Kabaretts, Clubs und Cafés waren wichtige Dreh- und Angelpunkte der Moderne. Sie boten Künstlerinnen und Künstlern im 20. Jahrhundert eine Plattform des kreativen Ideenaustauschs. Aus Perspektive dieser alternativen Szenen erzählt die Ausstellung vom kulturellen Geschehen der 1880er- bis 1960er-Jahre.

In Wien war das 1907 von ProtagonistInnen der Wiener Werkstätte gegründete und ausgestattete Kabarett Fledermaus, das den Übergang vom Secessionismus zum Expressionismus markierte. Im Berlin der Zwischenkriegszeit befeuerte die vibrierende Energie der Nachtclubs Künstlerinnen und Künstler des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit wie Otto Dix, Jeanne Mammen oder Elfriede Lohse-Wächtler. Im Zürcher Cabaret Voltaire wurde Dada gegründet. Und in Paris nahm das Chat Noir in den 1880ern mit seinem Schattentheater die Kinokultur vorweg. Der pulsierende Kosmos von Clubszenen inspirierte Künstlerinnen und Künstler weltweit und war Schnittstelle zwischen Malerei und Grafik, Architektur, Design, Literatur, Tanz und Musik.

"Into the Night" verfolgt weltweit den Einfluss dieser Orte auf das Kunstschaffen in all seiner Vielfalt. Dabei werden auch Kunstformen wie Performance, Theater oder Literatur miteinbezogen. Das minimalistische Design des Café L'Aubette in Straßburg stammte zum Teil von Theo van Doesburg, dem Mitbegründer von De Stijl. Große Bedeutung für den Futurismus hatten der von Giacomo Balla designte Nachtclub Bal Tic Tac oder das von Fortunato Depero entworfene Cabaret del Diavolo in Rom.

Die Ausstellung durchbricht bewusst die Grenzen eines eurozentristischen Blickwinkels. Sie thematisiert etwa auch die Harlem-Renaissance in New Yorker Jazzclubs der 1920er- und 1930er-Jahre, deren ProtagonistInnen sich im Kampf gegen Rassismus engagierten. Oder den Mbari Artists and Writers Club, der 1961 in Ibadan, Nigeria, gegründet wurde. In den Räumen des Unteren Belvedere und der Orangerie wird es Theater Konzerte, Lesungen und Tanperformances geben. Die Schau wurde in Kooperation mit dem Barbican, London, realisiert und ist dort vom 1. Oktober 2019 bis zum 19. Jänner 2020 zu sehen.

Mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern wie Hans Arp, Georgina Beier, E. Simms Campbell, Otto Dix, theo van Doesburg, Hannah Höch, Josef Hoffmann, Elfriede Lohse-Wächtler, Oskar Kokoschka, Jeanne Mammen, Koloman Moser, Henri Rivière, Sophie Taeuber-Arp, Henri de Toulouse-Lautrec, Prince Twins Seven Seven oder Susanne Wenger.

Into the night
Die Avantgarde im Nachtcafé
14. Februar bis 1. Juni 2020
Kuratorin: Florence Ostende (Barbican, London)

Unteres Belvedere, Orangerie
Rennweg 6a
A - 1030 Wien

T: 0043 (01) 79 557 0
E: info@belvedere.at
W: http://www.belvedere.at/

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Karl Hofer, Tiller Girls, before 1927, Kunsthalle Emden – Stiftung Henri und Eske Nannen © Elke Walford, Fotowerkstatt Hamburg
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Rudolf Schlichter, Damenkneipe (Women's Club), c. 1925, Private collection © Viola Roehr v. Alvensleben, Munich. Photo: akg-images
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Colette Omogbai, Agony, c. 1963, IwalewahausDEVA, University of Bayreuth, © Colette Omogbai
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Eduard Josef Wimmer-Wisgrill Design for Maskenspiele (Masquerades) (two characters), 1907 MAK – Austrian Museum of Applied Arts, Vienna. © MAK
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