28. April 2008 - 3:13 / Ausstellung / Archiv 
15. Februar 2008 4. Mai 2008

Das Werk der 1964 in Lilienthal geborene Konzeptkünstlerin Josephine Meckseper zeichnet sich durch genaue Kenntnis der Marketingstrategien des Lifestyles aus. Gleichzeitig interessiert sie sich für das oft krude Zusammenspiel von Konsumwelt und politischen Themen. Ein intellektueller Fluchtpunkt der Arbeiten Mecksepers ist Jean Baudrillards Grundgedanke, dass das Symbolische das Reale verdrängt hat und wir nur noch in einer Scheinwelt der Zeichen und des Konsums leben. Mit einer Ausstellung in der GAK wird dieses Aufsehen erregende, kontrovers diskutierte und vielfältige Werk erstmals in Bremen präsentiert.

Auf einem edlen Schaufensterpodest halten Schaufensterpuppen mit heruntergelassenen Hosen Protestschilder in den Händen. "Screw Bush" oder "War is terror" steht darauf. Sie stammen von Anti-Irakkrieg Demonstrationen des Jahres 1995. Doch könnte dies nicht auch das Schaufensterarrangement eines eleganten Markenlabels sein? Genau diese Ambivalenzen legt die Künstlerin frei. Wo Mode sich Symbole der Protestkultur – etwa einen "Atomkraft nein danke!"-Button – anheftet und dies als "radical chic" dann einen Trendnamen bekommt, untersucht Meckseper die Grenzlinie zwischen äußeren Erscheinungen und inhaltlichen Positionen: Verlieren die Slogans und Motive in der Beliebigkeit der Fashionwelt ihre Potenziale?

Ihre jüngsten Modefotografien präsentieren Modelle in Miederwaren, die aussehen wie aus Quelle-Katalogen der siebziger Jahre. Junge Frauen posieren in Gesundheitsschuhen, Nylonstrümpfen und Büstenhaltern aus einer anderen Zeit, in der es noch darum ging, den weiblichen Körper zu bändigen, während moderne Unterwäsche meist die besonderen Körperqualitäten ihrer Trägerinnen exponiert und betont. Was ist ernst gemeint? Was ironische Überdrehung?

Zwischen Umarmung und Ablehnung hin und her pendelnd benutzt Mecksepers Konsumkritik die suggestive Sprache der Werbung. Dass ihre kritischen Analysen dabei überaus anziehend aussehen, ist für sie kein Dilemma. Wer sich eine eindeutige Positionierung erhofft, ist bei Meckseper an der falschen Adresse. Die Grenze zu ziehen und ihre Bildpolitiken zu deuten, überlässt die Künstlerin strikt dem Betrachter.

Josephine Meckseper kommt aus einer Worpsweder Künstlerfamilie, studierte zunächst an der HdK Berlin, ging dann nach Los Angeles und schließlich nach New York, wo sie seit 15 Jahren lebt. Ihren internationalen Durchbruch erlebte Meckseper mit der erfolgreichen Teilnahme an großen Ausstellungen und Biennalen zur zeitgenössischen Kunst, wie zuletzt der Whitney Biennale 2006 oder der Moscow Biennale 2007. Meckseper zählt zu den erfolgreichsten jungen deutschen Künstlerinnen in New York. Ihre Werke sind in internationalen Sammlungen vertreten, darunter auch die Sammlung von Charles Saatchi.

Meckseper bedient sich sämtlicher Medien und verschiedenster Techniken: Sie baut große Installationen, errichtet Schaufenster, fertigt Skulpturen, Gemälde, Fotografien und Filme. Nach der ersten großen Einzelpräsentation im Kunstmuseum Stuttgart in diesem Sommer, bereitet die Gesellschaft für Aktuelle Kunst zusammen mit der Künstlerin eine Präsentation für Bremen vor. Speziell für Bremen entstand die Arbeit "Quelle International" für die Außenvitrinen der GAK. An die Stelle der sonst dort plakatierten Ausstellungsposter setzt die Künstlerin großformatig auf Silberpapier reproduzierte Seiten des inzwischen wohl legendären Quellekatalogs aus dem Jahre 1976. Auf diese Weise spielt Meckseper mit Verschiebungen von Kunst und Kunstmarketing im Ausstellungsgeschäft.


Edition: Anlässlich der Ausstellung erscheint im Frühjahr das handsignierte Künstlerbuch "Quelle International" als exklusive Edition für die GAK. Nähere Informationen dazu bei der GAK (T 0049 (0)421 500897 oder per Email: office@gak-bremen.de).

Josephine Meckseper
15. Februar bis 4. Mai 2008

Gesellschaft für Aktuelle Kunst
Teerhof 21
D - 28199 Bremen

T: 0049 (0)421 50 08 97
F: 0049 (0)421 59 33 37
E: office@gak-bremen.de
W: http://www.gak-bremen.de/

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Blow Up (Tamara, Michelli, Laura), 2006. Farbfotografie; Besitz der Künstlerin. Courtesy Galerie Reinhard Hauff, Stuttgart
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Blow Up (Tamara), 2006. Farbfotografie; Besitz der Künstlerin. Courtesy Galerie Reinhard Hauff, Stuttgart
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Stuttgart (Shoes), 2004. Farbfotografie; Kunstmuseum Stuttgart. Courtesy Josephine Meckseper
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Quelle International, 2008. Courtesy Josephine Meckseper