10. Mai 2008 - 2:30 / Ausstellung / Archiv 
28. November 2007 18. Mai 2008

Vom 28. November 2007 bis 18. Mai 2008 zeigt das Jüdische Museum in Wien die Ausstellung "Die Korngolds - Klischee, Kritik und Komposition". Kaum eine Familie spiegelt das Wiener Musikleben zu Beginn des 20. Jahrhunderts besser wider als die der Korngolds.

Der Vater Julius Korngold, Chefmusikkritiker der Neuen Freien Presse, war einer der mächtigsten und gefürchtetsten Kritiker seiner Zeit, der unermüdlich gegen die "Anarchie" der so genannten Neutöner kämpfte. Sein Sohn Erich Wolfgang war ein musikalisches Wunderkind, dessen Erfolg à la longue vom Vater weder beeinflusst noch kontrolliert werden konnte.

In seinen Versuchen, dies zu tun, beschädigte Julius nicht nur seinen Ruf als Kritiker, sondern verhinderte auch eine wertfreie Rezeption der Werke von Erich Wolfgang. Seine überbordende Vaterliebe drängte Erich Wolfgang in den zwanziger Jahren auf musikalischer Ebene auf Wege, die ihm die finanzielle Unabhängigkeit von seinem Vater garantieren sollten und seine Heirat ermöglichten. Seine Rolle als wichtiger zeitgenössischer Komponist wurde durch diese "neue" Karriere als Operetten-Arrangeur in Frage gestellt.

Die Geschichte von Vater und Sohn steht beispielhaft für die Musikgeschichte Wiens. Es ist die Geschichte einer assimilierten jüdischen Bürgersfamilie, deren Familienoberhaupt seine Position nur dann garantiert sah, wenn in einer Welt, die durch "Neue Kräfte" auseinander zu brechen drohte, der Status quo aufrecht erhalten werden konnte. Wie viele seiner jüdischen Zeitgenossen sah er in den Deutschnationalisten den Garant für die Abwehr dieser "Neuen Kräfte". Was Julius dabei jedoch übersah, war die Tatsache, dass gerade für die Nationalisten die Juden als Vorreiter jener Kräfte galten, die die alte Ordnung durcheinander bringen würden.

Erich Wolfgang, dessen Werke ab 1933 in Deutschland verboten waren, startete 1934 eine neue Karriere als Pionier der Filmmusik in Hollywood und verbrachte fortan seine Zeit teilweise in Wien, teilweise in Los Angeles. Mit dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland war Korngold in Hollywood "gefangen" und ins Exil gezwungen. Anders als zahlreiche Schicksalsgenossen konnte er in Hollywood bereits auf eine erfolgreiche Arbeit aufbauen, u. a. mit Max Reinhardt, der ihn bereits 1934 für eine Zusammenarbeit nach Hollywood kommen ließ.

Erich Wolfgang Korngold schuf als Filmmusikkomponist das, was als "Hollywood Sound" Filmgeschichte gemacht hat. Ausgezeichnet mit zwei Oscars (u. a. für den legendären Film "Die Abenteuer des Robin Hood" mit Errol Flynn und Olivia de Havilland) gelang es Korngold, sich die Rechte für seine Filmmusik zu sichern - bis heute gilt Korngold als einer der erfolgreichsten und wichtigsten Hollywoodkomponisten.

Die Ausstellung stellt vor dem Hintergrund der Vater-Sohnbeziehung die wichtigsten Schaffensperioden von Erich Wolfgang Korngold dar, seine Erfolge als Wunderkind, seine Triumphe als Komponist und weltweit auch als Arrangeur, seine Zusammenarbeit mit Max Reinhardt, seine Erfolge in Hollywood, ebenso wie der gescheiterte Versuch, nach dem Krieg in Wien wieder Fuß zu fassen. Hörstationen mit Ausschnitten aus Korngolds Musik und Filmausschnitte beleuchten seine größten Erfolge und ermöglichen auch eine Annäherung an den privaten Korngold im Kreis seiner Familie und seiner Freunde.

Zur Ausstellung erscheint ein Begeleitbuch mit einer CD.


Die Korngolds
Klischee, Kritik und Komposition
28. November 07 bis 18. Mai 08

Jüdisches Museum Wien
Dorotheergasse 11
A - 1010 Wien

T: 0043 (0)1 53504-31
F: 0043 (0)1 53504-24
E: info@jmw.at
W: http://www.jmw.at/

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Erich Wolfgang Korngold am Dirigentenpult, Hollywood 1944. © Korngold Family Estate
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Korngold am Klavier, ca. 1940. © Korngold Family Estate
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Erich Wolfgang Korngold am Klavier in den Warner Studios, 1934. © Korngold Family Estate
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Erich Wolfgang Korngold mit Paul Henreid und Bette Davis in einer Drehpause zu 'Deception' 1946. © Courtesy of the Academy of Motion Pictures Arts and Sciences
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Filmplakat zu 'The Adventures of Robin Hood', Warner Brothers 1938. © Courtesy Academy of Motion Pictures Arts and Sciences