20. November 2014 - 4:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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In seinem 1954 gedrehten Biopic zeichnet Anthony Mann das Leben Glenn Millers von seinen musikalischen Anfängen um 1930 bis zu seinem Tod im Dezember 1944 nach. Der Klassiker, der durch flüssige und runde Inszenierung, sorgfältige Ausstattung und Besetzung sowie Millers Hits immer noch zu unterhalten vermag, ist bei Koch Media in der Reihe "Masterpieces of Cinema" als Blu-ray erschienen.

Eine Posaune ist das erste, was man in diesem Film sieht. Wieder einmal holt sie Glenn Miller (James Stewart) aus dem Pfandhaus, denn wenig erfolgreich ist er noch mit seiner Musik und muss sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen. Auf Inserts zu Ort und Zeit verzichtet Anthony Mann, doch lässt sich die Handlung durch die Autos um 1930 datieren und als Schauplatz durch die Cable Cars San Francisco ausmachen.

Auch im Folgenden wird auf Inserts verzichtet werden, bruchlos und fließend entwickelt sich so eine sich über zehn Jahre spannende Handlung, ohne in episodisches Erzählen abzugleiten. Auf einen Besuch bei seiner Jugendfreundin Helen (June Allyson) wird bald die Hochzeit folgen, auch wenn dazwischen zwei Jahre liegen. Misserfolge werden weggesteckt werden und angetrieben und unterstützt von seiner Frau wird Miller schließlich seinen Traum vom neuen Klang verwirklichen, wird den Glenn-Miller-Sound schaffen und damit Karriere machen.

Immer stärker rückt mit diesem Erfolg die Musik von Miller in den Mittelpunkt und zahlreiche seiner Hits von "Moonlight Serenade" über "In the Mood" und "Pennsylvania 6-5000" bis "Chattanooga Choo Choo" bekommt man zu hören. Trotz Tiefschlägen leicht ist der Erzählton, in einem Mix aus Komödie und Romantik erzählt Mann von der Beziehung zwischen Miller und seiner Frau und zieht erst im Finale emotional kräftig an, wenn der inzwischen berühmte Musiker, der mit seiner Band im Rahmen der Truppenbetreuung für die in Europa kämpfenden US-Soldaten Konzerte gibt, bei einem Flug im Dezember 1944 von London nach Paris am Zielort nie ankommt und seine Frau unter dem Weihnachtsbaum per Radio das Konzert hört, das seine Band zum Andenken an Miller spielt.

Nichts erfährt man über die Kindheit Millers, auch nichts über die Wurzeln seiner Begeisterung für die Musik, weitgehend ausgespart bleibt auch der historisch-gesellschaftliche Hintergrund. Ganz auf die sich nur langsam entwickelnde Karriere Millers und seine Beziehung zu Helen beschränkt sich der Film. Weder dürften freilich die Geldsorgen und die Armut so harmlos gewesen sein, wie es hier in den weichen Technicolor-Farben und den stets sauberen Anzügen von James Stewart wirkt, noch dürfte die Ehe mit Helen so problemlos und stets glücklich gewesen sein, wie sie hier geschildert wird.

Mann verklärt Miller zwar und Stewart spielt ihn – im Gegensatz zu den Protagonisten in Manns Western – gänzlich ungebrochen als den netten Jungen von nebenan, der seinen großen Traum schließlich verwirklicht. Sauber und rund wird hier eine Geschichte erzählt, nichts zu kritisieren gibt es an der Ausstattung und William Daniels Kameraarbeit, die den Handlungsfluss ebenso wie der Schnitt von Russell F. Schoengarth perfekt unterstützt, getragen wird der Film aber zweifellos von Millers Hits, auf die man hier wieder Lust bekommt.

Aber auch die Besetzung der Hauptrollen mit James Stewart und June Allyson, die zwar nicht besonders vielschichtige und schillernde, sondern zutiefst kleinbürgerliche, aber in ihrer Warmherzigkeit sehr sympathische Charaktere zeichnen, trägt zum überzeugenden Gesamteindruck bei.

Ecken und Kanten sucht man zwar vergebens, und mit seinem einfachen Menschenbild, dem Fehlen jeglicher Abgründigkeit und Ambivalenzen wird mehr Legendenbildung betrieben als authentisch ein Leben nachgezeichnet. Ein filmisches Meisterwerk ist das kaum, bietet aber immer noch solide, und im Finale auch bewegende Unterhaltung für die ganze Familie.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media in der Reihe "Masterpieces of Cinema" erschienene Blu-ray die englische Originalfassung und die deutsche Synchronfassung sowohl von 1954 wie von 1985 sowie englische und deutsche Untertitel. An Extras gibt es neben einem Booklet, einer Bildergalerie und dem englischen sowie dem deutschen Trailer vor allem die um etwa drei Minuten längere deutsche Synchronfassung von 1954.

Trailer zu "Die Glenn Miller Story"



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