26. Dezember 2013 - 4:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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In Roger Cormans 1964 gedrehter Edgar Allan Poe-Verfilmung terrorisiert in einem ungenannten mittelalterlichen Land ein sadistischer Prinz, der den Teufel als seinen Herrn betrachtet, seine Umwelt. Der bildstarke sinistre Horrorfilm, der mehr auf Atmosphäre als auf blutige Effekte setzt, ist bei Koch Media in einer Special Edition mit vielen Extras erschienen.

Farben, Kamerabewegungen, Dekor und Musik sind die filmischen Mittel, mit denen Roger Corman Anfang der 1960er Jahre in sieben Edgar Allan Poe-Verfilmungen dichte Atmosphäre und wohligen Grusel erzeugte. Für einmal keine dunkle Familiengeschichte erzählt er in "Die Maske des roten Todes", seiner vorletzten Poe-Verfilmung, die als "Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie" in die deutschen Kinos kam. Und auch nicht in einem dunklen Anwesen im England oder der USA des 19. Jahrhunderts, sondern im europäischen Mittelalter spielt dieser Film.

Nebelschwaden ziehen aber auch hier übers Feld, wenn eine Frau einem leuchtend rot gekleideten Mann mit vermummtem Gesicht – dem personifizierten Tod – begegnet, der ihr eine Rose übergibt und Befreiung von der Knechtschaft verspricht. Wie diese Knechtschaft aussieht, zeigt die folgende Dorfszene, in der Prinz Prospero ein Dorf tyrannisiert und schließlich die junge Francesca, ihren Vater und ihren Geliebten Gino von seinem Gefolge auf seine Burg schleppen lässt.

Auf das armselige Dorf folgt der Prunk des Schlosses, gleichzeitig treffen hier aber der christliche Glaube Francescas auf den Satanismus Prosperos. Keinen Gott kann es für ihn geben, denn Grausamkeit und Terror beherrschen die Welt. Ein Maskenball wird vorbereitet, dazwischen aber gibt es immer wieder sadistische Aktionen des Fürsten, der sich in der Burg verschanzt, als er erfährt, dass der pestartige rote Tod im Dorf umgeht.

Während sich Prosperos Frau ganz Satan weiht, erlebt Francesca in einer aus dem Film in ihrer visuellen Gestaltung herausragenden Szene einen düsteren Alptraum, in dem sie in nebelverhangener Szenerie auf dem Bett liegend von tanzenden Geistern bedroht wird.

Beim Maskenball schließlich zeigt sich gerade dieser Tod als unerwarteter und unerwünschter Gast und abschließend berichten die aus den unterschiedlichen Himmelsregionen eintreffenden Gevatter über die reiche Ernte, die sie eingefahren haben. Düster und pessimistisch endet dieser Horrorfilm mit dem Satz "Sic transit gloria mundi" und einem Zitat aus Edgar Allan Poe, das darauf hinweist, dass der Tod nun die Herrschaft über die Welt hat.

Auf blutige Szenen kann Roger Corman getrost verzichtet. Er baut eine sinistre Atmosphäre durch die schon erwähnten filmischen Mittel auf. Ersetzt hat er dabei als Kameramann gegenüber den anderen Poe-Verfilmungen Floyd Crosby durch Nicholas Roeg, der später mit "Wenn die Gondeln trauern tragen" (1972) selbst als Regisseur ein Meisterwerk des Mystery-Thrillers dreht. Virtuos gleitet hier seine Kamera schwebend und elegant durch die Räume des Schlosses und trägt wesentlich zum betörenden visuellen Eindruck bei, bestechend ist auch 50 Jahre nach Erscheinen des Films noch die Farbqualität. Großartig ist freilich auch Vincent Price, der mit sichtlichem Vergnügen den sadistischen Prinzen spielt.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene Doppel-DVD die englische Fassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsch synchronisierte Fassung. An Extras enthält diese Special-Edition neben dem originalen und deutschen Trailer und einer geschnittenen Badeszene, in der man kurz einen Busen sieht, ein Interview mit dem Synchronregisseur Arne Elsholz, ein knapp einstündiges TV-Special "An Evening of Edgar Allan Poe" von bescheidener Bildqualität, eine 18-minütige Super-8-Fassung, ein 19-minütiges Interview mit Roger Corman sowie auf dem Rom-Teil als pdf einen 36-seitigen Comic zum Film.

Trailer zu "Die Maske des roten Todes"



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