Das Kunsthistorische Museum in Wien präsentiert der lange in Vergessenheit geratenen flämischen Barockkünstlerin Michaelina Wautier (1614/18–1689) eine große Ausstellung.
Wautier zählt zu den größten kunsthistorischen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte. Sie steht in der Nachfolge von Rubens und van Dyck, und ihre Gemälde zählen zu den bedeutendsten Werken des 17. Jahrhunderts. In Wien werden nun zum ersten Mal fast alle erhaltenen Werke Wautiers gezeigt.
In einer Zeit, in der sich Künstlerinnen vorwiegend mit Stillleben- oder Genremalerei beschäftigten, reüssierte Wautier selbstbewusst auch mit anspruchsvoller Historienmalerei. Von ihrem imposanten Bacchanal wollte man lange nicht glauben, dass es aus Frauenhand stammt. Ihre Werke zeugen von außergewöhnlicher Originalität, feinsinnigem Humor und bemerkenswertem Mut.
Trotzdem gibt uns Michaelina Wautier weiterhin Rätsel auf. Wir wissen nicht genau, wann und wo sie geboren wurde oder wo sie ausgebildet wurde. Wahrscheinlich unterrichtete sie ihr Bruder Charles in der Malerei. Der große Kunstsammler der Zeit, Erzherzog Leopold Wilhelm, sammelte ihre Werke, doch es gibt keinerlei zeitgenössische Kommentare zu ihrer Kunst. Dank Leopold Wilhelms Sammeltätigkeit besitzt das Kunsthistorische Museum heute den weltweit größten Bestand an Wautiers Gemälden, darunter ihr Hauptwerk Bacchanal.
In der Ausstellung wird die Kunstfertigkeit Wautiers und die künstlerische Qualität ihrer Bilder auf Augenhöhe mit Zeitgenossen wie Peter Paul Rubens oder Anthonis van Dyck vermittelt. Erstmals wird ihre Serie der Fünf Sinne in Europa gezeigt. Die Ausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien entstand in Kooperation mit der Royal Academy of Arts in London.
Michaelina Wautier, Malerin
30. September 2025 bis 22. Februar 2026