6. August 2009 - 5:02 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Eiskalt führt Jeanne Moreau in Francois Truffauts Thriller aus dem Jahre 1968 ihren Racheplan durch. – Nicht nur eine elegante Hommage an die Filme Hitchcocks, sondern auch ein Vorbild für Quentin Tarantinos "Kill Bill".

Auf Erklärungen verzichtet Francois Truffaut in seiner Verfilmung von Cornell Woolrichs gleichnamigem Kriminalroman lange. Fast 40 Minuten lässt der Mitbegründer der Nouvelle Vague den Zuschauer im Unklaren über das Motiv der von Jeanne Moreau gespielten Julie. Zuerst will sie sich aus dem Fenster stürzen, dann packt sie die Koffer und verlässt ihre Mutter, mit der sie in einer Kleinstadt am Meer lebt. Sie sucht einen jungen Lebemann auf, den sie am Tag seiner Verlobung aus dem Fenster eines Hochhauses stößt, dann beseitigt sie einen Biedermann mit Gift.

Erst bei diesem Mord gibt eine kurze Rückblende Aufschluss über das Motiv Julies und beim folgenden Mord wird der bedauerliche Vorfall nochmals aus der Perspektive der Täter gezeigt.

Emotionen zeigt Julie keine, diese sind wohl wirklich mit dem Tod ihres Bräutigams gestorben. Wie Truffaut in diesem Mord bei der Hochzeit unübersehbar Sam Fullers "Forty Guns" seine Reverenz erweist, so zitiert er in einer Szene, in der sich ein Mann daran zu erinnern versucht, woher er Julie kennt, Ernst Lubitschs „Trouble in Paradise“. Insgesamt ist „Die Braut trug schwarz“ aber eine große Hommage an die Filme Alfred Hitchcocks. Die Atmosphäre der Werke des "Master of Suspense" evoziert der Franzose schon durch die Musik, für die Hitchcocks Stammkomponist Bernard Hermann verantwortlich zeichnet.

Mit äußerster Konsequenz geht Julie beim Vollzug ihrer Rache vor. Keines ihrer fünf Opfer gleicht dem anderen zu Biedermann und Lebemann kommen noch ein schleimiger Politiker, ein kleiner Ganove und ein seine Modelle verführender Maler. Sympathisch zeichnet Truffaut keine dieser Figuren, Mitleid hat man mit ihnen nicht. Variantenreich ist nicht nur die Figurenzeichnung, sondern sind auch die Mordarten, wobei einmal nur der Tote, nicht aber die Tat gezeigt wird und man einmal nur über die Tonspur über die Tat informiert wird.

Gilt den Opfern Truffauts Abscheu, so bleibt er neutral gegenüber dem Vorgehen Julies, weder rechtfertigt er es noch verurteilt er es. Kein anderes Thema als diesen Rachefeldzug kennt „Die Braut trug schwarz“ und erzählt dabei freilich auch von einer grenzenlosen Liebe, deren Glück durch die Schuld von fünf Alkoholisierten zerstört wurde.

Blut spritzen wie bei Tarantinos "Kill Bill" muss hier nicht. Der perfekte Aufbau eines Drehbuchs, das sich freilich um Glaubwürdigkeit einen feuchten Dreck kümmert, die erstklassige Besetzung und die Unterschiedlichkeit der fünf Episoden sorgen für Unterhaltung mit Niveau. Trotz seines Alters von 41 Jahren hat dieser Thriller deshalb kein Körnchen Staub angesetzt und besitzt zeitlose Klasse.

Beim Bonus-Material ist vor allem der Audiokommentar des Filmhistorikers und Truffaut-Experten Robert Fischer zu erwähnen, der es ermöglicht den Film nochmals mit durchgehenden Erläuterungen zu Motiven und stilistischen Besonderheiten anzusehen oder vielmehr anzuhören. Geschult werden kann so das eigene Sehen.



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Die Braut trug schwarz