4. Juli 2020 - 4:52 / Ausstellung / Fotografie 
20. Juli 2020 13. September 2020

Das Museum der Moderne Salzburg präsentiert erneut einen Teil seiner weltweit einzigartigen Bestände an japanischer Fotografie aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Im Mittelpunkt steht diesmal das Verhältnis von Stadt, Land und Gesellschaft.

Zu den größten künstlerischen Entwicklungen der neueren Zeit in Japan gehört die atemberaubende Fotografie der 1960erund 1970er-Jahre. Die von den Fotografen entwickelte neue visuelle Sprache steht für einen radikalen Bruch mit der traditionellen Bildauffassung.

Das Museum der Moderne Salzburg besitzt dank des persönlichen Engagements von Otto Breicha, dem Gründungsdirektor des Museums, ein Konvolut von rund 600 Vintage-Abzügen jener Zeit – das ist ein in Österreich einmaliger Bestand. Über 40 Jahre nach der Entstehung der Fotografien wurde ein erster Teil der Sammlung unter dem Titel "I-Photo" präsentiert, ein Begriff, der sich an das literarische Genre der Ich-Erzählung anlehnt. Die zweite Ausstellung japanischer Fotografie mit dem Titel "Die City – Das Land" rückt nun das Verhältnis von Stadt, Land und Gesellschaft ins Zentrum.

"Durch den visionären Sammeleifer von Otto Breicha befindet sich dieser außergewöhnliche Bestand heute in Salzburg. Es freut mich sehr, dass wir die 2018 begonnene Reihe zur japanischen Fotografie fortsetzen und somit auch unsere Kompetenz als Zentrum für künstlerische Fotografie in Österreich erneut unter Beweis stellen können", so Thorsten Sadowsky, Direktor des Museum der Moderne Salzburg. Für Christiane Kuhlmann, Kuratorin Fotografie und Medienkunst, sind die präsentierten Aufnahmen "einzigartige Zeitdokumente. Japan hatte durch seine geografische Lage bis 1945 eine in sich abgeschlossene Kultur-, Kunst- und Fototradition. Die Öffnung nach außen – mit den Olympischen Sommerspielen 1964, der Weltausstellung 1970 in Osaka und dem Bau des internationalen Flughafens in Tokio – ermöglichte einerseits einen bis dato nie gekannten wirtschaftlichen Aufschwung und erschütterte im Gegenzug das tradierte Selbstverständnis der ganzen Nation. Die Fotografien spiegeln weniger den Glanz dieser Blütezeit, sondern den Prozess der Veränderung und ihre Schattenseiten."

Die Ausstellung Die City – Das Land verdeutlicht, wie die japanische Topografie von Stadt und Land wahrgenommen wurde. Der Stil der Bilder wird als "are, bure, boke" beschrieben, was sich als "rau, unscharf, unfokussiert" übersetzen lässt. Damit schuf die neue japanische Fotografie – in gleicher Weise, wie dies die Kunst der Nachkriegszeit getan hatte – ein Bewusstsein für die sich verändernde politische und soziale Realität. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die bedeutenden Serien Toshi-e / Towards the City (1974) von Yutaka Takanashi und To the Village (1973– 76) von Kazuo Kitai. Daneben werden die surrealen Bilder von Ikkō Narahara und Werke von Kikuji Kawada und Chōtoku Tanaka, der in den 1970er-Jahren in Wien lebte und auch am Salzburg College unterrichtete, erstmalig in Salzburg ausgestellt. Insgesamt werden ca. 200 Werke von zwölf Fotografen zu sehen sein, die zusammen mit einem Rückblick auf die Highlights von I-Photo ein Gesamtbild dieses einzigartigen Sammlungsbereichs ergeben. Unter den in der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg vertretenen Fotografen befinden sich so berühmte Namen wie Nobuyoshi Araki, von dem mehr als 120 Arbeiten vorhanden sind, Daidō Moriyama, Masahisa Fukase und der kürzlich verstorbene Issei Suda.

Im Anschluss an die Ausstellung in Salzburg wird eine Auswahl von 50 Bildern aus dem Bestand des Museums von September bis Ende November 2020 im renommierten Japanischen Kulturinstitut in Köln zu sehen sein.

Mit Werken von Nobuyoshi Araki (1940 Tokio, JP), Takashi Hanabusa (1949 Kobe, JP – Tokio, JP), Tetsuya Ichimura (1930 Nagasaki, JP – Tokio, JP), Yoji Jikihara (1950 Shizuoka, JP – Yokohama, JP), Kikuji Kawada (1933 Tsuchiura, JP – Tokio, JP), Kazuo Kitai (1944 Anshan, Mandschurei, CN – Tokio, JP), Jun Morinaga (1937 Nagasaki, JP – 2018 Tokio, JP), Daidō Moriyama (1938 Osaka, JP – Tokio, JP), Ikkō Narahara (1931 Fukuoka, JP – 2020 Tokio, JP), Shinzō Shimao (1948 Kobe, JP – 2020 Tokio, JP), Issei Suda (1940–2019 Tokio, JP), Chōtoku Tanaka (1947 Tokio, JP), Hajime (Gen) Tokura (1950 Okayama, JP), Matsutoshi Takagi (1948 Tokio, JP), Yutaka Takanashi (1935 Tokio, JP), Shuji Yamada (1939 Nishinomiya, JP – Minami-Awaji, JP)

Die City – Das Land
Japanische Fotografie der 1960er- und 1970er-Jahre aus der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg
Rupertinum Atrium
20. Juni bis 13. September 2020
Kuratorinnen: Christiane Kuhlmann mit Andrea Lehner-Hagwood

Museum der Moderne Mönchsberg
Mönchsberg 32
A - 5020 Salzburg

T: 0043 (0)662 842220-403
F: 0043 (0)662 842220-700
E: info@museumdermoderne.at
W: http://www.museumdermoderne.at/

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Takashi Hanabusa, "Ohne Titel", um 1975, Silbergelatineabzug auf Barytpapier, Museum der Moderne Salzburg © Takashi Hanabusa
Takashi Hanabusa, "Ohne Titel", um 1975, Silbergelatineabzug auf Barytpapier, Museum der Moderne Salzburg © Takashi Hanabusa
Chotoku Tanaka, "Ohne Titel", 1973–77, Aus der Serie Wien, Japan Silbergelatineabzug auf Barytpapier, Museum der Moderne Salzburg © Chotoku Tanaka
Chotoku Tanaka, "Ohne Titel", 1973–77, Aus der Serie Wien, Japan Silbergelatineabzug auf Barytpapier, Museum der Moderne Salzburg © Chotoku Tanaka
Yutaka Takanashi, "Ohne Titel", 1974, Aus der Serie Toshi-e (Towards the City), Silbergelatineabzug auf Barytpapier, Museum der Moderne Salzburg © Yutaka Takanashi
Yutaka Takanashi, "Ohne Titel", 1974, Aus der Serie Toshi-e (Towards the City), Silbergelatineabzug auf Barytpapier, Museum der Moderne Salzburg © Yutaka Takanashi
Hajime (Gen) Tokura, "Straßenecke in Kobe", um 1970, Silbergelatineabzug auf Barytpapier, Museum der Moderne Salzburg © Gen Tokura
Hajime (Gen) Tokura, "Straßenecke in Kobe", um 1970, Silbergelatineabzug auf Barytpapier, Museum der Moderne Salzburg © Gen Tokura