10. Oktober 2020 - 11:21 / Ausstellung / Architektur 
14. Oktober 2020 10. Januar 2021

Zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum präsentiert das Architekturmuseum der TUM eine groß angelegte Ausstellung über den Einfluss des Computers auf die Architektur.

Von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart erzählt die Schau diese faszinierende Geschichte in vier Kapiteln, die die wichtigsten Entwicklungen der sogenannten digitalen Revolution zusammenfassen: Der Computer als Zeichenmaschine, der Computer als Designwerkzeug, der Computer als Medium des Geschichtenerzählens und der Computer als interaktive Plattform. Die grundlegende Frage des zweijährigen Forschungsprojekts, auf dem diese Ausstellung basiert, ist einfach: Hat der Computer die Architektur verändert, und wenn ja, wie?

Die Ausstellung wurde von Teresa Fankhänel kuratiert und enthält mehr als vierzig internationale Fallstudien und Projekte von Architekt_innen, Künstler_innen, Ingenieur_innen und Forscher_innen, von denen viele zum ersten Mal in einer solchen Übersicht gezeigt werden. Neben bekannten Pionier_innen wie "Greg Lynn FORM" (USA), John und Julia Frazer (UK), "Reiser + Umemoto" (USA), Itsuko Hasegawa (JPN) oder "Asymptote Architecture" (USA) umfasst die Schau mehrere neue Archivfunde, darunter das erste mit Hilfe eines Computers entworfene Gebäude in Deutschland, den Siemens-Pavillon in Hannover von Ludwig Rase und Georg Nees (DE, 1970) und den Beitrag zum Wettbewerb "Bauten des Bundes in Bonn" von Oswald Mathias Ungers und Werner Goehner (DE/USA, 1971-1972). Ein weiteres neu entdecktes Exponat ist der erste großformatige gerenderte Durchflug eines städtischen Raumes, Donald Greenbergs "Animation Cornell in Perspective" (USA, 1969-1972), die eigens für die Ausstellung aus dem originalen 16-mm-Film digitalisiert wurde. Die Ausstellung zeigt auch mehrere Beiträge zu dem ersten Architekturwettbewerb, für den eine Animation als Teil des Entwurfsauftrags gefordert wurde: das ungebaute Eyebeam Center (2001).

Neben historischem Material werden auch aktuelle Projekte von Büros wie "SHoP Architects" (USA) und "Atelier Oslo" (NOR) sowie Renderings von jungen Architekt_innen wie Jana Culek (NLD), Lusia Frascerra (UK), Dyvik Kahlen (UK), Brick Visual (HUN), Mir (NOR) und Dennis Allain (USA) gezeigt. Als Teil des Kapitels über Interaktion präsentiert die Ausstellung eine überarbeitete Version von "You+Peas" Computerspiel "London Developers Toolkit" (UK, 2020), mit den Benutzer_innen ihre eigenen satirischen Wolkenkratzer erstellen können, und zeigt Keiichi Matsudas aufsehenerregende Videoarbeit "Hyper-Reality" (UK, 2016).

Neben einzelnen Projekten präsentiert die Schau eine neu recherchierte Software-Timeline, die die Entwicklung aller wichtigen Architekturprogramme, die Architekt_innen heute verwenden, im Detail darstellt, sowie einen Überblick über historische Eingabegeräte zum Zeichnen am Computer. Schließlich wird eine Rekonstruktion der ersten Zeichensoftware Sketchpad von Ivan Sutherland (USA, 1963) gezeigt, die von Daniel Cardoso Llach (USA, 2017) rekonstruiert wurde.

Die Architekturmaschine
Die Rolle des Computers in der Architektur
Kuratorin | Teresa Fankhänel, Architekturmuseum der TUM
14. Oktober 2020 bis 10. Jänner 2021

Pinakothek der Moderne
Kunstareal, Barer Str. 40
D - 80799 München

T: 0049 (0)89 23805-360
F: 0049 (0)89 23805-125
E: info@pinakothek.de
W: http://www.pinakothek.de/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  14. Oktober 2020 10. Januar 2021 /
John Frazer, "Reptile Flexible Enclosure System", 1970  © John Frazer
John Frazer, "Reptile Flexible Enclosure System", 1970 © John Frazer
Otto Beckmann, "Imaginäre Architektur",  Fotomontage, 1977-1980  © Archiv Otto Beckmann
Otto Beckmann, "Imaginäre Architektur", Fotomontage, 1977-1980 © Archiv Otto Beckmann
John Frazer, Julia Frazer, John Potter, "The Walter Segal Model", 1982  © John Frazer, Julia Frazer  Foto: John Frazer
John Frazer, Julia Frazer, John Potter, "The Walter Segal Model", 1982 © John Frazer, Julia Frazer Foto: John Frazer
Bernhard Franken, "BMW Bubble", 1991-1999  © Franken Architekten
Bernhard Franken, "BMW Bubble", 1991-1999 © Franken Architekten
Keiichi Matsuda, "Hyper-Reality", 2016  © Keiichi Matsuda
Keiichi Matsuda, "Hyper-Reality", 2016 © Keiichi Matsuda
Jana Čulek, "Hilma af Klint Museum. A Temple for the Pictures", 2017  © Jana Čulek / Studio Fabula
Jana Čulek, "Hilma af Klint Museum. A Temple for the Pictures", 2017 © Jana Čulek / Studio Fabula
You + Pea, "London Developers Toolkit", 2020  © You + Pea
You + Pea, "London Developers Toolkit", 2020 © You + Pea