19. Juni 2010 - 2:36 / Bühne / Schauspiel 

Fast ebenso dauerhaft wie an seinem Hauptwerk "Der Mann ohne Eigenschaften" schrieb Robert Musil an "Die Schwärmer", seiner dramatischen "Parallelaktion", die er 1921 fertig stellte. Hier wie dort geht es um die Verzweiflung an den Möglichkeiten, die man als Mensch zu haben glaubt und um den "Wirklichkeitssinn", der einen hemmt – aber auch überlegen sein lässt. Robert Borgmanns Inszenierung von "Die Schwärmer" feierte am Samstag, den 22. Mai 2010, in der Kammer des Pfauen Premiere.

Musils vier "Schwärmer" haben ihre Kindheit und Adoleszenz miteinander verbracht und sind nun alle um die dreissig. Aus Maria und Thomas ist ein beruflich erfolgreiches Ehepaar geworden, Regine hat ihren jungen Mann durch Selbstmord verloren und einen älteren geheiratet. Der Exzentriker Anselm, der als verschollen galt, ist zurückgekehrt und mischt die Gruppe auf: Zuerst entführt er Regine ihrem Ehemann, dann fokussiert sich sein erotisches Interesse auf Maria, die er seinem Freund Thomas abspenstig machen will – zu dessen Besten, wie Anselm entschieden findet.

Die weiteren Figuren – eine treue Gefährtin Regines, ein Detektiv sowie jener Ehemann, der Regine zurückfordert – können mit den gedanklichen und gefühlten Ereignissen kaum mithalten. An der Gewöhnlichkeit dieser Figuren richten sich die Schwärmer immer wieder neu auf, auch wenn sie noch so sehr am Boden sind. Hitzig und sprachsüchtig sortieren die Figuren ihre Beziehungen, intellektuell-brillant und neurotisch getrieben.

Der k.u.k.-Österreicher Robert Musil wurde 1880 in Klagenfurt geboren. 1906 erschien sein erster Roman "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß". Nach Anstellungen als Bibliothekar, Redakteur und der Teilnahme am Ersten Weltkrieg lebte er von 1918 bis 1922 als Beamter in Wien, anschließend als freier Schriftsteller, Theaterkritiker und Essayist in Wien und Berlin. Seine letzten fünf Lebensjahre verbrachte er, verarmt und von den Nazis verfemt, in der Schweiz. 1942 starb er in Genf, sein Hauptwerk "Der Mann ohne Eigenschaften" blieb unvollendet.

Robert Borgmann wurde 1980 in Erfurt geboren. Er studierte Regie an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin und schloss mit einer Bearbeitung von Krzysztof Kieslowski Zyklus "Dekalog/Die Zehn Gebote" ab. 2007 zeigte er am Deutschen Theater Berlin eine Bearbeitung des Skinheadromans "Weine nicht" und 2008 sein eigenes Stück "My Own Private Germany". An der Schaubühne Berlin inszenierte er 2008 im Rahmen der Uraufführungswerkstatt "Deutschlandsaga"; es folgten Inszenierungen in Bielefeld (Kleists "Hermannsschlacht"), Mainz (die Uraufführung von "Too low terrain"), am Schauspiel Köln ("Ausgehen 1-3") und am Schauspielhaus Wien ("Herr mit Sonnenbrille").

Die Schwärmer von Robert Musil
Regie: Robert Borgmann
Premiere: Sa 22. Mai 2010

Weitere Vorstellungen:

24./ 28./ 31. Mai, jeweils 20.30 Uhr
5./ 7./ 9./ 10./ 22./ 23. Juni, jeweils 19.30 Uhr

Schauspielhaus Pfauen
Rämistrasse 34
CH - 8001 Zürich

W: http://www.schauspielhaus.ch/

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  •  22. Mai 2010 23. Juni 2010 /
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Ursula Doll. Foto / Copyright: Matthias Horn
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Franziska Machens, Jan Bluthardt. Foto / Copyright: Matthias Horn
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Jan Bluthardt, Franziska Machens, Niklas Kohrt. Foto / Copyright: Matthias Horn
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Niklas Kohrt, Ursula Doll (liegend), Jan Bluthardt (liegend), Klaus Brömmelmeier, Franziska Machens. Foto / Copyright: Matthias Horn
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Niklas Kohrt, Franziska Machens. Foto / Copyright: Matthias Horn