26. August 2011 - 1:49 / Ausstellung / Archiv 
4. Mai 2011 28. August 2011

Die Ausstellung "Die Jahre der Blauen Stunde" im Kunsthistorischen Museum kann als der dritte Teil einer Trilogie des belgischen Künstlers Jan Fabre angesehen werden. Der erste Teil fand 2006 im Königlichen Museum der Schönen Künste in Antwerpen statt, in der Heimatstadt des Künstlers. Fabre zeigte dort in der Ausstellung Homo Faber Skulpturen, Installationen und Filmarbeiten neben Werken jener Künstler der Vergangenheit, die ihn seit den Anfängen seiner künstlerischen Tätigkeit angeregt und beeinflusst hatten.

Das nächste Kapitel wurde 2008 im Musée du Louvre in Paris geschrieben. Fabre präsentierte in den Räumen der flämischen, der niederländischen und der deutschen Schule mit "L’Ange de la métamorphose" die erste monographische Ausstellung, die man einem zeitgenössischen Künstler in der langen Geschichte des Museums angeboten hatte. Drei Jahre danach hat nun das Kunsthistorische Museum das Privileg, diese Unternehmung fortzuführen.

Jan Fabre zeigt in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums eine Gruppe von etwa 30 seiner Werke, welche zur Serie "The Hour Blue" (Die Blaue Stunde) gehören und fast alle zwischen 1986 und 1992 entstanden sind. Zusätzlich werden zwei Skulpturen des Künstlers in der Eingangshalle und – vom Maria Theresien-Platz aus sichtbar – auf dem Dach des Museums aufgestellt. Die gezeigten Werke sind Leihgaben aus bedeutenden privaten Sammlungen und internationalen Museen wie dem Stedelijk Museum in Amsterdam, dem S.M.A.K. Gent und dem Kiasma Museum für Gegenwartskunst in Helsinki. Sie werden oberhalb, unterhalb und manchmal auch an Stelle von Meisterwerken in der Gemäldegalerie platziert, um einen spannenden Dialog zwischen dem Zeitgenössischen und dem Historischen, dem Vergänglichen und dem Ewigen zu initiieren.

Der Titel der Serie "Die Blaue Stunde" ist den Schriften von Fabres Urgroßvater entlehnt. Der berühmte Insektenforscher Jean-Henri Fabre beschäftigte sich mit dem mystischen Moment des Übergangs von der Nacht zum Tag, also dem Moment, da Nachtwesen sich zurückziehen und Tagwesen erwachen. Diese Themen, Metamorphose und Wiedergeburt, inspirierten die Werke der Serie "Die Blaue Stunde". Sie sind mit blauem Bic-Kugelschreiber gezeichnet, und zwar überwiegend auf Papier, aber fallweise auch auf großen Seidentüchern oder dreidimensionalen architektonischen Gegenständen. In einige der Werke sind in einer sehr feinfühligen Art und Weise konservierte Körper oder Flügel von Insekten eingefügt.

Die Zeichnungen – und eine Reihe von dreidimensionalen Objekten, deren Oberflächen ebenfalls mit Zeichnungen in Bic-Kugelschreiber bedeckt sind – werden vorsichtig an verschiedenen Stellen in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums platziert, im Dialog mit Meisterwerken der ständigen Sammlung wie Tizians "Papst Paul III.", Caravaggios "Dornenkrönung Christi" und Rubens’ "Gewitterlandschaft". Der Saal mit den Gemälden von Pieter Bruegel dem Älteren, einem Landsmann Fabres, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei dieser Installation. Auch andere Stellen des Gebäudes werden in die Ausstellung miteinbezogen. So werden die großen Holzskulpturen "Haus der Flammen" I und II in der Eingangshalle aufgestellt, Fabres monumentale Skulptur "Der Wolkenvermesser" (1998) – ein lebensgroßer Bronzeabguss des Körpers des Künstlers – wird auf dem Dach des Museums zu sehen sein.

Eines der Highlights des Rahmenprogramms zur Ausstellung ist die Kombiführung "Die Blaue Stunde der Insekten. Jan Fabre zwischen Natur und Kunst" dar, bei der im Kunst- und im Naturhistorischen Museum den Themen Verwandlung und Wiedergeburt nachgegangen wird. Insekten und ihre verschiedenen Entwicklungsstadien symbolisieren und leben diese Thematik wie keine andere Tiergruppe. Die Führung beginnt in der Gemäldegalerie des KHM und setzt sich bis in die Schauräume des NHM fort.

Jan Fabre wurde am 14. Dezember 1958 in Antwerpen geboren. Nach einem Studium am Antwerpener Stedelijk Instituut voor Sierkunsten en Ambachten (Städtischen Institut für angewandte Kunst) und an der Koninklijke Academie voor Schone Kunsten (Königlichen Akademie der Schönen Künste) schrieb er erste Stücke fürs Theater, schuf seine erste Serie von Insekten-Zeichnungen und frühen Skulpturen und war als Performance-Künstler tätig. 1982 inszenierte er sein viel beachtetes achtstündiges Spektakel "This is Theatre As It Was To Be Expected and Foreseen".

Nach der erfolgreichen Teilnahme an der 41. Biennale in Venedig 1984 und der Documenta 8 1987 (wo er seine früheste Choreographie vorstellte) wurde Fabre 1992 der Flemish Community Prize for Visual Art verliehen. In den 1990er Jahren widmete sich der Künstler der Erforschung des menschlichen Körpers und seiner Transformation, wobei seine Faszination für Insekten ihn im Jahr 2002 veranlasste, im Auftrag von Königin Paola von Belgien die gesamte Decke des Spiegelsaales im Königlichen Palast in Brüssel mit den Deckflügeln von Prachtkäfern auszukleiden. Fabre wurde 2004 Großoffizier des belgischen Kronenordens und 2007 Kommandeur des Ordens Leopolds II. Jan Fabre lebt und arbeitet weiterhin in Antwerpen.

Die Jahre der Blauen Stunde
4. Mai bis 28. August 2011

Kunsthistorisches Museum
Maria Theresien-Platz
A - 1010 Wien

T: 0043 (0)1 525 24-0
F: 0043 (0)1 525 24-503
E: info@khm.at
W: http://www.khm.at/

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De Man die de Wolken meet / Der Wolkenvermesser, 1998, Bronze. © Angelos
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De Lijmstokman / Der Leimrutenmann, 1990; Serie: Het Uur blauw/ Die Blaue Stunde. Bic-Kugelschreiber auf Papier, 2200 x 1600 mm; Sammlung C. Keirsmaekers, Mechelen. © VBK, Wien 2010; Foto © Angelos
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Kasteel Tivoli / Schloss Tivoli, 1991; Serie: Het Uur blauw/ Die Blaue Stunde. Bic-Kugelschreiber auf Cibachrom und Holz, 1720 x 1250 mm; Privatsammlung. © VBK, Wien 2010; Foto © Angelos
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Jan Fabre im Kunsthistorischen Museum; Gemäldegalerie, Saal XV. Foto: KHM
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Jan Fabre im Kunsthistorischen Museum; Gemäldegalerie, Saal XIV. Foto: KHM
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Jan Fabre im Kunsthistorischen Museum; Gemäldegalerie, Saal X. Foto: KHM