Die Farben der Erde – Moderne Textilkunst in Mexiko

Die Ausstellung im Weltmuseum Wien zeigt, wie alte Färbe- und Webtraditionen indigener Gemeinschaften in Mexiko in einem zeitgenössischen Kontext wiederbelebt und neu interpretiert werden.

Die Exponate – textile Installationen, festliche zeremonielle Huipiles und zeitgenössische Textilien in leuchtenden Farben und mit komplexen Mustern, traditionelle Webgeräte, farbenprächtige Gewebe sowie Foto- und Videoporträts – geben Einblick in die moderne Textilkunst Mexikos. Diese basiert auf jahrhundertealtem Wissen, das in enger Verbindung zur Natur und zu den sozialen Strukturen der Gemeinschaften steht.

Die Arbeiten öffnen ein Fenster in eine Welt, in der Farbe nicht nur Zierde ist, sondern auch Trägerin von Identität, Geschichte und Weltanschauung ist. Insbesondere die verwendeten Farbstoffe aus pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Quellen spiegeln dabei die ökologische Vielfalt der jeweiligen Regionen wider.

Die präsentierten Objekte sind in einem künstlerischen Gemeinschaftsprojekt entstanden, das in der Tradition sozial engagierter und partizipativer Kunst verankert ist. Die ausgestellten Werke sind dabei nicht als autonome Einzelstücke zu verstehen, sondern als materielle Ausdrucksformen einer kollektiven, relationalen und prozessorientierten Praxis.

Der Kurator, Forscher, Künstler und Vermittler Carlos Barrera Reyes initiierte im Jahr 2008 ein Projekt mit Weberinnen und Webern sowie Färberinnen und Färbern in dreißig indigenen Gemeinschaften in den mexikanischen Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas. In gemeinschaftlich organisierten Workshops wurden traditionelle Techniken wiederbelebt, neue Methoden entwickelt und der kreative Austausch zwischen Kunst, Handwerk, Ökologie und Wissenschaft gestärkt.

Die Ausstellung präsentiert die Ergebnisse dieses über siebzehn Jahre gewachsenen Dialogs. „Die Farben der Erde” ist ein Plädoyer für kulturelle Vielfalt, für die Anerkennung traditionellen Wissens und für neue Formen des Miteinanders. Während in einer globalen Ausstellungspraxis indigene Kultur oft von außen – von externen Akteur:innen – repräsentiert wird, erfolgt die Kuratierung bei „Die Farben der Erde” von innen heraus, mit und für die Gemeinschaften.

Die Schau erstreckt sich über drei Galerieräume und zeigt Werke aus der privaten Sammlung von Carlos Barrera Reyes, die teilweise erstmals außerhalb von Mexiko zu sehen sind. Ein besonderer Bezug besteht zur mesoamerikanischen Galerie der Dauerausstellung, in der historische Huipiles aus Mexiko und Guatemala gezeigt werden – viele davon wurden von der ehemaligen Direktorin des Weltmuseums Wien, Etta Becker-Donner (1911–1975), gesammelt. Eine eigens gestaltete Fotocollage verbindet die historischen Bestände des Museums mit der aktuellen Ausstellung und schafft so einen spannenden Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Die Farben der Erde. Moderne Textilkunst in Mexiko
Bis zum 6. April 2026