19. November 2008 - 3:19 / Ausstellung / Archiv 
22. August 2008 23. November 2008

Schon immer übten schwer zugängliche Landstriche große Faszination auf den Menschen aus – so auch das ewige Eis. Die Fotografie machte es seit Mitte des 19. Jahrhunderts möglich, einen einzigen Moment der Natur festzuhalten und wiederzugeben. Besonders anziehend waren für die Fotografen Gletscher und arktische Landschaften. Die Albertina widmet ihre diesjährige Fotoausstellung dieser ganz besonderen Art der Landschaftsfotografie und stellt dabei frühen Arbeiten des 19. Jahrhunderts Positionen von heute gegenüber.

In der Gletscherfotografie verbanden sich schon seit den 1860er Jahren die Aspekte räumlicher Ausdehnung und zeitlicher Veränderung. Diese Komponenten spielten auch bei den beiden österreichischen Arktisexpeditionen 1872 und 1882 eine bedeutende Rolle. Dem Fotografen Wilhelm Burger gelangen bei beiden Fahrten mit Hilfe von komplementären Nah- und Fernsichten atmosphärische Eindrücke von Tiefe und Weite der polaren Landschaft, die eine in der Heimat auswertbare Dokumentation der geografischen Gegebenheiten der unerforschten Gegend ermöglichten.

Für Friedrich Simony wiederum stand bei seinen Fotografien aus den Alpen die zeitliche Dimension im Vordergrund, die er mit einer über Jahre an einem konstanten Punkt angebrachten Kamera deutlich zu machen versuchte. Neben den Dokumentationen über die zwei österreichischen Polarexpeditionen des Fotografen Wilhelm Burger und den Alpenserien von Friedrich Simony präsentiert die Albertina Fotografien von Gustav Jägermayer und Arbeiten aus dem Verlag Würthle. Besonders beeindrucken Würthles Stereobilder, bei denen durch zwei gleichzeitige, aber leicht verschobene Aufnahmen ein erstaunlicher dreidimensionaler Effekt entstand. Sie begeisterten das damalige Publikum außerordentlich.

Mit dieser heute fast vergessenen Technologie erfüllte sich der Wunsch, die großen Dimensionen, die unüberblickbaren Ausdehnungen des Eises aus sicherer Entfernung, aber doch wie direkt körperlich erfahrbar zu machen. Nicht zuletzt darauf antworten die zeitgenössischen Positionen. Zu sehen sind Langzeitbelichtungen bei Nacht von Darren Almond und Luftaufnahmen von Olafur Eliasson. Die Bilder Walter Niedermayrs wiederum geben durch einzelne überlappende Landschaftsausschnitte einen erweiterten Blick in die Welt der Alpen frei.


Bei Hatje Cantz wird ein Katalog zur Ausstellung in Deutsch und Englisch erscheinen.

Die Weite des Eises
Vom Durchmessen von Arktis und Alpen 1860 bis heute
22. August bis 23. November 2008

Albertina
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Ostansicht des Hohen und Niederen Dachstein, 1885. Friedrich Simony, Lichtdruck 14,5 x 18,8 cm. © Albertina, Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt, Wien
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Jan Mayen, Schwimmendes Treibeis, 1882-1883. Richard Basso, Albuminpapier 10 x 21,6 cm. © Dr. Christoph Ladanyi, London
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Arctic Plate 14, 2003. Darren Almond C-print120 x 120 cm. © Courtesy Jay Joplin/White Cube (London)
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Vermessungsarbeiten an der oberen Kante des Eissturzes vom Rhonegletscher, um 1878. Atelier Birfelder, Bern. Albuminpapier 34 x 27 cm. © Albertina (Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt, Wien)