26. Februar 2015 - 4:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Ein Mann wird von zwei Auftragskillern ohne Gegenwehr oder Versuch zu flüchten ermordet. Ein Versicherungsagent beginnt zu recherchieren, macht Bekannte des Ermordeten ausfindig und rekonstruiert so in Befragungen dessen Leben. – Robert Siodmaks 1946 gedrehte Verfilmung einer Kurzgeschichte von Ernest Hemingway ist ein prototypischer Film noir, der nichts von seiner Wirkung verloren hat. Bei Koch Media ist das fatalistische Meisterwerk als 19. Titel in der Reihe "Film noir Collection" auf DVD und Blu-ray erschienen.

Immer ist im Film noir schon alles vorüber, wenn der Film beginnt. Wie in Jacques Tourneurs phänomenalem "Out of the Past" tauchen auch hier zwei finstere Gestalten in einer verschlafenen amerikanischen Kleinstadt auf. Zunächst terrorisieren sie Belegschaft und Gäste eines Diners, dann machen sie auf die Suche nach dem örtlichen Tankwart, den alle nur "Der Schwede" (Burt Lancaster) nennen.

Ein Kunde des Diners kann ihn zwar warnen, doch dieser macht keine Anstalten zu flüchten, erklärt müde, dass er nicht mehr davonrennen will und nun für eine frühere Tat bezahle, wartet, im Bett liegend, auf die Auftragskiller und lässt sich von diesen ermorden.

Dass eine einfache Hotelangestellte, die den Ermordeten kaum kannte, Nutznießerin seiner Lebensversicherung ist macht den Versicherungsagenten Reardon (Edmond O´Brien) neugierig und er beginnt nachzuforschen, befragt zunächst die Hotelangestellte über den Toten, dann einen Polizisten, der ein Jugendfreund des Schweden war, eine junge Frau, die für ihn schwärmte, einen Mithäftling.

Bestimmt den Film noir meist der Rückblick des Protagonisten, so wird das Leben des "Schweden" hier ganz aus der Perspektive von anderen in nicht durchgängig chronologischen Szenen rekonstruiert. Wie in "Citizen Kane" fügen sich die Rückblenden langsam zu einem Gesamtbild, wie dort "Rosebud" gibt es hier mit dem Hinweis auf einen lange zurückliegenden Fehler ein letztes Wort, das die Recherche auslöst. Und wie in Orson Welles Meilenstein bleibt der Rechercheur selbst farb- und quasi gesichtslos, dient einzig dazu die Erzählungen über den "Schweden" zusammenzuhalten, einen schwachen Handlungsfaden in der Gegenwart herzustellen.

Die Handlung an sich ist aber schon längst vorüber und wie so oft im Film noir ist es eben eine verführerische Frau (Ava Gardner), eine Femme fatale, der der innerlich schwache Protagonist hoffnungslos verfällt und die ihn so ins Verderben stürzt. Aber auch alle anderen typischen Elemente eines Film noir sind da: der Traum vom Reichtum, ein scheinbar perfektes Verbrechen, Intrigen und Betrug, ein hartnäckiger Ermittler und schließlich alles überlagernd die Stimmung der Hoffnungslosigkeit.

Brillant ist das einerseits konstruiert in der puzzleartigen Erzählweise, erzeugt andererseits mit expressiver Schwarzweißfotografie und brillantem Spiel mit Licht und Schatten auch dichte Atmosphäre. Große Schärfentiefe erzeugen ein starkes Raumgefühl und großartig gefilmt sind von Kameramann Elwood Bredell die den Film bestimmenden Nachtszenen. Bei Tag spielt nur ein Überfall, der in einer ungeschnittenen furiosen Plansequenz inszeniert ist. – Ein zeitloses Meisterstück des Film noir ist Robert Siodmak hier gelungen, das 18 Jahre später von Don Siegel nochmals verfilmt wurde.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media als 19. Titel in der "Film noir Collection" erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische (!) – aber keine deutschen – Untertitel. An Extras gibt es neben dem Kinotrailer und einer Bildergalerie eine englische Radiofassung des Films von 1949 mit Burt Lancaster, Shelley Winters und William Conrad und wie gewohnt bei dieser Reihe ein sehr informatives 16-seitiges Booklet von Thomas Willmann.

Trailer zu "Die Killer - The Killers" (1946)



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