Die Fähigkeit zu unterscheiden - Ist das lebendig oder tut es nur so?

Sie sind weich, schnurren und reagieren auf Berührung und Ansprache. Das sind die zehn Robotermeerschweinchen des ersten elektronischen Streichelzoos im Foyer des Zentrums für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM).

Hier können sowohl Kinder als auch Erwachsene ihren Umgang mit Maschinen testen, die lebendig wirken. Denn mit Blick auf das Fortschreiten der künstlichen Intelligenz wird insbesondere eine Frage immer wichtiger: Ist das lebendig oder tut es nur so?

Interaktive Technologie ist längst fester Bestandteil unseres Alltags. Ob Sprachassistent im Smart Home, sprechende Puppe oder schlaue Sensorik: Wir sind umgeben von Gegenständen, die lebendig wirken. Large Language Models wie ChatGPT, die vorgeben, ein menschliches Gegenüber zu sein, sind hierbei nur die neueste Ausprägung anthropomorpher Maschinen. Da das 21. Jahrhundert immer stärker von KI geprägt sein wird, ist die Fähigkeit, zu unterscheiden, ob etwas lebendig ist oder nur so tut, grundlegend. „Je mehr die Maschinen soziale Kontakte ersetzen, desto problematischer werden sie für uns Menschen”, sagt Tina Lorenz, die Leiterin des ZKM | Hertzlabs, das den Elektronischen Streichelzoo initiierte. Das Projekt möchte daher dazu beitragen, Kinder und Erwachsene für diese wichtige Unterscheidung zu sensibilisieren. „Die Robotermeerschweinchen sind aus unserer Sicht sehr gut dafür geeignet, Kinder an einen kompetenten Umgang mit lebendig wirkenden Gegenständen heranzuführen. Sie können die komplexe Funktionsweise von KI für eine sehr junge Zielgruppe veranschaulichen, ohne dabei notwendigerweise selbst mit KI zu funktionieren”, erklärt Lorenz.

Das ZKM versteht sich als nützliches Museum, als „Useum“. In diesem Sinne hat sich auch der Elektronische Streichelzoo das Ziel gesetzt, nützlich zu sein und eine der wichtigsten Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts einzuüben. die sichere Unterscheidung zwischen „natürlich” und „künstlich”. Hier finden aber auch andere Zukunftsfragen Raum: Können „weiche“ Roboter herkömmliche Streichelzoos und Haustiere ersetzen? Haben sie das Potenzial, einsamen Menschen zu mehr Lebensfreude zu verhelfen? Ist ein Roboterstreichelzoo ein Schritt in die richtige oder eher in die falsche Richtung? Über diese und weitere Fragen möchten wir mit unserem Publikum ins Gespräch kommen.

Der Elektronische Streichelzoo ist ein Projekt des ZKM | Hertzlab, das künstlerische Forschung und Entwicklung an der Schnittstelle von Kunst, Politik und Technologie betreibt. Parallel zur öffentlichen Nutzung wird der Elektronische Streichelzoo außerdem von einem Forschungsprojekt des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) begleitet. Zusammen mit Prof. Dr. Kathrin Gerling, Professorin für Mensch-Maschine-Interaktion und Barrierefreiheit am Institut für Anthropomatik und Robotik (IAR) der Fakultät Informatik, wollen wir der Frage nachgehen, ob und wie Kinder im Kindergartenalter den Unterschied zwischen lebendigen Tieren und künstlich belebten Objekten erkennen und erlernen können.

Elektronischer Streichelzoo
Bis zum 2. August 2026