8. August 2008 - 3:08 / Ausstellung / Archiv 
20. März 2008 17. August 2008

Tautropfen auf zarten Blütenblättern, Lichtreflexe auf kostbarem Silbergeschirr, kandiertes Zuckerwerk in blau-weißen chinesischen Porzellanschälchen, das weiche Gefieder eines toten Singvogels, der fahle Ton eines Totenschädels – Stillleben faszinieren bis heute durch den nahsichtigen Blick auf nicht lebende, doch keineswegs leblose Gegenstände, die mit malerischer Raffinesse und subtilem Kolorit wiedergegeben werden.

Doch in ihren Anfängen und in ihrer Blütezeit war die Stilllebenmalerei alles andere als eine rein ästhetische Angelegenheit, als die sie der heutige Betrachter meist wahrnimmt. Seit seiner Emanzipation aus der religiösen Malerei des Spätmittelalters diente das Stillleben zunächst vor allem der Erfassung und Deutung der "stillliegenden" Dinge aus der Alltagswelt des Betrachters, in denen sich die Ordnung und Struktur der übergeordneten, abstrakten Welt des Barock spiegeln konnte: die Sinne und die Temperamente des Einzelnen etwa, die Elemente oder die Jahreszeiten, die seine Welt prägten, oder die Vergänglichkeit und Erlösungsbedürftigkeit der sündigen Menschheit insgesamt.

Die Ausstellung "Die Magie der Dinge. Stilllebenmalerei 1500-1800", die die hochkarätigen Bestände dreier Museen – des Städel Museums in Frankfurt, des Hessischen Landesmuseums Darmstadt und des Kunstmuseums Basel – vereint, spannt mit ca. 95 Meisterwerken den Bogen der Stilllebenmalerei in den nördlichen und südlichen Niederlanden sowie in Deutschland von den Vorstufen im späten 15.Jahrhundert bis in die Zeit des späten 18. Jahrhunderts. Damit breitet sie ein Panorama der verschiedenen Spielarten des Stilllebens über zweieinhalb Jahrhunderte hinweg aus, das die eher sachlich ausgerichteten Werke des frühen 17. Jahrhunderts ebenso umfasst wie die späteren Prunkstillleben, "Mahlzeiten" ebenso wie üppige Blumensträusse oder naturwissenschaftlich orientierte ebenso wie pittoreske Tierstillleben.

Mit Werken von Ludger tom Ring d. J., Jan Brueghel d. Ä., Jan Davidsz. de Heem, Willem Kalf, Rachel Ruysch, Abraham Mignon, Georg Flegel, Jan Soreau, Gottfried von Wedigh und Sebastian Stosskopf.


Die Magie der Dinge
Stilllebenmalerei 1500-1800
20. März bis 17. August 2008

Städel Museum
Dürerstraße 2
D - 60596 Frankfurt am Main

T: 0049 (0)69 605098-0
F: 0049 (0)69 605098-111
E: info@staedelmuseum.de
W: http://www.staedelmuseum.de/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



Ähnliche Beiträge


"Stillliegende" Dinge aus der Alltagswelt Mi, 17.12.2008

  •  20. März 2008 17. August 2008 /
3342-334201.jpg
Johann Rudolf Bys: Kartusche mit Blumengirlande mit der Vedute einer Hafenstadt
3342-334202.jpg
Georg Flegel: Mahlzeit mit Obst und Zuckerwerk
3342-334203.jpg
Carl Wilhelm de Hamilton: Waldvegetation mit Schlange, Eidechse und Schmetterlingen
3342-334204.jpg
Cornelis de Heem: Prunkstillleben mit kopulierenden Spatzen, Blumen, Früchten, Austern, Prunkpokal, Spiegel und Flöte, 1657
3342-334205.jpg
Harmen Steenwijk: Vanitas-Stillleben mit Totenschädel und Pfeife