8. Februar 2011 - 2:17 / Ausstellung 
4. November 2010 13. Februar 2011

Berühmt wurde Ernst Jandl (1925-2000) mit seinen Laut- und Sprechgedichten. Als genialer Auftrittskünstler brachte er das Publikum zum Lachen und Nachdenken, manchmal zum Toben. Er überschritt die Grenzen zwischen Poesie, Performance, Musik und bildender Kunst und bewegte sich souverän im Feld der internationalen Avantgarde. Seine Texte verbinden Witz mit existenziellem Ernst, Lust an der Sprache mit politischem Engagement.

Jandl begeistert – fast wie ein Popstar – ein breites Publikum über Generationen und Sprachgrenzen hinweg. Er war stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen, schrieb Gedichte in Alltagssprache, experimentelle Prosa, Hörspiele, Theaterstücke, Film-Drehbücher und sogar ein Ballett. Er übersetzte Texte von Avantgarde-Künstlern wie Gertrude Stein und John Cage. Über Jahrzehnte arbeitete der leidenschaftliche Jazzfan mit Musikerinnen und Musikern zusammen, seine Literatur ist mit Musik aufs engste verbunden, Jandls Stimme "gleicht mehreren noch zu erfindenden Instrumenten" (Jürg Laederach).

Die Ernst Jandl Show inszeniert Jandls Werk in seiner Vielstimmigkeit, Internationalität und Intermedialität: mit zum Teil unbekannten Ton- und Filmaufnahmen, Fotos und Lebensdokumenten sowie vielen unveröffentlichten Texten. Jandl wird als Künstler sichtbar, der an den Schnittstellen von Text, Ton und Bild arbeitete und dessen innovative Kraft bis in die Alltagskultur hinein fortwirkt. Erstmals wird neben Jandls Greatest Hits faszinierendes Material aus dem Nachlass – der vom Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek betreut wird – öffentlich präsentiert. Dabei wird deutlich, wie sehr bei Jandl Leben und Schreiben ineinander verschränkt sind. Eine Hommage an den populärsten österreichischen Lyriker nach 1945, der vor zehn Jahren starb und heuer seinen 85. Geburtstag gefeiert hätte.

Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Wien Museums und des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Theorie der Biographie in Kooperation mit der Österreichischen Nationalbibliothek. Noch mehr Jandl bietet das hochkarätige, umfangreiche Begleitprogramm mit vielen Angeboten speziell für Kinder und Jugendliche. Viele der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler sind einstige WeggefährtInnen Jandls oder haben sich intensiv mit dem Schriftsteller und seinem Werk auseinandergesetzt, unter ihnen Wolfram Berger, Markus Binder (Attwenger), Dieter Glawischnig, Martin Haselböck, Bodo Hell, Friederike Mayröcker, Mieze Medusa, Christian Muthspiel, Lauren Newton, Wolfgang Puschnig, John Sass, Franz Schuh, Martin Schwab und Emmy Werner.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Residenz-Verlag mit zahlreichen Abbildungen und Beiträgen von Frieder von Ammon, Christa Blümlinger, Bernhard Fetz, Wolfgang Gratzer, Monika Schmitz-Emans, Franz Schuh, Hannes Schweiger und Ursula Storch sowie "fertiggestellten" Gedichten von Ann Cotten, Franz Josef Czernin, Brigitta Falkner, Bodo Hell, Friederike Mayröcker, Arne Rautenberg, Ferdinand Schmatz und Yoko Tawada. Zur Ausstellung wird außerdem eine Begleit-DVD mit zahlreichen auch audiovisuellen Dokumenten aus dem Nachlass publiziert, ein virtueller Gang durch Ernst Jandls Lebens-Werk.

Die Ernst Jandl Show
4. November 2010 bis 13. Februar 2011
Eröffnung: Mi 3. November 10, 18.30 Uhr

Wien Museum
Felderstraße 6-8
A - 1010 Wien

W: http://www.wienmuseum.at/

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Ernst Jandl bei einem Auftritt in Saalfelden, 1994. Foto & Copyright: Matthias Creutziger
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No Idea; Zeichnung aus dem Nachlass Ernst Jandls. Copyright: Literaturarchiv der ÖNB
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Ernst Jandls Gedicht 'lichtung' am Titelblatt des Magazins der Süddeutschen Zeitung 14.10.1994. Foto: Literaturarchiv der ÖNB
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Friederike Mayröcker und Ernst Jandl, 1969. Otto Breicha; Copyright: IMAGNO/Austrian Archives