24. Oktober 2013 - 4:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
logo dvdtipp

Josephs Loseys erste Zusammenarbeit mit dem Dramatiker Harold Pinter ist ein dichtes Kammerspiel über Herr und Diener und das sich langsam verschiebende Kräfterverhältnis. Bei StudioCanal ist das 1964 gedrehte meisterhafte Drama in der Reihe "Arthaus Retrospektive" auf DVD erschienen.

Von einer Allee schwenkt die Kamera zu einem Mann mit Regenschirm und Hut, folgt ihm auf der Straße, bis er zu einem Stadthaus gelangt. – Schon diese "Der Diener - The Servant" eröffnende Plansequenz demonstriert, welch großer Stilist der 1909 in Wisconsin geborene Joseph Losey war. Die Kommunistenjagd McCarthys trieb ihn 1953 nach England, wo er nach mehreren Auftragsarbeiten 1964 mit "The Servant" erstmals einen Film drehen konnte, über den er die volle Kontrolle hatte.

Im Dramatiker Harold Pinter fand Losey einen kongenialen Partner, mit dem er ebenso auch bei den folgenden Filmen zusammenarbeitete wie mit dem Schauspieler Dirk Bogarde und dem Production-Designer Richard MacDonald.

Bogarde spielt den Diener Hugo Barrett, der eine neue Stelle bei dem labilen Lebemann Tony (James Fox) antritt. Barrett, kümmert sich zunächst um alles, agiert unterwürfig, nimmt die Wünsche des Herrn schon vorweg, richtet das in desolatem Zustand gekaufte Haus neu ein. Ist Tony aber einmal abwesend, zeigt der Diener sich von einer anderen Seite, raucht, trinkt Alkohol, nimmt sich Freiheiten heraus.

Misstrauisch und abweisend gegenüber Barrett verhält sich Tonys Verlobte Susan (Wendy Craig), Rivalen sind sie im Buhlen um den Herrn. Angeblich zur Unterstützung holt Barrett seine "Schwester" Vera (Sarah Miles) ins Haus, die Tony bald verführt, gleichzeitig in Wahrheit aber auch Barretts Geliebte ist. Als Tony hinter ihr Verhältnis kommt, wirft er auf Druck Susans beide hinaus, kommt aber allein im Leben nicht zurecht. Chaos breitet sich im Haus aus, er selbst verfällt dem Alkohol. In einer Kneipe begegnet er schließlich zufällig Barrett wieder, der scheinbar reumütig wiederum um Einstellung bittet. Tony geht darauf ein, doch die Machtverhältnisse verschieben sich immer mehr...

In der weitgehenden Konzentration auf das Haus und die vier Protagonisten entwickelt dieses Kammerspiel große Dichte. Meisterhaft ist die Kameraarbeit von Douglas Slocombe, der kunstvoll mit langen Einstellungen und Spiegelbildern arbeitet, perfekt zur Stimmung passend die jazzige Musik. Kühl und messerscharf deckt Losey, unterstützt vom perfekten Drehbuch Pinters, die Abhängigkeitsverhältnisse und ihre Dynamik auf, erzeugt eine Stimmung der Morbidität und Dekadenz und lässt auch eine homoerotische Beziehung zwischen Barrett und Tony durchschimmern.

An Extras enthält die bei StudioCanal in der Reihe "Arthaus Retrospektive" erschienene DVD ein fünfminütiges Interview mit Joseph Losey, ein 30-minütiges Interview mit Harold Pinter sowie Interviews zu Pinter und Dirk Bogarde. An Sprachversionen verfügt die DVD neben der englischen Originalfassung über die deutsch synchronisierte Fassung sowie über deutsche Untertitel.

Trailer zu "Der Diener - The Servant"



25131-25131derdienercover.jpg
25131-25131derdiener1.jpg
25131-25131derdiener2.jpg
25131-25131derdiener3.jpg
25131-25131derdiener4.jpg