9. März 2021 - 10:22 / Ausstellung 
10. März 2021 30. Mai 2021

Der Kunstpalast widmet Heinz Mack zu seinem 90. Geburtstag eine Ausstellung, die vorwiegend sein Frühwerk aus den 1950er bis 1970er Jahren präsentiert. Die Schau des in Mönchengladbach und auf Ibiza lebenden und arbeitenden Künstlers zeigt die innovativen Neuerungen und verdeutlicht den revolutionären Geist des Bildhauers und Malers.

Mack (geboren 1931), der in seinem künstlerischen Schaffen experimentelle Denk- und Arbeitsräume erschloss und mit immateriellen Werkstoffen wie Licht, Raum, Zeit und Bewegung arbeitet, übt bis heute großen Einfluss auf viele Künstler_innen aus. Die Werkauswahl von etwa 100 teils raumgreifenden Arbeiten fokussiert zentrale Stationen seines Werdegangs, wie das Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie, die Zero-Zeit, Aufenthalte in Afrika und den USA bis hin zu seinen lichtkünstlerischen Environments und seinen Großprojekten in freier Natur. Neben Gemälden, Skulpturen und lichtkinetischen Installationen präsentiert die Ausstellung Fotografien, Bühnenbilder und Architekturvorhaben sowie Werke und Dokumentationen seiner Land-Art-Projekte und einen Film.

Mit bedeutenden Werkbeispielen berühmter wie auch selten gezeigter Arbeiten – institutionellen und privaten Leihgaben aus Belgien, Großbritannien, Liechtenstein und Deutschland sowie aus dem Besitz des Künstlers – verweist die Schau auf die gesamte Bandbreite des skulpturalen und medialen Kunstschaffens von Heinz Mack. Das Publikum trifft auf frühe fotografische Landschaftsaufnahmen aus seiner hessischen Heimat, auf Modelle der von ihm entworfenen Wassermauer im senegalesischen Diourbel, reflektierende Stelen aus der New Yorker Zeit sowie seine ursprünglich in der nordafrikanischen Sahara und im grönländischen Eismeer installierten experimentellen Spiegelplantagen und Lichtobjekte.

Fern von den Konventionen der Akademie und des Kunstgeschehens in Museen und Galerien experimentierte Mack bereits früh mit unterschiedlichen, teils kunstfremden Werkstoffen wie Aluminiumfolien sowie mit Linear- und Rasterstrukturen. Im Zentrum seiner Formexperimente steht das reine Licht, das von wesentlicher Bedeutung für die Schaffung seiner Skulpturen ist. Macks forschendes Kunstschaffen bildete die Grundlage für die Realisierung seiner Vision: den Landschaftsraum mit künstlerischen Interventionen zu erobern und einen "Jardin artificiel" – einen künstlichen Garten aus reinem Licht – zu schaffen. In dem Sahara-Projekt entwarf Mack 1959 die Idee eines temporären künstlichen Gartens, bestehend aus rhythmisch strukturierten Stelen, spiegelnden Flächen und Sandreliefs in der Wüste. Von diesem Projekt ausgehend unternahm er in den folgenden Jahren künstlerische Expeditionen zum Beispiel nach Tunesien, Marokko und Algerien. Im Östlichen Großen Erg, dem größten Sandmeer der Sahara, erlangte er ebenso wie in der grenzenlosen Eislandschaft der Arktis mit vor Ort entstandenen experimentellen Licht-Installationen internationale Aufmerksamkeit.

Von der Natur zur Struktur

Bereits in seinen Mitte der 1940er Jahre entstandenen Naturfotografien lässt sich das Interesse an Strukturen und formalen Rhythmen in Landschaft und Architektur entdecken. Gepflügte Äcker, Waldränder, Wiesen und bäuerliche Architektur bilden bevorzugte Motive. Das fotografische Festhalten von natürlichen Strukturen und Ordnungen findet später seine Fortsetzung in linearen oder rasterartigen Arbeiten des Künstlers. So entwickelt Mack nach Beendigung seines Kunststudiums innerhalb weniger Jahre ein vielfältiges Œuvre: Skulptur, Relief, Malerei und kinetische Arbeiten entstehen fast zeitgleich zu Projekten im Landschaftsraum.

Musik/Dynamische Struktur

Von Jugend an faszinieren den passionierten Klavierspieler Mack die weiträumigen Klangarchitekturen wie er sie in Kompositionen, insbesondere von Johann Sebastian Bach, erlebt und in den dynamischen Strukturen bildlich fixiert. Skulpturen wie "Melodie und Rhythmus" (1954) oder mit dem Rakel gefertigte Gemälde wie "Das Klavierkonzert" (1958) zeugen von intensiven Klangerlebnissen. Auch Werke, die bei Betrachtung optische Vibrationen hervorrufen, wie "Vogelkäfig" (1955) oder "Weißer Rotor" (1958) entstehen in dieser Werkphase. In zeitlicher Parallelität zu der neuen, elektronischen Musik eines Karlheinz Stockhausen oder György Ligeti schafft Mack Kunstwerke mit progressiven und kontinuierlichen Reihungen wie Dynamische Struktur "Weiß auf Gelb" (1963) oder das "reflektierende Lichtrelief" (1965).

Architektur/Bühnenbilder

Die Vielfalt seiner künstlerischen Ausdrucksformen belegen auch Macks Bühnenbilder aus den 1960er und 1970er Jahren, wie die aus fast 15 000 silbernen Halbkugeln bestehende Reflektorwand für das Ballett der Deutschen Oper am Rhein, oder seine realisierten Architekturprojekte, zum Beispiel das Betonrelief "Wassermauer" (1965) für ein Krankenhaus im Senegal. In jedem Medium erweist sich Mack als virtuoser Choreograph von Licht und Schatten.

Silberlicht

Lichtbrechende sowie spiegelnde Werkstoffe, die in der optisch-physikalischen Industrie sowie beim Flugzeug- und Raketenbau verwendet werden, entfremdet Mack ihrem ursprünglichen Zweck und montiert sie zu seriellen "Licht-Instrumenten". In der Verwendung reflektierender Materialien, zum Beispiel mit strukturierten Metallfolien, vibrierenden Spiegelrastern oder rotierenden Aluminiumgittern lotet Mack das sowohl energetische als auch modulierende Potenzial von Licht im Raum aus.

Lichtkinetik

Das 9-teilige "Mobilé Rondo" (1963/64) macht im Titel deutlich, wie sehr Macks Vorstellung, insbesondere seine kinetische Kunst, von musikalischen Klangerfahrungen geprägt ist. "Rondo" bezeichnet eine musikalische Komposition, die sich aus einem immer wiederkehrenden Motiv im Wechsel mit anderen Gestaltungen zusammensetzt.

Wüste

Nachdem Mack 1959 das Sahara-Projekt umsetzte, macht er ab 1962/63 erste Lichtexperimente in den Wüsten Afrikas. So arbeitet er an der Realisierung eines "Jardin artificiel", bestehend aus Sandreliefs, Kuben, Spiegeln, Flügelreliefs, Segeln, Fahnen und monumentalen Lichtstelen. Im Jahr 1968 wird dann unter anderem in der tunesischen Sahara, im Auftrag des Saarländischen Rundfunks und des WDR, der Film Tele-Mack gedreht. Der viel beachtete und prämierte Film dokumentiert wie Mack die Energie und die Kraft des Lichts experimentell erforscht und temporär mit dem Wüstenraum verschränkt. Der Film ist mit seinen diversen Lichteffekten und Montagetechniken selbst als kinetisches Kunstwerk zu begreifen.

Arktis

1976 bricht Mack für die Realisierung seiner ortsspezifischen Interventionen zu einer Doppelexpedition in die algerische Wüste und erstmals in die Arktis auf. Diese künstlerische Reise findet in Begleitung des Stern-Fotografen Thomas Höpker statt. In den Eislandschaften der arktischen Baffin Bay erweitert Mack das Repertoire seiner skulpturalen Objekte um schwimmende Plexiglaskörper, Licht-Blumen, Licht-Pyramiden, Eiskristalle und ein Feuer-Floß.

Lichtfarbe

Die Ausstellung schließt mit Macks "Farb-Rotation" (1968/69) aus motorbetriebenen Acrylglas-Objekten und den Farblicht-Forschungen seiner Chromatischen Konstellationen. In großformatigen Gemälden thematisiert der Künstler einerseits die spektrale, farbige Zusammensetzung des Lichts, andererseits stellt er Farben in unterschiedlichen Lichtintensitäten dar. In dieser bis heute fortgeführten Werkserie wirken Macks intensive Seherfahrungen aus Wüste und Arktis nach. Damals brachte er mit verschiedenen "Licht-Instrumenten" die Farben des gebrochenen Lichts zum Vorschein. Hier finden sie nun auf abstrakte Weise in die Bildwelt von Heinz Mack zurück.

Heinz Mack
Bis 30. Mai 2021

Museum Kunst Palast
Ehrenhof 4-5
D - 40479 Düsseldorf

W: https://www.kunstpalast.de/

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  •  10. März 2021 30. Mai 2021 /
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