1. November 2021 - 20:38 / Martina Pfeifer Steiner / Musik / Konzert 

Nicht zu Ostern, sondern zu Allerheiligen finden in Zeiten wie diesen die hochkarätigen Osterfestspiele statt. Wie passend dazu das Mozart Requiem, wie erlesen Christian Thielemann mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Im Sinne Herbert von Karajans, der die Osterfestspiele Salzburg als privates Festival gründete, führt seit 2013 Christian Thielemann diese als künstlerischer Leiter in eine neue Ära.

Legendenumwoben war das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart von Anfang an. Dass es unvollendet blieb, steht außer Zweifel. Die Musikforschung bewertet rund zwei Fünftel des Werks als Süßmayers Komposition und von den anderen drei Fünftel stamme die Instrumentierung Großteils nicht von Mozart, auch wenn sie – wo vorhanden – seinen Hinweisen folgt. In der üblichen Fassung von Franz Xaver Süßmayr (inklusive dem Sanctus, das gemäß Kennern nicht so recht zur Mozart´schen Trauermusik passen will und deshalb des Öfteren auch weggelassen wird) kam das Stück im vollbesetzten Großen Festspielhaus also zur Aufführung.

„Requiem aeternam dona eis, Domine: Herr, gib ihnen die ewige Ruhe“ – erhaben und sehr intellektuell der Introitus, das Orchester absolut professionell, Berührendes kommt von Beginn an vom Chor. Da knackt es nur so beim Kyrie, heftig das „Dies irae“, geschmettert mit unglaublicher Präzision – „Tag der Rache, Tag der Sünden, Wird das Weltall sich entzünden“, und dann nimmt das Drama – sehr erzählerisch angelegt – mit den SolistInnen seinen Lauf. Der Bass René Pape ist wohl der bekannteste Name des Quartetts, die südafrikanische Sopranistin Golda Schultz setzt sich gut durch, Altistin Christa Mayer, Ensemblemitglied der Sächsischen Staatsoper Dresden, hat ein etwas zu signifikantes Timbre, der Tenor Sebastian Kohlhepp hält den Gesamtklang wieder zusammen. Faszinierend Christian Thielemann, der große Dirigent. Es ist die Körperspannung, dann ein Loslassen, weites Zurücklehnen, um wieder mit einer kleinen Handbewegung den Aufruf „Rex tremendae majestatis“ zu indizieren, der in unvergleichlich zartem „Salva me, fons pietatis“ mündet; um mit eleganter Gestik die Fäden zu ziehen und einen räumlichen Klangkörper entstehen zu lassen. Der Bachchor Salzburg setzt diesbezüglich höchste Maßstäbe. Das begeisterte Publikum zollt dem hochkarätigen Vokalensemble anschwellenden Applaus und sattes Getrappel.

Osterfestspiele Salzburg 2022 vom 9.–18. April; www.osterfestspiele-salzburg.at



Christian Thielemann (© Matthias Creutziger)
Christian Thielemann (© Matthias Creutziger)
Die Solisten Pape Kohlhepp Mayer, Schultz, Staatskapelle Dresden und der Bachchor Salzburg (© Matthias Creutziger)
Die Solisten Pape Kohlhepp Mayer, Schultz, Staatskapelle Dresden und der Bachchor Salzburg (© Matthias Creutziger)