Gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Hohenems öffnet sich das Wiener Volkskundemuseum zu einem Ort offener Debatte über die Zukunft Europas: über die reale und die ideelle Substanz der Europäischen Union, über Gefährdungen und Chancen, über zukunftsweisende und überkommene Konzepte.

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Europa von einem Rückfall in nationalistische und menschenfeindliche Ideologien bedroht.

Der europäische Imperativ "Nie wieder!" wird von Vielen in Frage gestellt, auch hier in Österreich. Zugleich entdecken Europas Nationalisten ihre eigene Fantasie vom "christlich-jüdischen Abendland" – als Kampfbegriff gegen Zuwanderung und Integration. Die vorgeblich universellen Werte der Aufklärung, die zu den Grundlagen europäischer Verständigung nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts zählten, zeigen ihr anderes Gesicht und werden so zu Mitteln der Abschottung und Ausgrenzung.

Über die europäische Aufklärung wird hier ebenso zu streiten sein wie über ihre Kinder: Säkularisierung und Moderne, Emanzipation und Partizipation, Nationalismus und Chauvinismus, Kolonialismus und Kapitalismus.

Was war das "Projekt Europa" und was ist daraus geworden? Und was wird aus ihm werden? Ist die Europäische Gemeinschaft in Zeiten beunruhigender globaler Herausforderungen – und nicht nur im Zeichen der Corona-Pandemie – noch weiter auseinander- statt näher zusammengerückt? Werden nationale Interessen immer mehr gegen europäische Lösungen ausgespielt?

Vor dem Hintergrund dieser Fragen werden jüdische Individuen vorgestellt, die angesichts der Zerstörungen Europas und der versuchten Vernichtung der europäischen Juden im 20. Jahrhundert nationale und kulturelle Grenzen überschritten, die universelle Geltung von Menschenrechten erneut einforderten und vehement einen europäischen Traum verfolgten. Anhand ihres Engagements für ein geeintes und friedliches Europa erkundet die Ausstellung gleichzeitig dessen neuerliche Bedrohung.

Nicht nur angesichts der schier unvorstellbaren Opfer, welche die entgrenzte Gewalt der "zivilisierten" Gesellschaften Europas forderte, verstand sich die europäische Einigung als inklusives Friedensprojekt. Heute erscheint die EU zusehends als defensives Bündnis zur Wahrung von Sicherheits und Wirtschaftsinteressen. Wird das Projekt Europa daran scheitern?

Die letzten Europäer
Jüdische Perspektiven auf die Krisen einer Idee
21. Jänner 2022 bis 18. April 2022

Österreichisches Museum für Volkskunde
Laudongasse 15-19
A - 1080 Wien

W: http://www.volkskundemuseum.at/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



Die letzten Europäer. Jüdische Perspektiven auf die Krisen einer Idee. © Foto: Dietmar Walser, Hohenems
Die letzten Europäer. Jüdische Perspektiven auf die Krisen einer Idee. © Foto: Dietmar Walser, Hohenems
© Foto: Dietmar Walser, Hohenems
© Foto: Dietmar Walser, Hohenems
© Foto: Dietmar Walser, Hohenems
© Foto: Dietmar Walser, Hohenems