6. Juni 2010 - 2:42 / Bühne / Musiktheater 

Umjubelt, verboten, vergessen – das sind die Stationen der Oper "Der ferne Klang" von Franz Schreker, die mittlerweile als ein Schlüsselwerk der Wiener Moderne wieder entdeckt wurde. Auf der Suche nach neuen Wegen der musikdramatischen Gestaltung entstand nach einigen Anläufen und Schaffenskrisen ein Werk, das der Musikschriftsteller Paul Bekker seinerzeit als erste wirkliche Alternative zu Richard Wagner bezeichnete.

Schreker gelang es, von den Erkenntnissen der Psychoanalyse inspiriert, erstmals mit musikalischen Mitteln seelische Tiefenschichten auszuloten, und er beschritt damit einen eigenständigen Weg neben der zweiten Wiener Schule, deren Mitglieder ihn hoch schätzten. Kein Geringerer als Alban Berg fertigte den Klavierauszug zum "Fernen Klang" an, was durchaus Spuren in dessen "Wozzeck" hinterliess.

Auch wenn mittlerweile die hohe und eigenständige Qualität von Schrekers Opern unbestritten ist, die mit geradezu narkotischer Sogwirkung den Zuhörer in Bann schlagen, sind seine Werke nur selten auf den Spielplänen anzutreffen. In ihrer Komplexität stellen sie jeweils eine grosse Herausforderung für die Interpreten dar. Schreker schildert das Schicksal des jungen Komponisten Fritz, der einem imaginären Klang hinterher jagt und darüber nicht nur das Leben und die Liebe ver- säumt, sondern auch die von ihm geliebte Grete ins Elend stürzt.

Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Ingo Metzmacher, dessen Begeisterung für Schrekers Oper, deren Dirigat er 1988 in Brüssel kurzfristig übernahm, seither in keinster Weise nachgelassen hat. Nach seiner eindrücklichen Interpretation von den zeitgleich mit dem "Fernen Klang" entstandenen "Kö- nigskindern" von Humperdinck steht eine weitere spannende Wiederentdeckung bevor.

Für die szenische Realisierung zeichnen Regisseur Jens-Daniel Herzog und sein Bühnen- und Kostümbildner Mathis Neidhardt verantwortlich, die sich schon mehrfach am Opernhaus Zürich mit ihrer Lesart von selten gespielten Werken des Musiktheaters profiliert haben. In den äusserst anspruchsvollen Hauptpartien sind Juliane Banse und Roberto Saccà zu erleben, die ihre Partien wie alle anderen Mitwirkenden dieser Produktion als Rollendebüt erarbeitet haben.

Oliver Widmer verkörpert den geheimnisumwitterten Grafen, Stefania Kaluza das ebenso geheimnisvolle alte Weib. Als Eltern der Grete sind Irène Friedli und Morgan Moody zu hören. Valeriy Murga, Cheyne Davidson und Tomasz Slawinski gehören der Wirtshausgesellschaft an, die im ersten Aufzug ihr böses Spiel mit Grete treibt. Zum Personal des zweiten Aufzuges gesellen sich Peter Sonn als Chevalier, Davide Fersini als Baron sowie das Studiomitglieder Teresa Sedlmair, Susanne Elle Grobholz, Camille Butcher, Andrea Schwendener und Agnieszka Adamczak als leichte Mädchen.

Boguslaw Bidzinski tritt als zweifelhaftes Individuum in Erscheinung, Andreas Winkler verkörpert einen Choristen. Mit Kresimir Strazanac und den IOS-Mitgliedern Igor Bakan, Thomas Tatzl, Shinya Kitajima, Pablo Bemsch und Alejandro Lárraga Schleske ist das Ensemble schliesslich komplett.

Der ferne Klang
Premiere: So 9. Mai 2010

Weitere Vorstellungen:
13./ 15./ 20./ 22. Mai 2010
02./ 06./ 09. Juni 2010

Opernhaus Zürich
Falkenstrasse 1
CH - 8008 Zürich

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  •  9. Mai 2010 9. Juni 2010 /
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Roberto Saccà, Juliane Banse; Copyright: Suzanne Schwiertz
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Juliane Banse, Oliver Widmer; Copyright: Suzanne Schwiertz
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Juliane Banse; Copyright: Suzanne Schwiertz