12. März 2010 - 2:23 / Ausstellung / Grafik 
30. Januar 2010 14. März 2010

Die Ausdrucksmöglichkeiten von Architekturzeichnungen sind so vielfältig wie die Gedanken, an die sich ihr Zeichner wagt. Deshalb nimmt die "Papierarchitektur" auch eine ganz eigenständige Position innerhalb der grafischen Künste ein. Für Sammler beginnt das Interesse an der Architekturzeichnung bei der zeichnerischen Wiederentdeckung der antiken Architektur im ausgehenden 17. Jahrhundert. Bis heute üben diese virtuos gezeichneten Architekturwelten eine ungebrochene Faszination auf den Betrachter aus.

Im einundzwanzigsten Jahrhundert wird von ambitionierten Architekten mehr gefordert als kreative Bauentwürfe. International erfolgreiche Architekten haben multifunktionale Büros hinter sich, die neben engagierten Architekten, auch Experten aus dem Medien- und Finanzmanagement beschäftigen. Es sind Wirtschaftsunternehmen, die permanent unter Konkurrenzdruck arbeiten. Erfolgreiche Architekten müssen heute daher Multitalente mit einem ausgeprägten künstlerischen Talent sein.

Auch der Architekt Sergei Tchoban entwickelte seine Zeichenleidenschaft früh. 1962 in St. Petersburg geboren, besuchte er das dortige Kunstgymnasium und die Kunstakademie, absolvierte dann ein Architekturstudium. 1990 kam er "mit einem Handkoffer voll Zeichnungen" nach Deutschland. Wenige Jahre nach Eintritt in das Hamburger Architekturbüro nps, wurde er Partner. Heute unterhält er mit der Architektensozietät Büros in Berlin, Hamburg und Dresden sowie in Moskau und errichtet Großbauten in ganz Europa.

Tchobans zeichnerische Begabungen wurden maßgeblich während des Studiums an der Petersburger Akademie gefördert. Während in den Lehrplänen deutscher Architekturfakultäten das Handzeichnen nicht mehr zu finden ist, durchläuft der Akademiestudent in St. Petersburg bis heute den traditionellen Ausbildungsweg. Aus dem historisch interessierten, zeichnenden Architekten Tchoban wurde der sammelnde Architekt, der Architekturzeichnungen von der Barockzeit bis ins zwanzigste Jahrhundert in einer beachtlichen Sammlung zusammengeführt hat. Zu den in der Sammlung vorhandenen Werken zählen u.a. Zeichnungen von Ferdinando Galli Bibiena (1656-1743), Filippo Juvara (1678-1736), Jaques-Louis David (1748-1825) und Jakob Philipp Hackert (1736-1807).

Die Ausstellung im dritten Obergeschoss des Deutschen Architekturmuseums möchte am Beispiel der Zeichnungen Sergei Tchobans und seiner Sammlung neue Zugänge zur Kunst der Architekturzeichnung und ihrer Tradition für das Publikum eröffnen. Die für die Ausstellung ausgewählten Zeichnungen von Tchoban fokussieren das Thema mit Schwerpunkt auf Darstellungen antiker, barocker und klassizistischer Architektur, wobei die Methoden der perspektivisch-illusionistischen Darstellung und die darstellerische Könnerschaft des Architekten von großer Bandbreite sind.

Die Arbeiten aus fast drei Jahrzehnten werden zudem mit zeichnerischen Darstellungen bedeutender europäischer Architekten und Maler des 17. bis 19. Jahrhunderts in einen Dialog gestellt. Dabei soll kein Vergleich zwischen der Kunstfertigkeit historischer Zeichner und der des Architekten Tchoban gezogen werden. Vielmehr geht es darum, die Bandbreite der Techniken und Darstellungsmethoden über vier Jahrhunderte hinweg bis in die heutige Zeit exemplarisch anhand von Sammlung und Werk eines leidenschaftlich zeichnenden Architekten darzustellen.

Publikation: Architekturwelten. Sergei Tchoban – Zeichner und Sammler. Hrsg. von Eva-Maria Barkhofen. Mit einem Vorwort von Peter Cachola Schmal; Jovis-Verlag, Berlin, 2009. Zweisprachig deutsch\englisch, Hardcover, 128 Seiten, farbig, ISBN 978-3-86859-047-0. 29,80 EUR im Buchhandel.

Sergei Tchoban - Zeichner und Sammler
30. Januar bis 14. März 2010

Deutsches Architekturmuseum
Schaumainkai 43
D - 60596 Frankfurt am Main

T: 0049 (0)69 212-38844
F: 0049 (0)69 212-37721
E: info.dam@stadt-frankfurt.de
W: http://www.dam-online.de/

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Tagebuchblatt, 2002. Bleistift, Filzstift, Buntstift, Tinte, 27 x 38 cm. © Sergei Tchoban
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Turm im Stil der Sowjetpalastentwürfe Boris Iofans, 1995. Tusche, Aquarell, 30 x 30 cm. © Sergei Tchoban
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Reality is Truth, Art is Beauty, 2002. Tusche, Aquarell, 56 x 39 cm. © Sergei Tchoban
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Raumstudie zur Querbahnsteighalle des Leipziger Bahnhofs, 1994. Tusche, Aquarell, 55 x 55 cm. © Sergei Tchoban