11. September 2009 - 3:04 / Architektur 
26. Juni 2009 13. September 2009

Das Stadtzentrum von Tel Aviv ist seit Juli 2003 UNESCO Weltkulturerbe. Die israelische Stadt am Meer verfügt – wie hierzulande wenig bekannt ist – über ein einzigartiges Ensemble von mehr als 4000 Häusern im Stil des "Neuen Bauens", die erst in den letzten Jahren teilweise restauriert wurden. Die von der Stadt Tel Aviv organisierte Ausstellung tourt nun seit 2004 mit Stationen u.a. in Lausanne, Le Havre, Montreal und Rom durch die Welt.

1925 wurde der schottische Stadtplaner Sir Patrick Geddes beauftragt, die noch junge Siedlung Tel Aviv durch einen Master-Stadtplan zu strukturieren. Er projektierte eine Gartenstadt mit streng hierarchischem Straßennetz und einer organischen, mit zahlreichen Plätzen durchsetzten Anordnung. Im Verlauf seiner Realisierung musste das Projekt allerdings stark verdichtet werden – schon aufgrund der Flut von Immigranten, die Tel Aviv zwischen 1930 und 1935 von 50.000 auf 120.000 Einwohner anwachsen ließ. Trotzdem lässt sich der ursprüngliche Plan von Geddes vielerorts noch erkennen.

Zahlreiche der in Tel Aviv lebenden Architekten orientierten sich in ihren Entwürfen an der Formensprache von Le Corbusier, Mies van der Rohe, Walter Gropius und Erich Mendelsohn, die ihnen als Vorbilder dienten. Aber nicht nur die immigrierten Architekten aus Europa, die vor der wirtschaftlichen und politischen Krise nach Palästina flüchteten, sorgten dafür, dass Tel Aviv in einem außerordentlichen Maßstab zu einem Experimentierfeld für die Grundsätze der modernen Architektur wurde.

Auch jene einheimischen Architekten, die ihre Ausbildung an renommierten Architekturschulen in Europa genossen hatten und so mit dem Geist des "Neuen Bauens" in Berührung gekommen waren, prägten die "Weiße Stadt". Natürlich musste die in Europa erlernte Architektursprache den klimatisch gänzlich anderen Bedingungen angepasst werden: Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang das Fehlen großer Glasflächen bzw. der verstärkte Einsatz von Balkonen mit Mauerbrüstungen – beides sollte dafür sorgen, dass die Hitze am Meer nicht ungehindert in die Häuser eindringen konnte.

Tel Aviv ist weltweit die einzige Stadt, deren Zentrum fast komplett im Stil des "Neuen Bauens" errichtet wurde. Heute besteht jedoch bei vielen der Häuser akuter Sanierungsbedarf. Nitza Szmuk, jahrelange Leiterin der "Preservation Group" in der Stadtverwaltung und Kuratorin der Ausstellung, engagiert sich seit Jahren für den Erhalt dieser wertvollen Bausubstanz.

Historische und aktuelle Fotografien geben Einblick in die Architektursprache der Zeit und vermitteln den Einfluss, den das europäische Erbe auf das örtliche Schaffen genommen hat. Der Master-Stadtplan des schottischen Stadtplaners Sir Patrick Geddes wird mit Plänen und Modellen präsentiert und eine Auswahl von historischen Filmen gibt ein lebendiges Bild der Stadtentwicklung zwischen 1920 und 1958 wieder. Die Vielfalt der in Oberflächenbeschaffenheit und Farbe unterschiedlichen Verputze wird ebenso gezeigt wie genaue Analysen von Detailplanungen (z.B. die verschiedenen Balkonarten). Grafische 3D-Animationen sowie nahezu 100 Lebensläufe der Architekten vertiefen das Verständnis für die Architektur der "Weißen Stadt".


Die "Weiße Stadt". Tel Avivs Moderne
26. Juni bis 13. September 2009

Deutsches Architekturmuseum
Schaumainkai 43
D - 60596 Frankfurt am Main

T: 0049 (0)69 212-38844
F: 0049 (0)69 212-37721
E: info.dam@stadt-frankfurt.de
W: http://www.dam-online.de/

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Esther Cinema (früherer Name: Dizengoff-Cinema), Zina Dizengoff Circle / 1 Zamenhof Street (1939). Architekten: Yehuda & Raphael Magidovitch; © aus: Nitza Metzger-Szmuk, Dwelling on the dunes
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Lustig & Rosenthal Haus, 3 Ben Ami Street (1936). Architekt: Mordechai Rosengarten; © aus: Nitza Metzger-Szmuk, Dwelling on the dunes
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Leon Recanati Haus, 35 Menahem Begin Road / 79 Mazeh Street (1935). Architekten: Salomon Liaskowsky & Jacov Ornstein; © aus: Nitza Metzger-Szmuk, Dwelling on the dunes
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Engel Haus, 84 Rothschild Boulevard / Mazeh Street (1934). Architekt: Ze?ev Rechter; © aus: Nitza Metzger-Szmuk, Dwelling on the dunes