Die Alte Säge Zug als neuer Hotspot für Kunst

Die direkt am Lech gelegene, über hundert Jahre alte Säge Zug war während der Sommermonate erstmals Austragungsort eines Artist-in-Residenz-Programmes, das vom Rote Wand Gourmet Hotel initiiert wurde. Insgesamt zehn Künstlerinnen und Künstler arbeiteten im Juli und August zu unterschiedlichen Zeiten vor Ort und schufen anhand des von der Alten Säge bereit gestellten Holzes, rotem Kalkgestein aus dem Lech oder Fundstücken in und um die Säge zahlreiche Skulpturen, Zeichnungen, Holzschnitte und Installationen. Im Rahmen einer Vernissage, die gleichzeitig auch Finissage ist, wird am 4. September von 14.00 bis 17.00 Uhr ein Großteil der Werke in der Alten Säge präsentiert und zur Schau gestellt.

Initiiert wurde das Artist-in-Residenz-Projekt von Joschi Walch, dem Chef des Michelin-gekrönten Rote Wand Gourmet Hotels, der das altehrwürdige Sägen-Objekt gepachtet und nach einer neuen Nutzungsmöglichkeit gesucht hat. 
Über die Ursprünge der Zuger Säge ist nur wenig bekannt. Von der Ausstattung her wird geschätzt, dass sie um 1850 entstanden sein müsste. Seit 1914 befindet sie sich im Besitz von Alp- und Waldbesitzern mit Bezug zu Zug. Nachdem die Säge im Laufe der Zeit verfiel, wurde sie auf eine private Initiative von Martin Jochum hin saniert und wieder in Stand gesetzt. Über 3‘000 Arbeitsstunden seien aufgewendet worden, um dieses baukulturelle Erbe zu erhalten, ist einer Infotafel bei der Säge zu entnehmen. Die Säge lief wieder und Jochum erledigte zahlreiche Aufträge damit. 

Nachdem er sich davon zurückgezogen hatte, pachtete nun Joschi Walch dieses Objekt und verwandelte es auf der Suche nach einer neuen Nutzung in einen Ort der Kunst. Wobei ihm seitens der Gemeinde und vieler Privatiers Unterstützung zugesagt wurde. Über Vermittlung von Campusväre-Leiterin Bettina Steindl kam er mit dem Architekten und Künstler Wolfgang Schwarzmann in Kontakt und übertrug ihm die Kuratorenschaft für die erste Durchführung des Residency-Programmes. Mit Roland Adlassnig, dem Künstlerduo Bildstein / Glatz, Sandra Holzer, Victor Mangeng, Remo Meier, May-Britt Nyberg, Janine Rogen, Ronja Svaneborg und Albrecht Zauner lud Schwarzmann lokale sowie aus dem angrenzenden Ausland stammende Positionen zur Teilnahme ein.

Zuletzt waren Adlassnigg, Mangeng und Nyberg in und um die Säge tätig. Adlassnigg etwa verband für seine Skulpturen von der Roten Wand stammendes Kalkgestein sowie einen Baumstamm mit Stahlrädern und knüpfte damit an seine 2014 begonnene Serie von „Gipfeltreffen“ an. Die schrägen Dinger führen Mobilität ad absurdum. Das Rad, das Symbol für Bewegung schlechthin, ist hoffnungslos an das archaische Material von Stein oder an das Holz einer mächtigen Tanne gebunden. Mangeng wiederum schälte mit Motorsäge, Stechbeitel und Meißel aus einem mächtigen Baumstamm eine zweieinhalb Meter hohe organisch-geschwungene Form mit saugnapf-ähnlichen Auskragungen und bemalte sie schwarz zu einer „Black Undocking Station“. May-Britt Nyberg widmete sich ganz dem Holzschnitt und schuf rund fünfzehn Motive, die sich mit kulinarischen Fragen auseinandersetzen. Abdrucke hochalpiner Pflanzen aus der Umgebung der Säge runden ihren Beitrag ab. 

Die vom Aufwand her beeindruckendste Arbeit stammt vom ostschweizerisch-vorarlbergischen Künstlerduo Matthias Bildstein und Philippe Glatz. Ihr mächtiger, an die zwanzig Meter langer Tisch im Freigelände erinnert unter anderem an die mächtigen Gelagetafeln in den Gärten italienischer Renaissance-Villen. 
Dieses und die meisten anderen im Zuger Tal entstandenen Kunstwerke können heute vor Ort bewundert werden. 

Internationalisierung

Laut Joschi Walch soll das Artist-in-Residenz-Projekt nicht nur fortgesetzt, sondern internationalisiert werden. Dazu weilte gerade erst kürzlich der deutsche Kurator und Kunstmanager Nicolas Schafhausen, der von 2012 bis 2019 als Direktor die Kunsthalle Wien amtete und davor den Frankfurter Kunstverein geleitet hat, als Berater im Rote Wand Gourmet Hotel. Er soll künftig internationale Kunstkoryphäen nach Zug vermitteln. Walch will dazu die Residency-Location ausweiten und auch die Zuger Alpe mit zwei Alpställen als Austragungsorte mit einbeziehen. 

Walch will zudem in zwei Monaten nach Fogo Island, einer zu Neufundland gehörenden Insel im Atlantik, reisen, um sich dort etwaige Anlehnungen für Zug zu holen. Denn Fogo Island strahlt mit dem Projekt „Fogo Islands Art“, das regelmäßig Programme wie etwa offene Ateliers, Residenzien, Künstlergespräche, Filmvorführungen, pädagogische Workshops und Sonderprojekte anbietet, weit in die Welt hinaus. Ähnliches stellt sich Walch auch für Zug vor. Kunst, Philosophie, Dialoge, Künstlerstammtische, Kulinarik und auch Tanz und Musik sollen zu einem komplexen Kulturkonglomerat auf alpiner Höhe miteinander verschmelzen und so zu einem überregionalen Anziehungspunkt mutieren.