2. Oktober 2021 - 10:21 / Ausstellung / Geschichte 
25. September 2021 30. Januar 2022

In der Ausstellung "Grand Tour XXL. Der Reisekünstler Emelˈjan Korneev" präsentiert das Münchner Stadtmuseum ein seltenes Konvolut von Zeichnungen des russischen Künstlers.

Obwohl viele seiner Arbeiten als zerstört oder verschollen gelten, verfügt die Sammlung Grafik und Gemälde seit 1926 über fünfzig von Korneevs (1780 – nach 1839) großformatigen Aquarellen, Feder- und Bleistiftzeichnungen, welche seine künstlerische Qualität bezeugen. Das Deutsche Archäologische Institut in Berlin steuert zudem etliche Leihgaben zur Ausstellung bei.

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein galt eine große Reise nach Italien für Künstler als unverzichtbare Bildungsreise. Emelˈjan M. Korneev ging jedoch noch viel weiter: als Teil einer offiziellen, vom Zaren beauftragten Expedition bereiste er 1802/03 das gesamte russische Imperium und gelangte dabei bis nach Sibirien und an die südöstlichen Grenzen zu China. Von der Krim aus ging es weiter nach Konstantinopel und über Kleinasien in das damals osmanisch besetzte Griechenland. Noch unterwegs löste er ein Reisestipendium ein, das er für seinen mit einer Goldmedaille ausgezeichneten Abschluss an der Akademie in St. Petersburg erhalten hatte. So konnte er im Jahr 1805 auch Italien bereisen, wo Aufenthalte in der Gegend von Neapel, auf Ischia, den Phlegräischen Feldern, Paestum und Tivoli, belegt sind.

Seine Landschaften sind künstlerisch von Werken des in Russland sehr populären deutschen Malers Jakob Philipp Hackert beeinflusst. Wie viele andere französische oder deutsche Künstler der Goethezeit dokumentierte Korneev nicht nur verschiedenste Landschaften und Architekturen, sondern hielt auch immer wieder traditionelle Kostüme und folkloristische Szenen fest. Nachdem Korneev auch so schon zweifelsohne weiter gereist war als die meisten seiner Zeitgenossen, übertraf seine Teilnahme an einer Weltumsegelung zwischen 1819 und 1821 endgültig jede Norm. Bedauerlicherweise müssen die Arbeiten von dieser Reise als verschollen gelten. Darüber hinaus ist ein weiterer großer Teil seiner Werke 1824 in einer Sturmflut in St. Petersburg verloren gegangen, als sein Atelier zerstört wurde.

Trotz dieser Verluste ist der Künstler in Russland vielen nach wie vor ein Begriff, was insbesondere auf die Publikation seiner Werke der Russland-Expedition zurückzuführen ist. Diese wurden 1812/13 durch den bayerischen Grafen Carl von Rechberg in Paris in den Prachtbänden "Les Peuples de la Russie" veröffentlicht. Doch nicht einmal in Russland ist bislang bekannt, dass sich zwei große Konvolute mit Aquarellen und Zeichnungen von seinen Reisen durch Griechenland, Kleinasien und Italien erhalten haben: das sogenannte Griechenland-Album im Deutschen Archäologischen Institut in Berlin, Werke des italienischen Reiseabschnitts im Münchner Stadtmuseum.

Grand Tour XXL
Der Reisekünstler Emelˈjan Korneev
Bis 30. Januar 2022
Kurator: Dr. Nico Kirchberger; kuratorische Assistenz: Susanne Glasl

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
D - 80331 München

W: http://www.muenchner-stadtmuseum.de/

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  •  25. September 2021 30. Januar 2022 /
Emel’jan Korneev, Nenze in Festtagstracht, 1802, Aquarell, Tusche, Münchner Stadtmuseum, Von Parish Kostümbibliothek © Münchner Stadtmuseum
Emel’jan Korneev, Nenze in Festtagstracht, 1802, Aquarell, Tusche, Münchner Stadtmuseum, Von Parish Kostümbibliothek © Münchner Stadtmuseum
Emel’jan Korneev, Ausbruch des Vesuvs am 12. August 1805, 1805, Feder, Pinsel, Sepiatusche © Münchner Stadtmuseum
Emel’jan Korneev, Ausbruch des Vesuvs am 12. August 1805, 1805, Feder, Pinsel, Sepiatusche © Münchner Stadtmuseum
Emel’jan Korneev, Die Grotte von Antiparos (La Grotte d’Antiparos; prise ce 13 Juillet 1804.), 1804, lavierte Federzeichnung über Bleistift © Deutsches Archäologisches Institut, Berlin Foto: Dietmar Katz
Emel’jan Korneev, Die Grotte von Antiparos (La Grotte d’Antiparos; prise ce 13 Juillet 1804.), 1804, lavierte Federzeichnung über Bleistift © Deutsches Archäologisches Institut, Berlin Foto: Dietmar Katz