Eine neue Online-Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek rückt jene Frauen ins Zentrum, die bereits um 1900 in einer von Männern dominierten Medienlandschaft Redaktionen leiteten und dabei eigene journalistische Wege gingen.
Sie prägten Debatten, setzten Themen und führten Redaktionen – dennoch sind ihre Namen heute kaum bekannt. Anhand von Zeitungsausschnitten, Titelblättern, Dokumenten und Fotografien wird gezeigt, wie Frauen bereits vor über hundert Jahren neue Perspektiven in der Medienwelt eröffneten – und wie aktuell viele der Herausforderungen bis heute geblieben sind. In Videointerviews berichten fünf heute aktive Journalistinnen, wie es ist, gegenwärtig an der Spitze österreichischer Tageszeitungen und Zeitschriften zu stehen.
Im Mittelpunkt der Webausstellung stehen vier historische „Blattmacherinnen“, die mit ihren Zeitschriften gesellschaftliche Entwicklungen maßgeblich beeinflussten:
Marie Lang (1858–1934) gründete 1899 gemeinsam mit Rosa Mayreder und Auguste Fickert die Zeitschrift „Dokumente der Frauen“ als Sprachrohr bürgerlicher Frauen. Nach dem Ausstieg ihrer Mitbegründerinnen führte Lang die Zeitschrift auf eigene Faust weiter. Obwohl es nur wenige Jahre existierte, hinterließ es deutliche Spuren in der Frauenbewegung und wurde für viele Leser:innen zu einem wichtigen Bezugspunkt im Ringen um Gleichberechtigung.
Adelheid Popp (1869–1939), geborene Dwořak, war die erste Chefredakteurin der 1892 gegründeten „Arbeiterinnen-Zeitung“. Als zentrale Figur der sozialdemokratischen Frauenbewegung und eine der ersten weiblichen Abgeordneten im österreichischen Parlament profilierte sie sich zugleich als kämpferische Journalistin mit klarer Haltung.
Hanny Brentano (1872–1940) leitete ab 1911 die neu gegründete katholische Monatsschrift „Österreichische Frauenwelt“. Zwar propagierte sie darin das Rollenbild der Mutter und Hausfrau, doch sie selbst entsprach diesem Ideal nur bedingt. Nachdem sie sich 1918 ins Kloster zurückgezogen hatte, blieb sie dem Schreiben dennoch treu – auch journalistisch.
Fanny Burckhard (1861–1926) stand ab 1898 an der Spitze der „Wiener Mode“, einem international erfolgreichen Modemagazin. Unter dem Pseudonym Renée Francis setzte sie sich für lockerere Reformkleidung ein, verteidigte Frauen auf Fahrrädern und brachte so frischen Wind in die Gesellschaft des Fin de Siècle.
Ein zusätzliches Kapitel schlägt die Brücke in die Gegenwart: Unter dem Titel „Blattmacherinnen im Interview“ berichten Barbara Haas, leitende Redakteurin von „Frauen & Familie“ Kleine Zeitung, APA-Chefredakteurin Maria Scholl, Kurier-Herausgeberin Martina Salomon, Anna Thalhammer, Chefredakteurin des „Profil“, und Brigitte Theißl, leitende Redakteurin der „an.schläge“, über ihre Erfahrungen und konkreten Herausforderungen als Frauen in führenden Funktionen österreichischer Medien.
Kuratiert wurde die Ausstellung von Ariadne, der frauen- und genderspezifischen Informations- und Dokumentationsstelle der Österreichischen Nationalbibliothek.
Zur Online-Ausstellung
Die Blattmacherinnen
Bis 23. März 2026