13. Juli 2019 - 12:06 / Musik 

Von 19. bis 21. Juli geht im mittelalterlichen Städchen Bad Doberan, das zwischen Wismar und Rostock an der deutschen Ostseeküste liegt, zum nunmehr 30. Male die „Zappanale“ über die Bühne. Neben Konzerten der "Grandmothers of Invention" und Vorträgen zu Frank Zappas Verhältnis mit der Wüste runden auch dieses Jahr Ausstellungen unter anderem des Vorarlberger Künstlers Helmut King das Programm ab.

1989 gründete Wolfhard Kutz, Fernsehtechniker von Beruf, zusammen mit anderen Fans die "Arf Society", welche am 3. August 1990 in Altdorf bei Bad Doberan die erste Zappanale veranstaltete. 50 Personen fanden sich damals in der Klosterruine zu Bier, Brot und Suppe aus der Gulaschkanone zusammen, es spielte die Band Ace 9. Damit begann eine Erfolgsgeschichte der ganz eigenen Art.

Wenn dieses Jahr in der "Zappatown", deren Ortszentrum das Frank Zappa Denkmal bildet, wieder zur Zappanale geladen wird, so geschieht dies gleich unter dem Vorzeichen zweier "Jubiläen": Jährte sich letzten Dezember der Todestag des Gitarrenvirtuosen mit der langen Nase und dem markanten Bart zum 25. Mal, so kann die Zappanale heuer ihren 30. Geburtstag feiern.

Und das tut sie mit einem auch dieses Jahr wieder sehr breit gefächerten Programm. Während mit "Long Distance Calling" etwa eine Gruppe aus dem Bereich des instrumentalen Post-Rocks vertreten ist, werden mit "The Grandmothers of Invention" ehemalige Bandmitglieder der legendären "Mothers of Invention" auf der Bühne stehen und Frank Zappa in seinen eigenen Kompositionen zum Besten geben. Das Jazzprojekt "Hundehagen" wiederum, mittlerweile Haus-Band der Zappanale, will auch dieses Jahr einmal mehr beweisen, dass Jazz tatsächlich nicht tot ist, sondern einfach nur seltsam riecht.

Mitunter kann es auf der Bühne auch ziemlich eng werden, denn es sind auch einige großen Bands und Orchester angesagt. So soll etwa die "Ed Palermo Big Band" aus den USA mit ihren 17 Musikern auftreten. Angst, dass die Bühne zusammenbricht, muss man beim "Ensemble Musikfabrik Köln" haben, wenn gar 30 Musiker zusammenspielen.

Auch Vorträge des Zappalogen Jim Cohen etwa zu Zappas nostalgischem Verhältnis zur Wüste sind angesagt.

Für alle besonders Vorfreudigen beginnt die Warm-Up Party übrigens bereits am Donnerstag, den 18.7.2019. Wer Lust auf mehr Infos hat, kommt hier zum ausführlichen Programm.

Steht das musikalische Geschehen üblicherweise im Zentrum eines Musikfestivals, so wäre die 30. Zappanale jedenfalls keine echte ohne das künstlerische Rahmenprogramm. Und dieses hält dieses Jahr gleich ein weiteres Jubiläum bereit: Zum zehnten Mal bereits ist der Vorarlberger Künstler Helmut King nun fester Bestandteil der Zappanale. Aktuell wird er mit der Ausstellung "The Audition" mit zehn großformatigen Arbeiten, je einen Gitarristen abbildend, den Rahmen des Festivals gestalten.

King und die Zappanale haben dabei eine ganz besondere Beziehung, welche bereits bei seinem ersten "Auftritt" 2009 ihre Eigenart entwickelte. Damals wurde die 2000 von King entworfene Kunstkassette "I’m the Indian of the Group" ausgestellt, eine zitatförmige Hommage an den 2008 verstorbenen Schlagzeuger der "Mothers of Invention" und der späteren "The Grandmothers", Jimmy Carl Black. Die vielschichtige, grell-bunte Kunst Kings wurde damit fast auf Anhieb zum künstlerischen Gesicht des Festivals. Die "King-Art" beinhaltet neben Hobelgesichtern, bemalten Polizeihelmen ("Brain Police") oder Illustrationen der Plaster Caster-Legende in Tusche und Acryl, auch die 2013 gestaltete Postkarte des Festivals. Gar ein fiktives Vereinigtes Königreich von Kretzer, dessen Banknoten in verschiedenen Größen King gestaltete, reiht sich in die beachtliche Bandbreite ein. 2017 wurden erstmals alle von King, der niemals selbst ein Musikinstrument spielte, gestalteten Musikinstrumente auf der Zappanale versammelt ausgestellt: Die "Weasel Guitar", und das Klangbild "Music is the best" sowie die in Zusammenarbeit mit namhaften Instrumentenbauern hergestellten Instrumente "Baron Bodensee" (eine E-Gitarre), der Kretzer Bass und das Drumbild.

Dieses Jahr, in "The Audition", werden zehn verschiedene Gitarristen ein Vorspiel bei Frank Zappa persönlich zu bewältigen haben – manche scheitern, andere sind erfolgreich, sie alle jedoch spielen ganz im Stile Helmut Kings. (Tobias Chromy)



Helmut King: Arbeit aus der Serie 'The Audition' (© Helmut King)
Helmut King: Arbeit aus der Serie 'The Audition' (© Helmut King)
Vor fünf Jahren gestaltete Helmut King auch das Cover der Publikation anlässlich der 25. Zappanale
Vor fünf Jahren gestaltete Helmut King auch das Cover der Publikation anlässlich der 25. Zappanale
Plakat zur diesjährigen Zappanale
Plakat zur diesjährigen Zappanale
Empfangskommitee mit Helmut King in der Mitte zur Begrüssung von Frank Zappas Sohn Dweezil (© King)
Empfangskommitee mit Helmut King in der Mitte zur Begrüssung von Frank Zappas Sohn Dweezil (© King)
Künstler Helmut King (Foto: Karlheinz Pichler)
Künstler Helmut King (Foto: Karlheinz Pichler)
Helmut Kings 'The Audition" an der Zappanale 2019 (© King)
Helmut Kings 'The Audition" an der Zappanale 2019 (© King)