Dem Übernatürlichen in der Kunst auf der Spur

Das Kunstmuseum Basel widmet den unergründlichen „Geistern” eine umfangreiche Sonderausstellung. Mit über 160 Werken und Objekten aus den letzten 250 Jahren erkundet die Ausstellung „Geister. Dem Übernatürlichen auf der Spur“ die reiche visuelle Kultur, die sich im 19. Jahrhundert in der westlichen Welt rund um das Thema Geister entwickelte. Diese Kultur wurde vorangetrieben durch die Verschmelzung von Wissenschaft, Spiritualismus und populären Medien und inspiriert Künstlerinnen und Künstler bis heute.

Geister sind allgegenwärtig. Die visuelle Kultur wimmelt davon: von Hollywood-Blockbustern wie „Ghostbusters” (1984) bis hin zu Indie-Filmen wie „All of Us Strangers” (2023). Sie spuken auf Bildschirmen, Theaterbühnen und in Büchern. Literatur, Brauchtum und Mythen sind durchdrungen von Geistern, die sich weigern, uns in Ruhe zu lassen.

Auch die Kunst haben sie schon immer heimgesucht. Als Wesen des Dazwischen sind sie Vermittler zwischen den Welten, zwischen oben und unten, Leben und Tod, Schrecken und Humor, Gut und Böse sowie sichtbar und unsichtbar. Jeder Versuch, sie abzubilden, aufzuzeichnen oder mit ihnen zu kommunizieren, ist daher eine kognitive Herausforderung und ein emotionaler Nervenkitzel.

Zwar wird das 19. Jahrhundert heute meist als goldenes Zeitalter der Rationalität, der Wissenschaft und der Technologie angesehen, doch es war auch eine Blütezeit für den Glauben an Geister und Erscheinungen. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurden Geister zu einem Mittel, um sich der Erforschung der Psyche anzunähern und neue Zugänge zum menschlichen Innenleben zu erschließen. Die Romantik hatte die Lust an Spektakeln und Wundern geweckt, sodass der Glaube an Geister durch technologische Innovationen und Illusionstechniken wie die Theatertechnik „Pepper’s Ghost” flankiert wurde.

Die Erfindung der Fotografie um 1830 führte zum Aufschwung der Geisterfotografie mit wichtigen Vertretern wie William H. Mumler in den Vereinigten Staaten und später William Hope in England. Ihre Fotografien, die verstorbene Menschen wieder erscheinen ließen und ein Leben nach dem Tod zu versprechen schienen, haben großen Einfluss darauf, wie wir uns Geister noch heute vorstellen. Der Münchner „Geisterbaron” Albert Freiherr von Schrenck-Notzing, der wohl berühmteste Parapsychologe, verband die neuartigen technischen Mittel der Fotografie mit einem quasi-wissenschaftlichen Ansatz. Er wollte die übernatürlichen Erscheinungen dokumentieren, die in seinen Séancen auftraten – von denen kein Geringerer als der Schriftsteller Thomas Mann Bericht erstattete.

Entsprechend ist die Geisterfotografie ein wichtiges Kapitel der Ausstellung. Einen weiteren Zugang bieten die Aufzeichnungen und Bilder, die von spiritistischen Medien geschaffen wurden, um ihren direkten Kontakt mit der Geisterwelt festzuhalten. Angesichts der Nähe von Geistern zu psychischen Ausnahmesituationen beschäftigt sich die Ausstellung zudem intensiv mit dem Phänomen des Spuks, also mit Geistern in Räumen. Dazu werden die vielfältigen visuellen Spuren und Geistererzählungen verfolgt, die in der westlichen Kultur des 19. Jahrhunderts zu finden sind und später von Künstlerinnen und Künstlern aufgegriffen wurden. Dabei bezieht sie voller Neugierde Bildwelten jenseits der bildenden Kunst ein, die für die Kunst des 20. Jahrhunderts zu besonderen Inspirationsquellen wurden.

Geister
Dem Übernatürlichen auf der Spur
Bis 8. März 2026, Kunstmuseum Basel | Neubau
Kuratorin: Eva Reifert