18. Juli 2007 - 3:18 / Ausstellung / Archiv 
29. Juni 2007 22. Juli 2007

Das Künstlerhaus Wien präsentiert unter dem Titel »Die Welt Stück für Stück. Zwei Landschaftenzimmer« bis 22. Juli 2007 einen neuen Werkkomplex des österreichischen Künstlers Alfred Graf. Im Mittelpunkt einer vielschichtigen Installation, die den größeren Raum der Künstlerhaus-Galerie durchzieht, steht die Landschaft des Morsum Kliffs auf Sylt, welche Erinnerungen wachgerufen und den Entdeckungsdrang des Künstlers angeregt hat.

In den Schichtungen verschiedener Sande und Tone fand Graf, wie er selber mitteilt, Gedanken aus Novalis »Die Lehrlinge zu Sais« wieder, die ihn während des Studiums begleitet hatten: »... stieg in Höhlen, sah wie in Bänken und in bunten Schichten der Erde Bau vollführt war, ...« Die »bunten« Schichten sind geologisch betrachtet sehr unterschiedliche Schleier, die sich farblich sehr voneinander unterscheiden. Eine reiche Palette an Erdnuancen, an Ursubstanz der Malerei.

Eckehard Klatt, der Inselgeologe von Sylt, erzählt vom Abbau durch Sturm und Gezeiten. Da und dort standen kleine Höhlungen offen in den Schichtungen der Inselbildung. Immer wieder sah sich Graf in Träumen in seltsamen Hohlräumen hinter vielen Schichten in Gebäuden oder Landschaften liegen. Starr und aufgebläht wie eine Ameisenkönigin, aber lichtdurchströmt und glücklich. Einer der Lehrlinge kehrte glückserfüllt von einem Erkundungsgang zurück. »In unsre Mitte trat er bald, und brachte, mit unaussprechlicher Seligkeit im Antlitz, ein unscheinbares Steinchen von seltsamer Gestalt.« (Die Lehrlinge zu Sais)

Eisenverkrustete Objekte liegen im Sand des Kliffs. Manche davon aufgeknackt wie Nüsse – winzige Höhlen angefüllt mit merkwürdigem Material. »Gerade diese Fremdheit ist mir fremd, und darum hat mich immer diese Sammlung zugleich entfernt und angezogen.« Im Stift St. Lambrecht befindet sich ein Raum, dessen Wände mit unterschiedlichen Landschaftsdarstellungen geschmückt sind. Alle fiktiv bis auf das Hauptbild, eine Ansicht des Stiftes eingebettet in seine Umgebung. Dieser Raum wird als Landschaftenzimmer bezeichnet.

Schleier um Schleier wird von den Lehrlingen zu Sais gehoben und zuletzt findet der Schüler sich selbst. »Auch ich will also meine Figur beschreiben, und wenn kein Sterblicher, nach jener Inschrift dort, den Schleier hebt, so müssen wir Unsterbliche zu werden suchen; wer ihn nicht heben will, ist kein echter Lehrling zu Sais.« So entsteht ein komplexes Bild, das von einer konkreten Landschaft ausgeht und Beobachtetes, Erinnertes und Erahntes miteinander verbindet und vom Material der Landschaft erzählt.


Alfred Graf - Die Welt Stück für Stück. Zwei Landschaftenzimmer
29. Juni bis 22. Juli 2007

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