Designschaffende und ihre Gedankenmodelle für eine gemeinsame Zukunft

Wie wollen wir in Zukunft leben, produzieren und miteinander umgehen? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der Arbeit des Gewerbemuseums Winterthur. Es bietet Studierenden und jungen Designschaffenden eine Plattform, um ihre Ideen für die Gestaltung unserer Zukunft zu präsentieren. Denn die Herausforderungen von Klimawandel, Ressourcenknappheit und gesellschaftlichem Wandel verlangen nach neuen Perspektiven und Menschen, die Verantwortung übernehmen. Die Ausstellung zeigt, wie angehende Designer diese Verantwortung verstehen und welche Impulse sie für eine nachhaltige Zukunft entwickeln.

Das Gewerbemuseum Winterthur wirft einen Blick in die Zukunft und präsentiert Semesterarbeiten von Studierenden der Studienrichtung Industriedesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Deutschland). Im Zentrum steht die Frage, welchen Stellenwert Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Gestalten für den Designnachwuchs haben. Wie können wir in Zukunft nachhaltiger produzieren und konsumieren? Was kann und muss Design leisten? Welche Visionen entwerfen die Studierenden und was können wir aus ihren Ideen für die Gestaltung unserer Zukunft lernen?

Die Herausforderungen unserer Zeit sind zu komplex, um sie isoliert zu lösen. Deshalb sind neue Formen der Zusammenarbeit sowie umfassendere, fächerübergreifende Konzepte gefragt, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Design steht heute mehr denn je vor der Aufgabe – und Chance –, sich neu zu verorten: nicht mehr nur für klassische Problemlösungen, sondern auch als vermittelnde Rolle inmitten komplexer Beziehungen. So können Designer:innen wissenschaftliche Erkenntnisse, lokale Erfahrungen, technologische Entwicklungen, ökologische Bedingungen sowie Perspektiven menschlicher und nicht-menschlicher Akteur:innen verknüpfen.

Das Gewerbemuseum Winterthur und die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle sind als Mitglieder des Vereins „Material-Archiv” eng miteinander verbunden. Für die Einladung zu dieser Ausstellung war zudem die ausgeprägte Praxisorientierung der Hochschule entscheidend. Die Studierenden werden früh dazu motiviert, Partnerinstitutionen für ihre Feldforschungen zu finden und Kollaborationen für innovative Entwürfe und Projekte einzugehen.

Die Möglichkeiten, mit Materialien und Technologien Produkte und Anwendungen zu formen, sind bereits heute immens vielfältig. Täglich kommen neue hinzu. Die Frage ist: Wohin wollen wir diese Potenziale lenken? Insbesondere in einer Zeit, die von Unsicherheit geprägt ist? Viele Zukunftsthemen, allen voran die Nachhaltigkeit, sind aktueller und drängender denn je. Es geht längst nicht mehr nur um umweltverträgliche Materialien und Technologien. Für eine nachhaltige Zukunft braucht es ein grundsätzliches Umdenken und einen interdisziplinären Dialog.

In zwei Projekten widmeten sich Studierende der Fachrichtung Industriedesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle diesen Fragen. Im Modul „Sorry, we are open!” hinterfragten sie Konsumgewohnheiten und entwarfen zirkuläre Service- und Nutzungskonzepte mit entsprechenden Produkten. Daneben untersuchten sie im Modul „Microbial Factories”, wie mikrobielle Prozesse, mechanische Formgebung und lokale Ressourcen miteinander verwoben werden können. Alle Ergebnisse zeigen: Zukunft entsteht nicht im Alleingang, sondern im gemeinsamen Entwerfen von Verbindungen, die zuvor nicht denkbar waren.

Nachhaltiger Konsum wird für viele Menschen immer wichtiger und sie sind zunehmend bereit, ihre Gewohnheiten zu ändern. Das betrifft neben den Bereichen Wohnen, Arbeiten und Mobilität vor allem auch kurzlebige Konsumgüter. Sie möchten Produkte aus recycelten Materialien oder regionale Erzeugnisse kaufen, Dinge länger nutzen und reparieren lassen – und geben dafür sogar mehr Geld aus. Außerdem möchten sie Produkte leihen statt besitzen und ihre eigenen Besitztümer oder ihr Know-how teilen. Gleichzeitig wächst das Interesse, zu erfahren, woher Produkte kommen und welche Auswirkungen der Konsum hat. Mit Ideen wie Teilen, Leihen, Updaten, Reparieren, Kompostieren, Verkaufen, Zirkulieren, Austauschen oder Anpassen machen die Studierenden im Projekt „Sorry, we are open!” alternative Geschäftsmodelle vorstellbar und zeigen mögliche Wege des Konsums auf. Ressourcen sollen geschont, Materialien im Kreislauf gehalten und nachhaltiges Handeln im Alltag erlebbar gemacht werden.

Was wäre, wenn wir mithilfe von Mikroorganismen nicht nur Lebensmittel wie Brot, Sauerkraut oder Käse, sondern auch Alltagsprodukte als Alternative zu Kunststoff herstellen könnten? Erste Grundstoffe für Konsumgüter werden bereits mikrobiell produziert – oftmals in großen Bioraffinerien, die wenig flexibel sind und bestehende Abhängigkeiten fortschreiben. Doch wie lassen sich solche Prozesse kleiner, flexibler und vor Ort umsetzen? Wie können Produkte dabei direkt in ihre Form wachsen? Und wie können verschiedene Akteur:innen zusammenarbeiten, um nachhaltige Produktionsweisen zu entwickeln? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Studierenden im Projekt „Microbial Factories”.

Sie kombinierten biologische Wachstumsprozesse mit mechanischer Formgebung und experimentierten mit ausgewählten Mikroorganismen sowie selbst entwickelten Produktionsapparaten. Entstanden sind erste Prototypen und Materialstudien, die zeigen, wie biobasierte Produktion dezentral, regenerativ und gemeinsam mit Mikroben gestaltet werden kann.

Next Relations – Zukunft gestalten
11. September 2026 – 29. März 2027