von kleinteilig ausgearbeiteten bis hin zu streng abstrakten Figuren und werden von der Ausstellungskuratorin und Dogon-Expertin Hélène Leloup anhand herausragender Beispiele vor Augen geführt.

Nicht allein die ästhetische Qualität der Dogon-Figuren, sondern auch der reiche Mythenschatz und die ausgeprägten Glaubensvorstellungen des Volkes faszinieren seit vielen Jahrzehnten Wissenschaftler und Amateure gleichermaßen. Der französische Ethnologe Marcel Griaule hatte erstmals in seinem Bestseller Dieu d’eau (1948) die Spur der Dogon-Mythologie aufgenommen und die landläufigen Vorstellungen über die Gedankenwelt afrikanischer Völker revolutioniert. Griaule zählte allein fast einhundert verschiedene Maskenarten, von denen knapp dreißig Exemplare in der Ausstellung einen wichtigen Teil kulturellen Lebens illustrieren.

Über die Präsentation der Objekte hinaus bietet die Ausstellung dem Besucher konkrete Möglichkeiten, sich mit der Entstehungswelt der Werke auseinanderzusetzen und allgemeine Einblicke in das Leben der Dogon und die Umstände vor Ort zu gewinnen. Dabei werden auch Themen wie der Kolonialismus und sein langanhaltendes Erbe oder die ersten historischen Kontakte zwischen Dogon und Europäern beleuchtet. Speichertüren, geschnitzte Schlösser und Deckeldosen, bronzene Schmuckobjekte und Felszeichnungen vervollständigen den ersten profunden Überblick in Deutschland über eine der reichsten Kulturen Afrikas.

In einem vage bestimmbaren Zeitraum zwischen dem 10. und 15. Jahrhundert flohen verschiedene Gruppen von Einwanderern in das schwer zugängliche Gelände der Felsklippen; die vor Ort ansässige Bevölkerung wurde von den Neuankömmlingen bald überlagert. Über Jahrhunderte entwickelte sich nun die Kultur der Dogon. Französische Truppen drangen ab 1883 in das Gebiet des heutigen Mali vor, um es dem Kolonialreich einzuverleiben.

Zu Beginn der 1930er Jahre erlangten die Dogon große Aufmerksamkeit durch umfangreiche Feldforschungen des französischen Ethnologen Marcel Griaule (1898 – 1956), die einen wahren Boom auslösten. Unter Sammlern Europas und Nordamerikas entwickelte sich ein stetig zunehmendes Interesse an Kunstwerken und Gebrauchsgegenstände aus dieser Region.

"Dogon – Weltkulturerbe aus Afrika" bildet den Auftakt zu einer neuen Ausstellungsreihe der Bundeskunsthalle, die sich dem afrikanischen Kontinent widmet. Die Ausstellung wird von einem Rahmenprogramm und Vermittlungsangeboten (u.a. einem Audioguide, Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche) begleitet. Es erscheint ein umfangreich bebilderter Katalog (416 Seiten) in deutscher Sprache zum Preis vom 39 Euro .

Dogon – Weltkulturerbe aus Afrika
14. Oktober 2011 bis 22. Januar 2012

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Friedrich-Ebert-Allee 4
D - 53113 Bonn

T: 0049 (0)228 9171-0
F: 0049 (0)228 234154
E: info@kah-bonn.de
W: http://www.bundeskunsthalle.de/

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Dogon Trog. Fotograf: Don Tuttle; © Robert T. Wall
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Dose mit Deckel. Fotograf: Thierry Ollivier / Michel Urtado; © Musée du Quai Branly
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Tür mit drei Frauen. Fotograf: Thierry Ollivier / Michel Urtado; © Musée du Quai Branly
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Dogon Maternitas. Fotograf: J. Schanze; © Archiv Simonis